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SPRUCH DES JAHRES

Die Regierungen, welche die Freiheit der Rede unterdrücken, weil die Wahrheiten, die sie verbreitet, ihnen lästig sind, machen es wie die Kinder, welche die Augen zuschließen, um nicht gesehen zu werden.

Ludwig Börne

SPRUCH DER WOCHE

Gewissen kann nur sein, wo Wissen ist.

Erhard Blanck

LUSTIGES

Quelle: Aus dem umgestülpten Papierkorb der Weltpresse (1977)

Claiton, England

Hochstimmung herrschte bei der Ortsfeuerwehr, als das seit langem bestellte, leuchtend rote Feuerwehrauto, ausgestattet mit allen Raffinessen, endlich eintraf. Bei der ersten Probefahrt gab es jedoch lange Gesichter: Das für 30.000 Mark angeschaffte Fahrzeug kam mit seiner Länge von 12 Metern nicht um die Ecken der schmalen Straßen herum.

 

(Das war vor 45 Jahren. Heute kriegt man für 30.000 Mark einen elektrischen Krankenfahrstuhl. TL)

Die Lehmänner
Die Lehmänner

1. November

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Neues Deutschland 1.11., S. 1

Schlagzeilen

 

EGON KRENZ REIST ZU ARBEITSBESUCH IN DIE VR POLEN

 

BUNDESVORSTAND DES FDGB TAGT AM DONNERSTAG

HARRY TISCH WIRD SEINEN RÜCKTRITT ERKLÄREN

 

OBDACHLOSENHELFER RUFEN IN BERLIN (WEST) NOTSTAND AUS

DIAKONISCHES WERK: IM WINTER SITZEN 7 000 AUF DER STRASSE

 

12 880 NAZIS SEIT 1945 IN DER DDR VERURTEILT

VON JURISTEN IN HAMBURG: TIEFE KLUFT ZUR BRD-PRAXIS

Neues Deutschland 1.11., S. 1

 

Die im Oktober vorigen Jahres von der Erweiterten Oberschule "Carl von Ossietzky" Berlin  relegierten Schüler können bei entsprechendem Wunsch ihre Ausbildung fortsetzen. ...

Der Stadtschulrätin Rotraud Stierand zufolge hätten sich die betroffenen Schüler seinerzeit in ihrer Schule an politischen Auseinandersetzungen in einer Art und Weise beteiligt, die unakzeptabel gewesen sei. Der Direktor der Schule Rainer Forner habe deshalb nach Beratung im Pädagigischen Rat und unter Berücksichtigung der Stellungnahme des Elternbeirats und der FDJ-Grundorganisation den Antrag auf Ausschluß der Schüler gestellt.

2. November

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Neues Deutschland 2.11., S. 1

Schlagzeilen

 

VÖLLIGE ÜBEREINSTIMMUNG BEI TREFFEN MICHAIL GORBATSCHOW-EGON KRENZ

MITTEILUNG ÜBER DIE BEGEGNUNG IM ZK DER KPDSU

BRUDERBUND WIRD AUSGEBAUT

KPDSU UND SED WOLLEN DIE REVOLUTIONÄRE UMGESTALTUNG IHRER LÄNDER ZUM ERFOLG FÜHREN

STABILE WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG BLEIBT ENTSCHEIDENDE GRUNDLAGE DER ERNEUERUNG

UDSSR BEKRÄFTIGT: ALLE FRAGEN, DIE DIE DDR BETREFFEN, WERDEN IN BERLIN ENTSCHIEDEN

Neues Deutschland 2.11., S. 2

 

Dem "Time Magazin", dessen Korrespondent bemerkte, es werde kritisch betrachtet, daß Egon Krenz mit Erich Honecker verbunden war und noch verbunden ist, sagte er: "Das empfinde ich nicht als Kritik. In der Politik gibt es Zeiten, wo man gemeinsam geht, und es gibt Zeiten, wo man allein die Verantwortung übernehmen muß. Unter Leitung Erich Honeckers ist in der DDR viel Gutes geleistet und entwickelt worden, so daß ich mich dieser Zeit nicht zu schämen brauche".

ICH LIEBE EUCH DOCH ALLE!

MfS, Dokumentenverwaltung, Nr. 103632                                                          Berlin, 2.11.1989

Mielke an Leiter der Diensteinheiten

 

Für die in den letzten Wochen gezeigte hohe Einsatzbereitschaft und vorbildliche Erfüllung der übertragenen Aufgaben spreche ic allen Angehörigen des Ministeriums für Staatssicherheit Dank und Anerkennung aus.

Auch in den nächsten Wochen sind eine hohe Kampf- und Einsatzbereitschaft der Angehörigen aller Diensteinheiten erforderlich, sowie ein schnelles Reagieren auf unvorhergesehene Ereignisse zu gewährleisten. ...

... In Abhängigkeit von der jeweiligen Aufgabenstellung sowie den konkreten Lagebedingungen, ist zu gewährleisten:

- Bildun von Einsatzreserven in Größenordnungen, die den tatsächlichen politisch-operativen Erfordernissen entsprechen

- Anwendung einer "versetzten Dienstzeit" in Abhängigkeit von den jeweiligen Belastungen für bestimmte Angehörige

- volle Arbeitsfähigkeit der Operativen Einsatzstäbe für einen längeren Zeitraum

- absolute Hausbereitschaft für 50 Prozent des Ist-Bestandes der Diensteinheiten

- Möglichkeit der Abwesenheit von der Wohnung bis zu 4 Stunden für 50 Prozent des Ist-Bestandes der Diensteinheiten bei strkter Einhaltung des Ab- und Rückmeldesystems

Kurz- bzw. Wochenendurlaub für Angehörige, die kaserneirt untergebracht sind bzw. nicht am Dienstort wohnen

-Abgeltung von geplantem Jahresurlaub, insbesondere für Angehörige, die in diesem Jahr noch keinen Urlaub in ANspruch nahmen. ...

... Zur weiteren Vorbereitung der Planung werde ich zu gegebener Zeit neue Weisungen erlassen.

Mielke

Armeegeneral

3. November

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Neues Deutschland 3.11., S. 1

Schlagzeilen

 

MINISTERRAT ERÖRTERTE KRITISCHE POLITISCH-ÖKONOMISCHE LAGE

WEITERE AUFGABEN FÜR EINE WENDE BEHANDELT

VORSCHLÄGE VON BÜRGERN BERÜCKSICHTIGT

VOLKSBILDUNGSMINISTER ZURÜCKGETRETEN

 

ANNELIES KIMMEL ZUR NEUEN FDGB-VORSITZENDEN GEWÄHLT

10. TAGUNG DES BUNDESVORSTANDES NAHM DEN RÜCKTRITT VON HARRY TISCH AN

EINHEIT DER GEWERKSCHAFT HAT PRIORITÄT

 

DDR UND EG PARTNER FÜR EINE KONSTRUKTIVE KOOPERATION

EGON KRENZ EMPFING IM STAATSRAT VIZEPRÄSIDENT DER KOMMISSION DER EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFTEN, MARTIN BANGEMANN

Neues Deutschland 3.11., S. 3

Schlagzeilen

 

CDU-VORSITZENDER GERALD GÖTTING ZURÜCKGETRETEN

 

NDPD-VORSITZENDER HEINRICH HOMANN ZURÜCKGETRETEN

 

LDPD EMPFIEHLT RÜCKTRITT DER REGIERUNG

4. November

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Neues Deutschland 4.11., S. 1

 

FERNSEH- UND RUNDFUNKANSPRACHE VON EGON KRENZ AN DIE BÜRGER DER DDR
 

Wir sehen in der Erneuerung unserer sozialistischen Gesellschaft vor allem eine große geistige Erneuerung. Im Leben der Partei, in ihren Strukturen und im Parteistatut sind Garantien für die Unumkehrbarkeit der Erneuerung zu schaffen. Erforderlich ist eine Demokratisierung der Kaderpolitik und die Begrenzung der Zeitdauer für die Ausübung von Wahlfunktionen. Führung durch die Partei heißt, politische Konzepte zu entwickeln und die Mitglieder und Organisationen in den Volksvertretungen, in der Regierung, den Räten und anderen Organen des Staates und der Wirtschaft zu deren Verwirklichung zu befähigen. Wir wollen eine starke, handlungsfähige, von neuem demokratischen Selbstbewußtsein durchdrungene SED, die eng mit dem Volk verbunden ist.

Neues Deutschland 4.11., S. 2

 

Wie CTK am Freitagabend nach Redaktionsschluß meldete, hat die DDR nach Vereinbarung mit der CSSR die direkte Ausreise der mehr als 4 500 sich in der dortigen BRD-Botschaft aufhaltenden Personen in die BRD ermöglicht.

ICH LIEBE EUCH DOCH ALLE!

MfS, Dokumentenverwaltung, Nr. 130631                                                         Berlin, 4.11.1989

(Fernschreiben) Mielke an Stellvertreter des Ministers, Leiter der Bezirksverwaltungen des MfS

MfS-Nr. 267/89

 

Liebe Genossinnen und Genossen!

In einer Zeit, in der die Angriffe gegen die Partei, gegen unseren Staat und insbesondere auch gegen das Ministerium für Staatssicherheit und seine Angehörigen immer massiver und schärfer werden, wende ich mich ganz persönlich an Euch.

Mir liegt zuerst am Herzen, Euch meinen Dank für die standhafte Haltung und verantwortungsbewußte Pflichterfüllung in diesen schweren Tagen auszusprechen.

Vor allem im Zusammenhang mit der Lageentwicklung seit dem 40. Jahrestag der DDR nehmt Ihr im Interesse der Sicherung der Macht und des Schutzes der Errungenschaften des werktätigen Volkes - gleich, auf welchem Platz Ihr auch steht - außerordentlich hohe Belastung auf Euch. ...

... Nach wie vor ist jedoch die Lage sehr ernst, und sie stellt in den nächsten Tagen und Wochen weiterhin höchste Anforderungen an jeden einzelnen von Euch. Deshalb ist es auch so wichtig, daß sich keiner durch die ständig zunehmenden Verleumdungen gegen Dienststellen und Angehörige, gegen Euch, in Einzelfällen auch gegen Eure Familien und selbst gegen Eure Kinder verunsichern und provozieren läßt....

... Als Minister habe ich volles Vertrauen zu Euch. Ich bin gewiß, daß Ihr Euch in dieser großen Bewährungsprobe für unsere Partei, für die Arbeiter-und-Bauern-Macht und für unser Ministerium für Staatssicherheit auch weiterhin mit politischer Standhaftigkeit und Leidenschaft für unsere Sache einsetzt - so, wie wir das als Tschekisten immer getan haben.

Erich  Mielke

5. November

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Der Tagesspiegel vom 5.11., S. 1

Schlagzeilen

 

BIS ZU EINER MILLION MENSCHEN DEMONSTRIERTEN IN OST-BERLIN

GRÖSSTE FREIWILLIGE DEMONSTRATION IN DER GESCHICHTE DER DDR

26 REDNER FORDERTEN REFORMEN - VOM DDR-FERNSEHEN DIREKT ÜBERTRAGEN

 

DDR GESTATTET FREIE AUSREISE ÜBER DIE TSCHECHOSLOWAKEI

RUND 7 000 FLÜCHTLINGE IN DER BUNDESREPUBLIK ERWARTET

Der Tagesspiegel vom 5.11., S. 1

 

... Nun, da die Entwicklungen auch in der DDR voranschreiten, stellt sich vor allem die Sorge ein. Was geschieht, wenn trotz aller Verheißungen der Umgestaltung noch mehr Bewohner der DDR zu uns kommen? Auf welche Strukturen laufen die Dinge in der DDR zu? Was kann man tun, um der Bevölkerung in der DDR zu helfen, ohne zugleich mit ihrem nun gewachsenen Selbstbewußtsein zu kollidieren? An welchem Punkt bescheinigt man einer neuen DDR-Führung Reformwillen oder besser Einsicht in das Notwendige, ohne hinter den Wünschen der dortigen Bevölkerung zurückzubleiben? Und schließlich: Wie wird sich die deutsche Frage nach einiger Zeit darstellen?

ICH LIEBE EUCH DOCH ALLE!

MfS, ZAIG, Nr. 484/89                                                                                                               o.D.

Information, nicht rausgegangen

 

Streng geheim!

Um Rückgabe wird gebeten!

 

INFORMATION ÜBER DIE FÜR DEN 4. NOVEMBER !)() IN DER HAUPTSTADT DER DDR, BERLIN, INITIIERTE DEMONSTRATION VON KUNST- UND KULTURSCHAFFENDEN

 

Nach dem MfS vorliegenden Hinweisen soll die zwischenzeitlich von den zuständigen staatlichen Organen genehmigte Demonstration nach aktuellen Erkenntnissen am 4. November 1989 um 10.00 Uhr in der Mollstraße/Ecke Prenzlauer Allee (Sammelpunkt) beginnen und über die Karl-Liebknecht-Straße, den Marx-Engels-Platz, am Gebäude des Staatsrates vorbei, über die Rathausstraße führen und etwa 14.30 Uhr auf dem Alexanderplatz beendet werden.

Die Demonstration soll unter dem Thema: "Artikel 27 und 28 der Verfassung der DDR" stehen. ...

... Die Absicht zur Durchführung der Demonstration ist republikweit popularisiert worden, vornehmlich in Künstler- und Kirchenkreisen. Ein entsprechender Hinweis wurde auch in der Zeitschrift "Der Morgen" vom 16. Oktober 1989 veröffentlicht. In einer Reihe Veranstaltungen in diesen Kreisen wurde dazu aufgefordert, an der Demonstration teilzunehmen und den Termin der Demonstartion weithin bekanntzumachen (z.B. während der von Verband Bildender Künstler, Bezirksverband Berlin, am 16. Oktober 1989 durchgeführten "offenen Stunde"; während einer Zusammenkunft der Unterhaltungskünstler am 16. Oktober 1989 im Kulturhaus "Peter Edel", Berlin); auch die telefonische Weitergabe des Termins der Demonstartion wurde in verschiedenen Bezirken der DDR festgestellt. ...

... Internen Hinweise zufolge befürchten Organisatoren der Demonstration, durch die breite Popularisierung könnten Ordnung und gewaltloser Charakter nicht in Eigenverantwortung gewährleistet werden. In einer Beratung der Gewerkschaftsvertrauensleute der Theaterschaffenden Berlin am 24. Oktober 1989 wurde deshalb festgelegt, eine weitere Bekanntmachung größeren Stils - z.B. in Massenmedien - zu unterbinden, weil sonst die Teilnehmerzahl zu hoch ansteigen könnte. Einige Organisatoren brachten die Befürchtung zum Ausdruck, die Teilnehmerzahl könnt 500 000 Demonstranten erreichen, falls die Werbung nicht gestoppt werde. ...

... Bemerkenswert ist, daß ein während der Demonstration am 21. Oktober 1989 tätiges Fernsehteam der "Aktuellen Kamera" ohne Kennung von bestimmten Personen angesprochen wurde in der Annahme, daß es sich um ein Team westlicher Fernsehsender handelt; es wurde aufgefordert, auch während der Demonstration am 4. November 1989 zu drehen, denn da würde "das größte Ding laufen, was es bisher gesehen habe". ...

... Seitens des MfS wird auf Grundlage eines Maßnahmenplanes mit geeigneten Mittel veranlaßt, daß

- militante feindliche Kräfte festgestellt und isoliert werden, die die Demonstration für provokatorische Zwecke mißbrauchen wollen,

- positive und vernünftige Kräfte gestärkt werden, um Einfluß auf einen ruhigen Verlauf der Demonstration zu nehmen,

- gesellschaftliche Kräfte in Abstimmung mit der Partei wirkungsvoll zum Einsatz gebracht werden.

Die Information ist wegen Quellengefährdung nur zu persönlichen Kenntnisnahme bestimmt.

6. November

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Neues Deutschland vom 6.11., S. 2

 

Mehr als 50 000 DDR-Bürger sind, wie die zuständigen österreichischen Behörden am Wochenende mitteilten, seirt der Öffnung von Ungarns Westgrenze am 11. September über Österreich in die BRD ausgereist. Die DDR-Botschaft in Wien unterstützt, wie es heißt, zurückkehrende DDR-Bürger mit der Ausstellung der notwendigen Dokumente für die Wiesereinreise in die DDR.

Neues Deutschland vom 6.11., S. 2

 

Freitag abend hat sich Egon Krenz in seiner Ansprache an alle Bürger gewandt. Wir möchten hoffen, die Rede wurde gehört, am Samstag in den Zeitungen nachgelesen, bedacht und erörtert. ... Um auf die Berliner Demonstartion zurückzukommen. Dort sind böse und harte, zugleich ermutigende und besonnene Worte gesagt worden. Zeit ist, über Trennendes hinweg zusammenzustehen und die Dinge zum Guten zu wenden für unsere gemeinsame Heimat, die Deutsche Demokratische Republik.

Neues Deutschland vom 6.11., S. 3

 

STAATLICHE SICHERHEIT - GRUNDBEDINGUNG FÜR ERNEUERUNG UND FÜR BEWAHRUNG DES ERREICHTEN

 

Interwiew des ND mit dem Stellvertreter des Ministers für Staatssicherheit, Generaloberst Rudi Mittig:

Der "totale Überwachungsstaat", das "allgegenwärtige Spitzelsystem" existieren nur in der Phantasie westlicher Medien. Das Ministerium für Staatssicherheit "überwacht" nicht das Volk, es arbeitet mit den Bürgern zusammen und im Interesse aller, denen der Sozialismus und das friedliche Leben der Menschen hierzulande am Herzen liegt. ...

Neues Deutschland vom 6.11., S. 8

 

URTEILSVERKÜNDUNG IM PROZESS GEGEN DREI DRESDNER ROWDYS

GERICHT BLIEB UNTER DEM ANTRAG DES STAATSANWALTS

 

Wegen Zusammenrottung, Rowdytum und Widerstand gegen staatliche Maßnahmen wurden von der Strafkammer des Kreisgerichtes Dresden-Ost der 19-jährigeForstarbeiter André L. zu zwei Jahren und zwei Monate, der 23-jährige Facharbeiter für Grünanlagen Holm V. zu zwei Jahren und 6 Monate und der 18-jährige Friedhofsgärtner Kai-Uwe St. zu vier Jahren Freiheitsentzug sowie einer Geldstrafe in Höhe von 3 000 Mark verurteilt.

7. November

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Neues Deutschland vom 7.11., S. 1

Schlagzeilen

 

EG-KOMMISSAR BANGEMANN:

FÜR BALDIGE GESPRÄCHE MIT DDR ÜBER HANDELSVERTRAG

WARNUNG AN WESTLICHE POLITIKER VOR "OBERLEHRERGEHABE"

 

VOR KOHL-BESUCH IN POLEN:

CZAJA BEANSPRUCHT ERNEUT "PROVINZEN ÖSTLICH DER ODER"

DDR-GRENZE IN FRAGE GESTELLT

 

BRD-NACHRICHTENAGENTUR DPA:

"UNHALTBARE ZUSTÄNDE" IN AUFFANGLAGER BEI HAMBURG

ÜBERSIEDLER AUS DER DDR KLAGEN ÜBER UNTERBRINGUNG

 

BERLIN (WEST): JEDER ZWHNTE ARBEITSLOSE IST EIN ÜBERSIEDLER

Neues Deutschland vom 7.11., S. 2

 

Im Zuge der Vereinbarung zwischen der DDR, der BRD und der CSSR sind von Sonnabend bis Montag, 12 Uhr, 23 300 Bürger der DDR über die CSSR in die BRD ausgereist.

Der Tagesspiegel vom 7.11., S. 1

Schlagzeilen

 

MEHR ALS 23 000 FLÜCHTLINGE KAMEN ÜBER DIE CSSR

AUSREISEWELLE AUS DER DDR AUF NEUEM HÖHEPUNKT

PRO STUNDE 100 AUTOS AN BAYRISCHEM ÜBERGANG

ICH LIEBE EUCH DOCH ALLE!

MfS, ZAIG, Nr. 496/89                                                                                              Berlin, 7.11.1989

Information an Krenz, Schabowski, Hager, Dickel, Mittig, Großmann, Neiber, Schwanitz, MfS intern.

 

Streng geheim!

Um Rückgabe wird gebeten!

 

INFORMATION ÜBER DAS WIRKEN DES "NEUEN FORUMS", WEITERER SAMMLUNGSBEWEGUNGEN UND DAMIT IM ZUSAMMENHANG STEHENDE BEACHTENSWERTE PROBLEME

 

Die in der Information des MfS Nr. 485/89 vom 30. Oktober 1989 dargestellten Tendenzen der DDR-weiten Formierung der bekannten Sammlungsbewegungen setzten sich im Zeitraum vom 30. Oktober bis 5. November 1989 in den aufgezeigten Grundrichtungen unvermindert fort.

Die Legalisierung des "Neuen Forums" wird entsprechend dem an Rechtsanwalt GYSI durch das MdI übermittelten Zwischenbescheid allgemein am 8. November 1989 erwartet, jedoch nur noch als formaler Akt angesehen (Nach streng internen Informationen beabsichtigen Führungskräfte diese Entscheidung zu nutzen, um "Freudendemonstrationen" durchzuführen). ...

... Beachtlich im Anwachsen ist der Einfluß des "Neuen Forums" unter Teilen der Arbeiterklasse. Das zeigt sich u.a. in einer zunehmenden Teilnahme von Werktätigen und z.T. geschlossener Arbeitskollektive an Veranstaltungen des "Neuen Forums", in einem im Vergleich zu Leitern und Funktionären in Betrieben teilweise wachsenden Einfluß von Kräften des "Neuen Forums" bei Arbeitern sowie in Einzelfällen im Auftreten von Werktätigen gegen Maßnahmen zur Unterbindung des Wirksamwerdens des "Neuen Forums" in Betrieben. So kam es z.B. im VEB Preß- und Schmiedewerk Brand-Erbisdorf zu einer befristeten Arbeitsniederlegung von über 50 Werktätigen zur Erzwingung der Rücknahme einer Entscheidung der Betriebsparteileitung, die einen Aufruf des "Neuen Forums" von der Wandzeitung entfernt hatte. Androhungen von Arbeitsniederlegungen im Zusammenhang mit Aktivitäten gegen das "Neue Forum" gab es auch in anderen Betrieben.

Aus Führungskreisen des "Neuen Forums" wurden dem MfS streng vertraulich bekannt:

Über das strategische und taktische Vorgehen bestehen nach wie vor Meinungsunterschiede. Da man sich z.Z. außerstande sehe, die Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen und kein "Machtvakuum" entstehen lassen wolle, sei man gegenwärtig nicht an einer Zuspitzung der gesellschaftlichen Widersprüche in der DDR und an der Infragestellung der führenden Rolle der SED (die praktisch bereits verlorengegangen sei) interessiert. Ungeachtet dessen trage die öffentliche Bekundung zur Verfassungstreue nur einen taktischen Charakter, zumal davon wesentlich die Legalisierung des "Neuen Forums" abhänge. ...

... Keine konkreten Vorstellungenkönne das "Neue Forum" gegenwärtig zur Lösung volkswirtschaftlicher Problemstellungen anbieten. Ein Zusammengehen mit den anderen Parteien im demokratischen Block wolle man weniger im Sinne einer politischen Zusammenarbeit, sondern mehr aus praktischen Erwägungen wegen der Nutzung der Möglichkeiten und der materiellen Basis dieser Parteien für die eigenen Ziele. ...

... Erkennbar sind Bestrebungen feindlicher, oppositioneller Kräfte, neue Sammlungsbewegunge/Parteien zu schaffen bzw. bestehendepersonelle Zusammenschlüsse in diesem Sinne zu aktivieren und zu profilieren:

1. Am 5. November 1989 fand in der Bekenntniskirche in Berlin-Treptow eine Veranstaltung zum Thema "Nachdenken - Gedanken über eine grüne alternative Partei in der DDR" statt (ca. 400 Teilnehmer), die als Gründungsveranstaltung für eine "Grüne Alternative Partei" gedacht war. ...

2. Im Ergebnis eines langfristig geplanten Treffens des personellen Zusammenschlusses "Initiative Frieden und Menschenrechte"/Berlin (IFM) Ende Oktober 1989 wurden 5 Regionalgruppen (Berlin, Potsdam, Magdeburg, Leipzig und Dresden) und 15 thematische Projektgruppen geschaffen, Kontaktadressen und sogenannte Sprecher benannt (darunter die hinlänglich bekannten Werner Fischer und Gerd Poppe) sowie ein "Selbstverständnis der IFM" verabschiedet. ...

... Im Ergebnis sowohl des anhaltenden Drucks von Kräften aus Sammlungsbewegungen als auch der Fortführung des Dialogs kam es in der Woche vom 30. Oktober bis 5. November 1989 ebenfalls zu einer Ausweitung öffentlicher Demonstrationen und Massenansammlungen in allen Bezirken der DDR und der Hauptstadt Berlin. Bei gestiegener Anzahl solcher Veranstaltungen hat sich die Zahl der daran teilnehmenden Personen verdreifacht. Nach vorliegenden Hinweisen beteiligten sich über 1, 35 Millionen Menschen an mehr als 210 Demonstrationen, Kundgebungen u.ä. Veranstaltungen (Vorwoche: 145/über 540 000 Teilnehmer). ...

... Ein harter Kern von Demonstranten versucht immer wieder die Auflösung von Demonstrationen zu verzögern (mit aggressiven Sprechchören wie "Auf zum Kampf") bzw. Demonstrationszüge auf Objekte der Partei, des Staatsapparates und auf Dienstobjekte des MfS zu orientieren. ... Auch in anderen Städten kam es vor Objekten des MfS zu handlungsstimulierenden Aufputschrufen wie: "Brennt das Haus nieder", "Stasi-Schweine raus", "Schlagt sie tot" oder "Die Messer sind gewetzt, die Stricke liegen bereit". Daraus erwachsen erhebliche Gefahren für die staatliche Sicherheit und öffentliche Ordnung. Andererseits ist erkennbar, daß die Organisatoren von Demonstrationen - zum Teil unterstützt durch kirchliche Kräfte - zunehmend dazu übergehen, eigenständige Maßnahmen zur Verhinderung vor Provokationen zu ergreifen (eigene Order, vorzeitiger Abbruch von Veranstaltungen, Bildung von Sperrketten vor Dienstobjekten des MfS).

Mielke

8. November

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Neues Deutschland vom 8.11., S. 1

Schlagzeilen

 

MINISTERRAT DER DDR HAT BESCHLOSSEN ZURÜCKZUTRETEN

ERKLÄRUNG DES REGIERUNGSSPRECHERS VOR DER INTERNATIONALEN PRESSE.

REGIERUNG NIMMT VERFASSUNGSMÄSSIGE AUFGABE BIE ZUR ABBERUFUNG UND NEUWAHL DURCH DIE VOLKSKAMMER WAHR

APPELL AN ALLE BÜRGER DER REPUBLIK: UNSER SOZIALISTISCHES VATERLAND BRAUCHT ALLE UND JEDEN

 

SOFORTIGE TAGUNG DER VOLKSKAMMER GEFORDERT

VERFASSUNGS- UND RECHTSAUSSCHUSS MISSBILLIGT ZÖGERN DES PRÄSIDIUMS

 

SCHWERE GRENZPROVOKATION DURCH WESTBERLINER ROWDYS

STEINE, STAHLKUGELN UND BRANDFLASCHEN AUF WOHNHÄUSER GEWORFRN

GESUNDHEIT UND LEBEN VON BÜRGERN GEFÄHRDET

 

KOHL ERKENNT POLENS GRENZE NICHT ALS ENDGÜLTIG AN

REVANCHISTENCHEF BISMARCK BEGLEITET KANZLER AUF REISE

Neues Deutschland vom 8.11., S. 8

 

Der Ministerrat bestätigte eine neue Regelung für die nichtkomerzielle Ein- und Ausfuhr von PKW, Kleintransportern, Kleinbussen, Krankenfahrstühlen, Zweirad-Motorfahrzeugen und Kraftfahrzeugersatzteilen. Die Regelungen sehen vor, daß natürliche Personen die genannten Straßenfahrzeuge einführen können, wenn es sich um Schenkungen bzw. Kauf aus Devisenguthaben handelt und sie nicht älter als vier Jahre nach ihrer Erstzulassung sind.

9. November

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Neues Deutschland vom 9.11., S. 1

Schlagzeilen

 

10. TAGUNG DES ZENTRALKOMITEES DER SED HT IN BERLIN BEGONNEN

BISHERIGES POLITBÜRO GESCHLOSSEN ZURÜCKGETRETEN

ZK NAHM RÜCKTRITT EINSTIMMIG AN UND WÄHLTE NEUES POLITBÜRO

REFERAT VON eGON KRENZ

ENTWURF EINES AKTIONSPROGRAMMS DER SED "SCHRITTE ZUR ERNEUERUNG2 ZUR DISKUSSION VORGELGT

 

DEMONSTRATION VON BERLINER GENOSSEN VOR DEM HAUS DES ZK

FORDERUNGEN AN DIE ZK-TAGUNG UND BEKENTNISSE ZUR ERNEUERUNG

 

APPELL CHRISTA WOLFS AN DDR-BÜRGER:

FASSEN SIE VERTRAUEN!

ERKLÄRUNG VON KÜNSTLERN UND VERTRETERN VON FÜNF BÜRGERINITIATIVEN IM DDR-FERNSEHEN

Neues Deutschland vom 9.11., S. 3

 

Egon Krenz: Die Frage, die alle bewegt, ist: Was hat zum gegenwärtigen Zustand der Gesellschaft geführt? Unsere Partei hatgroße Anstrengungen unternommen, um ihren Führungsanspruch zur Geltung zu bringen. Und viele Genossen haben ihn mit ihrer Arbeit getragen. Und doch, Genossen, ein Grundmangel unseres bisher existierenden Systems war eine solche Beziehung zwischen Partei und Staat, daß die Partei diesen Anspruch letzten Endes doch inhohem Maße administrativ durchzusetzen versuchte.

Der Tagesspiegel vom 9.11., S. 1

Schlagzeilen

 

KRENZ MACHT ABGELÖSTE DDR-FÜHRUNG FÜR DIE FLUCHTWELLE VERANTWORTLICH

ABRECHNUGNG MIT HONECKER UND MITTAG VOR DEM ZENTRALKOMITEE

10. November

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Neues Deutschland vom 10.11., S. 1

Schlagzeilen

 

OFFENER GEDANKENAUSTAUSCH EGON KRENZ - JOHANNES RAU

ASPEKTE DER BEZIEHUNGEN ZWISCHEN DDR UND BRD ERÖRTERT

 

AM MONTAG 11. TAGUNG DER VOLKSKAMMER

 

BRD-POLITIKER HERBERT SCHMALSTIEG:

RESERVEN VIELER STÄDTE FÜR ÜBERSIEDLER SIND ERSCHÖPFT

BUNKER UND TURNHALLEN MÜSSEN ALS NOTUNTERKÜNFTE DIENEN

Neues Deutschland vom 10.11., S. 1

 

Wie der Regierungssprecher mitteilte, hat der Ministerrat beschlossen, daß bis zum Inkrafttreten einer entsprechenden gesetzlichen Regelung folgende Bestimmungen für Privatreisen und ständige Ausreisen aus der DDR ins Ausland mit sofortiger Wirkung in Kraft gesetzt werden: Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Vorausstzungen (Reiseanlässe und Verwandschaftsverhältnisse) beantragt werden. Die Genehmigungen werden von den zuständigen Abteilungen Paß- und Meldewesen der Volkspolizei-Kreiämter kurzfristig erteilt. Versagungsgründe wedrden nur in besonderen Ausnahmefällen angewandt.

Der Tagesspiegel vom 10.11., S. 1

Schlagzeilen

 

DDR ÖFFNET IHRE GRENZEN ZUM WESTEN

DIE MAUER VERLIERT IHRE FUNKTION

UNVERZÜGLICHE BEARBEITUNG ALLER REISE- UND AUSREISEANTRÄGE ZUGESAGT - KEINE BEGRÜNDUNG NÖTIG

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