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SPRUCH DES JAHRES

Die Regierungen, welche die Freiheit der Rede unterdrücken, weil die Wahrheiten, die sie verbreitet, ihnen lästig sind, machen es wie die Kinder, welche die Augen zuschließen, um nicht gesehen zu werden.

Ludwig Börne

SPRUCH DER WOCHE

Wir sind verantwortlich für das, was wir tun, aber auch für das, was wir nicht tun.

Voltair

LUSTIGES

Quelle: Aus dem umgestülpten Papierkorb der Weltpresse (1977)

Amsterdam - Der Weltverband der Junggesellen wird von dem Holländer Ger Greije geleitet. Mijnheer Greije ist allerdings verheiratet. Er hatte seine Frau vo rvier Jahren auf dem damaligen Weltkongre? der standhaften Junggesellen kennengelernt.

Die Lehmänner
Die Lehmänner

11. Oktober

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Neues Deutschland vom 11.10., S. 2

 

MITTEILUNG DES PRESSEABTEILUNG DES MINISTERIUMS DES INNERN

 

Auf besorgte Anfragen von Bürgern zu den von westlicher Seite erhobenen Verleumdungen über den Einsatz der Volkspolizei in den letzten Tagen erhielt ADN von der Presseabteilung des MdI folgende Information:

In mehreren Städten der DDR war es zu Störungen der öffentlichen Ordnung und Sicherheit gekommen. Zur AUflösung ungesetzlicher Zusammenrottungen hatte die Volkspolizei wiederholt aufgerufen. Erst als alle Ermahnungen zur Gewaltlosigkeit und zur Zurückhaltung nicht fruchteten, war der Einsatz der Sicherheitskräfte zur Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung unumgänglich. Wahr ist, da? Randalierer, aufgeputschte Störer und kriminelle Elemente staatsfeindliche Parolen riefen und die im Ordnungseinsatz befindlichen Volkspoliziste tätlich angriffen. Sie warfen mit Steinen, Flaschen und Brandsätzen, schlugen brutal und rücksichtslos mit Stahlstangen und anderen Schlaggegenständen auf die Ordnungskräfte ein. Und nicht zufällig trugen viele der Krakeeler Schutzhelme, was auf vorsätzliche und geplante Handlungen schließen läßt.

Tatsache ist, daß die Volkspolizei äußerst zurückhaltend und erst, nachdem sie angegriffen wurde, gegen die unruhestifter unter Anwendung polizeilicher Hilfsmittel vorgin gund nicht, wie westliche Medien behaupten, blindlings und rücksichtslos auf unbeteiligte Bürger einschlug.

Wahr ist ebenfalls, daß 106 Volkspolizisten zum teil erheblich verletzt wurden, 46 der Rowdys kamen zu Schaden. Angebliche Tote sind von den Westmedien frei erfunden. ...

... Was westliche Medien auch immer gege die Deutsche Volkspolizei an Verleumdungen übelster Art vorbringen, wird diese nicht daran hindern, den Dienst zum Schutz der Bürger, für den Sozialistischen Staat jederzeit standhaft zu erfüllen.

Komiteeinformationen Nr. 6

 

ERKLÄRUNG IM PRÄSIDIUM DES kOMITEES FÜR UNTERHALTUNGSKUNST AM 11. OKTOBER:

 

... Wir bemerken, daß der Widerspruch zwische dem Bild der DDR in den nationalen Medien und den sozialen und individuellen Erfahrungen des Publikums immer eklatanter wird. Die wirklichen Errungenschaften und Leistungen des Sozialismus geraten in Gefahr, wenn sie beständig und einseitig überbetont werden, wenn die Medien ein Bild des Arbeitseifers, des Aufstiegs, der Eintracht und Zufriedenheit zeichnen, obwohl der Alltag der DDR-Bevölkerung nachweislich anstrengender und schwieriger geworden ist und die Zahl der ungelösten Probleme und persönlichen Sorgen zunimmt. Der Weggang von Arbeitskollegen und unersetzbaren Fachleuten tut gerade gegenwärtig ein übriges, wozu noch der Eindruck kommt, daß Gesellschaft und Staat diesem Phänomen irgendwie hilflos gegenüberstehen. ...

12. Oktober

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Neues Deutschland vom 12.10., S. 1

 

ERKLÄRUNG DES POLITBÜROS DES TK DER SED

 

Unmittelbar nach dem 40. Jahrestag der DDR wenden wir uns an die Arbeiterklasse, an die Genossenschaftsbauern, an die Wissenschaftler Künstler und alle Geistesschaffenden, an die jugend, an die Angehörigen der Schutz- und Sicherheitsorgane, an alle Bürger der DDR. Das Politbüro des ZK der SED dankt allen, die den Sozialismus auf deutschem Boden geschaffen haben und den 40. Jahrestag der DDR durch gute Leistungen und Taten vorbereitetten. ...

... Viel von denen, die unserer Republik in den letzten Monaten den Rücken gekehrt haben, wurden Opfer einer großangelegten Provokation. Wiederum bestätigt sich, daß der Imperialismus der BRD mit einem sozialistischen Staat auf deutschem Boden sich niemals abfinden wird, Verträge bricht und das Völkerrecht mißachtet. ...

... Deshalb ist ein Gebot der Stunde, daß sich alle, deren Handeln von politischer Vernunft und humanistischem Verantwortungsbewußtsein gegenüber den Menschen unseres Landes bestimmt ist, deutlich abgrenzen vo jenen, die die Bürger für konterrevolutionäre Attacken zu mißbrauchen trachten. ...

... Das Politbüro weiß sich mit der großen Mehrheit unseres Volkes in seinem Handeln einig. ...

Flugblatt

 

STELLUNGNAHME DES NEUEN FORUM

 

Das NEUE FORUM begrüßt die Verlautbarungen des Politbüros des ZK der SED als ein erstes Zeichen, sich mit den angestauten und tiefgreifenden Problemen der Gesellschaft auseinanderzusetzen. ...

... Echter Dialog bedeutet; Zulassung des NEUEN FORUM und aller Basisgruppen, Parteien und Bürgerinitiativen, die sich für eine Demokrtisierung der Gesellschaft einsetzen, Zugang zu den Massenmedien, Pressefreiheit und Abschaffung der Zensur, Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit.

Dieser echte gesellschaftliche Dialog hat auf allen Ebenen gewaltfrei zu erfolgen, bei Anerkennung dser Eigenstaatlichkeit der DDR, bei strikter Abweisung aller rechtsradikaler und faschistischer Haltungen, auf dem Boden der Verfassung.

ICH LIEBE EUCH DOCH ALLE!

MfS, Dokumentenverwaltung, Nr. 103626                                                             Berlin, 12.10.1989

Mielke an Stellvertreter, Leiter der Dienststellen

 

VVS-Nr. 0008, MfS-Nr. 73/89

 

Es gibt bisher nicht bestätigte Hinweise über Pläne und Absichten feindlich-negativer Kräfte, Provokationen in Form gewaltsamer Grenzdurchbrüche, insbesondere im Raum Berlin, mit massenhafter Beteiligung durchzuführen bzw. zu initiieren.

Zuletzt wurde aus dem Raum Erfurt ein Hinweis zur Organisation einer derartigen Provokation am 14.10.1989 in der Hauptstadt der DDR, Berlin, bekannt.

Zur Verstärkung der vorbeugenden Arbeit auf diesem Gebiet sind alle IM/GFS zu nutzen und zu beauftragen, weitere derartige Hinweise in Erfahrung zu bringen, ohne die IM/GMS über den o.g. Sachverhalt direkt zu informieren.

Bie Vorliegen solcher Hinweise sind diese sofort zu überprüfen und geeignete poltitisch-operative Maßnahmen zur Vereitelung derartiger feindlich-negativer Aktivitäten einzuleiten. ...

Mielke

Armeegeneral

13. Oktober

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Neues Deutschland vom 13.10., S. 1

 

SOZIALISMUS IN DER DDR WIRD WEITER ERSTARKEN

 

Kurt hager gegenüber dem DDR-Fernsehen in Moskau:

... Es werde ein Parteitag, der auf einer großen Aussprache über die gesellschaftlichen Probleme beruhen wird,. Es würden alle Möglichkeiten bestehen, daß sich die befreundeten Parteien, die gesellschaftlichen Organisationen, die in der Nationalen Front vereinten Kräfte und die Bürger aus allen Schichten zu den Vorschlägen der SED äußern können. ...

... "Und dazu erden wir die entsprechenden Vorschläge unterbreiten. Ich glaube, es gibt dafür auch keinen anderen Weg." ...

Neues Deutschland vom 13.10., S. 5

 

AUSSENMINISTERIUM POLENS ZU ILLEGALEN GRENZÜBERTRITTEN VON DDR-BÜRGERN:

 

... Regierungssprecherin Malgorzata Niezabitoska dementierte inzwischen im polnischen Fernsehen eine ih in der "Solidarnosc"-Zeitung "Gazeta Wyborcza" zugeschriebene Äußerung, wonach die Grenzeinheiten am Dienstag Kontrollen von DDR-Bürgern und damit auch ihre Ausweisung vom Territiorium Polens eingestellt hätten. ...

14. Oktober

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Neues Deutschland vom 14.10., S. 2

 

Wie ADN von der Pressestelle des Generalstaatsanwalts der DDR erfahren hat, sind nach Durchführung der erforderlichen Untersuchungen die wegen Störung der Volksfeste am 7. Oktber sowie im Zusammenhang mit gesetzwidrigen Ansammlungen festgenommenen Personen aus der Haft entlassen worden. Es befinden sich noch 11 Personen wegen Brandstiftungen, Plünderungen und Gewalttätigkeiten sowie Aufwiegelung zu Gewaltakten in Untersuchungshaft. Die überwiegend vorbestraften Personen haben sich vor den zuständigen Gerichten zu verantworten.

Neues Deutschland vom 14.10., S. 2

 

BÜRGER DER DDR ZUR ERKLÄRUNG DES POLITBÜROS DES ZK DER SED:

 

... "Die Erklärung stärkt mein Vertrauen in die Partei der Arbeiterklasse und ihre Politik. ..."

... "Jetzt erwarten wir konkrete Hinweise, wie wir die Parteitagsdiskussion führen und welche Probleme gelöst werden. ..."

... "Mit der Erklärung bin ich voll einverstanden. ..."

... "Wichtig ist von allem, daß wir an der Macht nicht rüttel lassen. ..."

... "Die Erklärung entspricht meinen politischen Erwartungen. ..."

... "Ich stimme Erich Honecker vollinhaltlich zu. ..."

... "Ich begrüße den offenen Dialog. ..."

Der Tagesspiegel vom 14.10., S. 1

 

Zum ersten Mal hat sich DDR-Staats- und Parteichef Honecker zu den Problemen in seinem Land öffentlich zu Wort gemeldet.

Nach dem Treffen mit den Vorsitzenden der anderen DDR-Parteien berichtete die Agentur ADN ausführlich über die Haltung Honeckers, die sich fast wortgetreu an der vor zwei Tagen veröffentlichten Erklärung des SED-Politbüros orientiert.

15. Oktober

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Der Tagesspiegel vom 15.10., S. 1

 

Kein Zweifel, in der DDR ist mehr in Bewegung geraten, als die sehr wortreiche, aber inhaltlich magere Erklärung des SED-Politbüros vom vergangenen Mittwoch erwarten ließ. ...

... Nach übereinstimmenden Schätzungen haben inzwischen 1,8 Millionen DDR-Bürger begründete Ausreiseanträge gestellt. ... Dennoch wird unverdrossen weiter getrickst und gelogen, weil eine echte Diskussion mit den Ausreisewilligen sehr wohl das Machtmonopol der SED in Frage stellen würde. ...

... Wenn so etwas wie Hoffnung bei den DDR-Bürgern einziehen soll, wird sich im SED-Politbüra sehr bald das Personenkarussell drehen müssen.

ICH LIEBE EUCH DOCH ALLE!

MfS, ZAIG, Nr. 457/89

Information an Herger, Dickel, Neiber, MfS intern.

 

Streng geheim!

Um Rückgabe wird gebeten!

 

INFORMATION ÜBER EINIGE BEACHTENSWERTE ERSCHEINUNGEN IN DEN KAMPFGRUPPEN DER ARBEITERKLASSE IM ZUSAMMENHANG MIT DER GEGENWÄRTIGEN LAGEENTWICKLUNG

 

Zur Gewährleistung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit wurden im Zeitraum des 40. Jahrestage der Gründung der DDR und im Zusammenhang mit der Abschiebung von ehemaligen DDR-Bürgern aus den BRD-Botschaften in Prag und Warschau in die BRD ca. 3 500 Angehörige der Kampfgruppen der Arbeiterklasse in der Hauptstadt der DDR, Berlin, sowie den Bezirken Dresden, Magdeburd, Suhl, Leipzig, Halle und Karl-Marx-Stadt im Rahmen von Sicherungseinsätzen direkt zum Einsatz gebracht und weitere ca 7 100 Kampfgruppenangehörige aus sechs Bezirken (Berlin, Magdeburg, Dresden, Suhl, Halle und Karl-Marx-Stadt) in Bereitschaft versetzt. ...

... In verschiedenen Einheiten der Kampfgruppen kam es im Verlaufe der Einsätze zu die Kampf- und Einsatzbereitschaft sowie den politischen Zustand beeinträchtigenden Vorkommnissen, Handlungen und Erscheinungen. ...

... Ausgewählte Beispiele:

- Nach der Alarmierung des I KGB (mot.) Karl-Marx-Stadt und der anschließenden Einweisung der Kämpfer legten 9 Angehörige demonstrativ ihren Kampfgruppenausweis auf den Tisch und weitere 15 Kämpfer lehnten den Einsatz ab. Unter diesen Personenkreis befinden sich 3 Gruppenführer und 12 Mitglieder der SED. ...

- Im Kreis Plauen haben 115 Kampfgruppenangehörige ihren Austritt aus der Kampfgruppe mündlich und zum Teil schriftlich erklärt.

- Im Bezirk Gera gibt es ausnahmslos in allen Einheiten Kampfgruppenangehörige, welche die Teilnahme an Ordnungs- und Sicherheitseinsätzen ablehnen. ...

... Es wird vorgeschlagen zu prüfen, durch die zuständigen Organe unter Beachtung der Lageentwicklung entsprechende Untersuchungen/Überprüfungen durchzuführen und Schlußfolgerungen zur Gewährleistung der Kampf- und Einsatzbereitschaft und der Einstellung auf sich aus der Lage ergebende Erfordernisse abzuleiten.

16. Oktober

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Neues Deutschland vom 16.10., S. 2

 

Am 13. und 14. Oktober weilte der Stellvertreter des Ministers für Auswärtige Angelegenheiten der DDR Harry Ott in Warschau. Er führte Konsultationen mit dem Staatssekretär im Ministerium für Auswärtige ANgelegenheiten der VR Polen Boleslaw Kulski und wurde vom Außsenminister Krzystof Skubiszewski empfangen. Während des Gesprächs machte sich die polnische Seite - wie die polnische Nachrichtenagentur PAP berichtete - unter anderem mit den Vorschlägen der DDR bezüglich einer humanitären Lösung des Problems der in Warschau weilenden DDR-Bürger bekannt, die in die BRD ausreisen wollen. Mit Befriedigung nahm die polnische Seite die Entscheidung der DDR auf, wonach die daran interessierten DDR-Bürger in kürzestmöglicher Frist in der DDR-Botschaft in Warschau entsprechende Dokumente erhalten können, die zur Ausreise in ein beliebiges Drittland berechtigen.

Komiteeinformation Nr. 6

 

ERKLÄRUNG DER SEKTION ROCK BEIM KOMITEE FÜR UNTERHALTUNGSKUNST AM 16. OKTOBER:

 

... Wir erwarten, daß alle Geldstrafen, Vertragskündigungen, verleumderischen Nachreden oder sonstige Repressalien gegen unsere Kollegen wegen ihres Umgangs mit der Resolution vom 18. September eingestellt bzw. rückgängig gemacht werden. Wir fordern, daß alle offiziellen und inoffiziellen Auftrittsverbote, die in diesem Zusammenhang in den Bezirken und Kreisen ausgesprochen wurden, aufgehoben werden. ...

... Wir appellieren an alle Beteiligten zukünftiger Demonstrationen, egal auf welcher Seite, zivilisiert und grundsätzlich gewaltfrei miteinander umzugehen. ...

Flugblatt vom 16.10.

 

BOTSCHAFT DER "FREIEN INITIATIVE" LEIPZIG:

 

... Wir sehen die Gefahr, daß zur kurzfristigen Lösung fundamentaler Fragen auf Strukturen das Kapitalismus zurückgegriffen wird. Wir hoffen aber, daß der Sozialismus möglich wird - als Freiraum für ein selbstbestimmtes Leben,  - als demokratischer Handlungsraum für mündige Bürger, - als ökologisch verträgliche Assoziation zwischen Produzenten und Konsumenten. Wir lehnen die Obrigkeit der marktwirtschaftlichen Diktatur ab. ...

ICH LIEBE EUCH DOCH ALLE!

MfS, ZAIG, Nr. 458/89                                                                                                Berlin, 16.10.1989

Information an Hager, Krenz, Schabowski, MfS intern.

 

INFORMATION ÜBER BEACHTENSWERTE AKTIVITÄTEN BESTIMMTER STUDENTISCHER KREISE DER HUMBOLDT-UNIVERSITÄT BERLIN

 

Am 12. Oktober 1989 fand in der Humboldt-Universität Berlin eine von Studenten der Sektion Kulturwissenschaft und Kunstwissenschaft initiierte Veranstaltung statt, an der ca. 500 Studenten und Wissenschaftler verschiedener Sektionen der Universität teilnahmen, darunter auch zahlreiche von der Kreisleitung der SED eingestzte gesellschaftliche Kräfte.

Zu Beginn der Veranstaltung wurde sehr offen, z.T. kontrovers über Resolutionen, die von den Initiatoren dieser Zusammenkunft und der Sektion Medizin erarbeitet und in die Diskussion eingebracht worden waren, beraten und abgestimmt. Dabei standen solche Fragen im Mittelpunkt des Meinungsaustausches wie "öffentliche Darstellung der am 7./8. Oktober 1989 stattgefundenen Demonstrationen", "Effektivierung der sozialistischen Demokratie", "Reformierung des Wahlsystems in der DDR", "Legalisierung des NEUEN FORUMS" und Schaffung von Voraussetzungen für eine neue Medienpolitik sowie Informations-, Rede- und Versammlungsfreiheit. ...

... Während der Diskussion blieben eingesetzte gesellschaftliche Kräfte weitestgehend wirkungslos. So reagierten beispielsweise anwesende Vertreter der Leitung der Sektion Rechtswissenschaften nicht auf eine Resolution von Studenten dieser Sektion, die bei dieser Veranstaltung unter Teilnehmern in Umlauf gebracht wurde und in der u.a. Forderungen nach "Rücknahme von undifferenzierter Kriminalisierung friedlich-demokratischer Meinungsäußerung durch die Massenmedien", "Öffentlicher Diskussion der Aufgaben unserer Sicherheitsorgane und der Methoden bzw. Strategien ihres Einsatzes", Diskussionen über neue Formen demokratischer Willensbildungen" erhoben wurden. ...

MfS, ZAIG, 0/228                                                                                                Berlin, 16.10.1989

 

WEITERE HINWEISE AUF REAKTIONEN DER BEVÖLKERUNG ZUR ERKLÄRUNG DES POLITBÜROS DES ZK DER SED (ERGÄNZUNG DER INFORMATION VOM 13. OKTOBER 1989

 

Die in den o.g. Hinweisen herausgearbeiteten Grundtendenzen charakterisieren auch weiterhin die Reaktion der Bevölkerung auf die Erklärung des Politbüros des ZK der SED.

In diesbezüglichen Meinungsäußerungen haben äußerst kritische Auffassungen an Umfang zugenommen über die Wahrnehmung der Verantwortung der führenden Rolle durch die SED, darunter direkte Angriffe auf die Partei- und Staatsführung der DDR. Vor allem Personen aus dem Bereich Kunst und Kultur, Angehörige der Intelligenz und Studenten, anwachsend aber auch Arbeiter und andere Werktätige in Kombinaten und Betrieben, darunter langjährige Mitglieder der SED und ander progressive Kräfte sowie Mitglieder und Funktionäre von befreundeten Parteien treten in diesem Sinne auf. ...

... Die "Reformfähigkeit" der Parteiführung und ihr Wille dazu werden vielfach angezweifelt oder direkt in Abrede gestellt. In diesem Zusammenhang werden immer wieder Forderungen nach einer Kaderverjüngung in der Parteiführung erhoben. ...

... Von vielen Mitgliedern der SED und anderen progressiven Kräften in den Betrieben wird die Meinung geäußert, daß die Partei bisher nur mit Agitation die Probleme zu lödsen versuche. Die Werktätigen und ihre Gewerkschaftsorganisation erwarten jedoch klare Antworten auf ihre langjährig angestauten Fragen zur ökonomischen Situation und vor allem das Aufzeigen konstruktiver Lösungswege. Wenn sich nicht kurzfristig etwas ändere, so wird geäußert, müsse mit entsprechenden Reaktionen auch seitens der Arbeiter gerechnet werden. ...

... Viele Werktätige äußern, daß über grundlegende Veränderungen zu diesen Problemen bereits seit dem VIII. Parteitag der SED gesprochen werde und Aufgabenstellungen abgeleitet wurden, die nicht gelöst wurden. ...

MfS, Dokumentenverwaltung, Nr. 103525                                                             Berlin, 16.10.1989

(Fernschreiben)

 

VVS-Nr. 76/89

 

Heute abend finden in der Nikolaikirche in Leipzig wieder das sogenannte "Montagsgebet" und in diesem Zusammenhang ähnliche Veranstaltungen in 4 weiteren Kirchen statt. Erneut ist mit der Teilnahme einer großen Personenzahl an diesen Veranstaltungen zu rechnen.

Unter Berücksichtigung der gewonnenen Erfahrungen über das Zustandekommen und den Verlauf der Demonstration am 9.10.1989 in Leipzig ist nicht auszuschließen, daß es auch heute abend wieder zu einer Demonstartion ähnlichen Ausmaßes kommt. ...

... Es ist davon auzugehen, daß das Geschehen in Leipzig sowie in Halle, Berlin und in anderen genannten Städten auch von oppositionellen bzw. feindlich-negativen Kräften weiterer Städte genau verfolgt wird, um eventuell kurzfristig anderswo stattfindende Veranstaltungen für Provokationen zu mißbrauchen oder Veranstaltungen zu organisieren mit dem Ziel, zu "solidarischen Aktionen" aufzurufen. ...

... Auf Grund dieser komplizierten lage ist am heutigen Tag von allen Angehörigen grundsätzlich Dienst bis auf Widerruf zu verrichten. Die leiter der Diensteinheiten haben unter Beachtung der zu lösenden operativen Aufgaben selbständig differenzierte und individuelle Entscheidungen zur konkreten Dienstzeit einzelner Angehöriger zu treffen.

Durch die Leiter der Diensteinheiten sind darüber hinaus in eigener Zuständigkeit weitere Maßnahmen zur kurzfristigen Erhöhung der Dienstbereitschaft zu treffen.

Mielke

Armeegeneral

17. Oktober

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Neues Deutschland vom 17.10., S. 2

 

... Überall im Lande ist die Diskussion im Gange. Ihr Inhalt sind Probleme der weiteren Entwicklung des Sozialismus in der DDR, die wir selbst - ohne ungebetene Ratschläge aus dem Westen - lösen wollen und lösen werden. Wir tun es im sachlichen Dialog und vertrauensvollen politischen Miteinander, in einer Atmosphäre der Offenheit, Ehrlichkeit und der realistischen Einschätzung der Kräfte und Möglichkeiten. ...

Neues Deutschland vom 17.10., S. 2

 

"Für Waffenhändler steht der künftige EG-Binnenmarkt weit offen", überschrieb die "Frankfurter Rundschau" einen Bericht aus Brüssel. der 1992 entstehende gemeinsame Markt, so hieß es darin, werde "offenbar zu einem Dorado für internationale Waffen- und Raketengeschäfte". ...

... Nicht zuletzt illustriert das, was die Profiteure des Rüstungsbussiness von Abrüstung halten, über die gegenwärtig in Wien, Genf und anderenorts verhandelt wird. Nämlich nichts. ...

Brief an die "Berliner Zeitung", "BZA" (beide SED), "Der Morgen" (LDPD), "Neues Deutschland" (SED), "Neue Zeit" (CDU), "Junge Welt" (FDJ). Er wurde nirgends veröffentlicht.

 

Verschiedene Verunglimpfungen des NEUEN FORUM in der Presse veranlassen uns zu folgender Stellungnahme:

Wir sind eine Bürgerinitiative, die den Sozialismus befürwortet, doch mit mehreren derzeit bestehenden Zuständen und Geschehnissen nicht einverstanden ist. Wir verstehen uns als Gesprächsplattform für alle Bürger, unabhängig von ihrer Welanschauung und Zugehörigkeit zu Massenorganisationen und Parteien, und sehen darin unsere gesellschaftliche Notwendigkeit. Wir distanzieren uns von der Anwendung von Gewalt und treten offen gegen Wiedervereinigungsbestrebungen und neofaschistisches Gedankengut auf. ...

18. Oktober

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Neues Deutschland vom 18.10., S. 1

Schlagzeilen

 

GEWERKSCHAFTER IM CHEMIEFASERWERK SCHWARZA.

MIT DER WAHRHEIT LEBEN UND LÖSUNGSWEGE FÜR ANGESTAUTE FRAGEN SUCHEN

HARALD BÜHL IN DISKUSSIONSRUNDE MIT VERTRAUENSLEUTEN DES FDGB

 

BRD-MIETANSTIEG WEITER ZWEISTELLIG

HÖCHSTPREISE IN MÜNCHEN

Neues Deutschland vom 18.10., S. 2

Schlagzeilen

 

SITZUNG DES PRÄSIDIUMS DES DBD-PARTEIVORSTANDES:

WIR WOLLEN EIGENSTÄNDIGE BEITRÄGE IM SOZIALISTISCHEN PARTEIBÜNDNIS LEISTEN

 

POLITISCHER AUSSCHUSS DES LDPD-ZENTRALVORSTANDES TAGTE:

AUF SOZIALISTISCHER GRUNDLAGE TIEFGREIFENDE VERÄNDERUNGEN EINLEITEN

 

SOZIALISMUS IN DER DDR STEHT NICHT ZUR DISPOSITION

Neues Deutschland vom 18.10., S. 2

 

GENERALSTAATSANWALT GÜNTER WENDLAND IM FERNSEHEN DER DDR:

 

Herr Generalstaatsanwalt, es gibt gewisse Unruhe im Land über das Vorgehen der Polizei gegen vermeintliche oder tatsächliche Demonstranten. Sowohl in der Gethsemanekirche, in der Erlöserkirche, als auch andernorts wurden Augenzeugenberichte verlesen, die davon sprechen, daß solche Personen von der Polizei mißhandelt wurden. Was wissen SIe davon, und werden Sie diesen Berichten nachgehen?

 

Mir ist das bekannt. Ich habe darauf eigentlich eine einfache und klare Antwort: Anzeigen, die Bürger erstatten, werden überprüft, überprüft nach dem Maß der Gesetze, wie sich das gehört. ... Lassen Sie mich hinzufügen, wir dulden natürlich auch keine Verleumdungen, weder eines Bürgers noch eines Staatsorgans. Auch das ist ein Anliegen der Gesetzlichkeit. ...

Der Tagesspiegel vom 18.10., S. 1

 

Während in Warschau weitere 1 500 DDR-Bürger auf ihre Ausweise warten, kamen wieder rund 1 800 Flüchtlinge über Ungarn und Österreich in der Bundesrepublik an. Ein Sprecher des Grenzschutzes nannte diese Zahl einen "neuen Spitzenwert an einem Wochentag".

19. Oktober

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Neues Deutschland vom 19.10., S. 1

 

Am 18. Oktober trat das Zentralkomitee zu seiner 9. Tagung zusammen.

Zu Beginn ergriff Genosse Erich Honecker das Wort und bat, ihn aus gesundheitlichen Gründe von seinen Funktionen zu entbinden. Das Zentralkomitee entsprach seiner Bitte und dem Vorschlag, Genossen Erich Honecker von der Funktion des Vorsitzenden des Staatsrates und der Funktion des Vorsitzenden des Nationale Verteitigungsrates der DDR zu entbinden. ...

... Auf Vorschlag des Politbüros wählte das Zentralkomitee Genossen Egon Krenz, Mitglied des Politbüros und Sekretär des ZK, einmütig zum Generalsekretär des Zentralkomitee der SED.

Entsprechend dem Vorschlag des Genossen Erich Honecker unterbreitet das ZK der Volkskammer der DRR den Vorschlag, Genossen Egon Krenz zum Vorsitzenden des Staatsrates der DDR und zum Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates der DDR zu wählen.

Die Genossen Joachim Herrmann und Günter Mittag wurden von ihren Funktionen als Mitglied des Politbüros und Sekretär des ZK der SED entbunden.

Das ZK schlägt der Volkskammer der DDR vor, Genossen Günter Mittag aus der Funktion des Stellvertreters des Vorsitzenden des Staatsrates der DDR abzuberufen. ...

Neues Deutschland vom 19.10., S. 2

 

EGON KRENZ:

 

Unsere Macht ist die Macht der Arbeiterklasse und des ganzen Volkes unter Führung unserer Partei. Wir haben sie erstritten nicht um unser selbst willen, sondern für das Wohl des Volkes.

Komiteeinformation Nr. 6

 

ZUSATZERKLÄRUNG DER SEKTION LIED UND KLEINKUNST DES KOMITEES FUR UNTERHALTUNGSKUNST VOM 19. OKTOBER ZUR ROCKERRESOLUTION VOM 18.9.:

 

Wir sind in Sorge, daß eine wirkliche politische Wende nicht möglich wird mit Politikern und Funktionären, die maßgeblich für die jetzige Situation verantwortlich sind. Wir verlangen, daß die politisch Verantwortlichen für die Ausschreitungen ermittelt, öffentlich bekannt gemacht und zur Verantwortung gezogen werden. Wir fordern in diesem Zusammenhang von den Abgeordneten der Volkskammer, daß sie suf der nächsten Tagung dem Minister für Staatssicherheit, dem Polizeipräsidenten und dem Minister des Innern die Vertrauensfrage stellen und prüfen, ob Egon Krenz, obwohl er in dieser Zeit im ZK der SED für Sicherheitsfragen verantwortlich war und bei den vergangenen Wahlen als Vorsitzender der Zentralen Wahlkommission fungierte, als Vorsitzender des Staatsrates gewählt werden kann. ...

20. Oktober

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Neues Deutschland vom 20.10., S. 

Schlagzeilen

 

EINEN TAG NACH DEM 9. PLENUM MIT DEM GENERALSEKRETÄR DES ZK IN DER FRÜHSCHICHT IM VEB "7. OKTOBER" BERLIN

BERATUNG MIT ARBEITERN: DAMIT VIEL FÜR UNSERE REPUBLIK HERAUSKOMMT

EGON KRENZ UND GÜNTER SCHABOWSKI BEI WERKZEUGMASCHINENBAUERN

OFFENE DEBATTE ÜBER ALLE PROBLEME, DIEDIE 9. TAGUNG DES ZK BENANNTE

ERKENNTNIS BEIM GESPRÄCH IN DER WERKHALLE:

NACHDENKEN MÜSSEN WIR ALLE, VERÄDERN UND GEMEINSAM ARBEITEN

 

DIALOG IM GANZEN LAND

TREFFEN WEITERER MITGLIEDER DER PARTEIFÜHRUNG MIT ARBEITERN UND GENOSSENSCHAFTSBAUERN

HANS-JOACHIM BÖHME SPRACH MIT BÜRGERN IN LÜTZEN

WERNER EBERLEIN IM PLATTENWERK ROTHENSEE

WERNER KOLOKOWSKI IN DER LPG RHINOW

GERHARD MÜLLER BEI BAULEUTEN IM WBK ERFURT

WERNER WALDE IM GESPRÄCH MIT BOXBERGER KRAFTWERKERN

Neues Deutschland vom 20.10., S. 2

 

Die sogenannten seriösen Zeitungen in trauter Gemeinschaft mit bunten Käseblättern - sie mieden gestern eine auch nur halbwegs exakte Wiedergabe dessen, was wirklich gesagt wurde. Groß taten sie sich lediglich als Biographen: Immerhin kam dabei heraus, warum das ganze westliche Medienecho ein solches Menü aus Wassersuppe und Gräten ist. Dieser Krenz gefällt ihnen nicht. ...

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