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SPRUCH DES JAHRES

Die Regierungen, welche die Freiheit der Rede unterdrücken, weil die Wahrheiten, die sie verbreitet, ihnen lästig sind, machen es wie die Kinder, welche die Augen zuschließen, um nicht gesehen zu werden.

Ludwig Börne

SPRUCH DER WOCHE

Wir sind verantwortlich für das, was wir tun, aber auch für das, was wir nicht tun.

Voltair

LUSTIGES

Quelle: Aus dem umgestülpten Papierkorb der Weltpresse (1977)

Amsterdam - Der Weltverband der Junggesellen wird von dem Holländer Ger Greije geleitet. Mijnheer Greije ist allerdings verheiratet. Er hatte seine Frau vo rvier Jahren auf dem damaligen Weltkongre? der standhaften Junggesellen kennengelernt.

Die Lehmänner
Die Lehmänner

21. September

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Neues Deutschland vom 21.09.1989 Seite 1:

Hartmut Ferworn, Berlin, nach einer Unarnreise gegenüber ND: "Ich habe erlebt, wie BRD-Bürger gemacht werden."

- In den Fängen kaltblütiger berufsmäßiger Menschenhändler

- BRD-Botschaft Wien - eine Zentrale der Abwehrkampagne

- D-Mark-Scheine als Lohn für gewissenlose Schlepper

 

SECHS WOCHEN SPÄTER

Neues Deutschland vom 03.11.1989 Seite 2

IN EIGENER SACHE

Unsere Veröffentlichung vom 21. September "Ich habe erlebt, wie BRD-Bürger gemacht wurden" hat eine nachhaltige kritische Reaktion bei unseren Lesern ausgelöst. Die Redaktion erhielt zahlreiche Zuschriften, in denen die Darstellung bezweifelt wurde, weil der Fall nicht typisch für den Weggang zahlreicher DDR-Bürger sei. Wir müssen diese Kritik mit dem heutigen Erkenntnisstand akzeptieren, und bedauern deshalb die Veröffentlichung. ...

Neues Deutschland vom 21.09.1989 Seite 2:

GROSSDEUTSCHE LADENHÜTER AUF DER KIRCHENVERSAMMLUNG

In Eisenach hat dieser Tage die Synode des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR stattgefunden. Bemerkenswert an dieser Kirchenversammlung war zunächst einmal der äußere Umstand, daß offenbar ebenso viele Westjournalisten nach Eisenach gekommen waren wie Synodale. ...

Wie aus den Berichten der BRD-Medien hervorgeht, sind in Eisenach, wohlgemerkt auf einer Synode, diese alten Hüte wieder aufgetischt worden. Alter Quark wurde da als Frischkäse angeboten. Was den Feinden des sozialistischen Deutschen Staates  trotz größter Anstrengungen in vier Jahrzehnten nicht gelungen ist, die konterrevolutionäre Beseitigung des Sozialismus, der Macht der Arbeiter und Bauern auf deutschem Boden, das soll nun mit "wirtschaftlichen Reformen", Standpunkten,"die von den einstimmig von den Verantwortlichen vetretenen Politik abweichen", und mit "Gegenstrukturen" nachgeholt werden. Was da im Westen aus dem Bericht an die Synode zitiert wurde, ist in letzter Konsequenz ein Katalog an Maßnahmen, um die DDR kapitalistisch und für die "Wiedervereinigung" sturmreif zu machen. ...

22. September

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Neues Deutschland vom 22.09.1989 Seite 1:

MITTEILUNG DES MINISTERS DES INNERN

Der Minister des Inneren teilt mit, daß ein von zwei Personen unterzeichneter Antrag zur Bildung einer Vereinigung  "Neues Forum" eingegangen ist, geprüft und abgelehnt wurde. Ziele und ANliegen der beantragten Vereinigung widersprechen der Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik und stellen eine staatsfeindliche Plattform dar. Die Unterschriftensammlung zur Unterstützung der Gründung der Vereinigung war nicht genehmigt und folglich illegal. Sie ist ein Versuch, Bürger der Deutschen Demokratischen Republik über die wahren Absichten der Verfasser zu täuschen.

Neues Deutschland vom 22.09.1989 Seite 3:

AUS DEM SCHLU?WOR VON HORST DOHLUS AUF DER KONFERENZ DER PARTEIGRUPPENORGANISATOREN DER STADTPARTEIORGANISATION VON KARL-MARX-STADT

... Bei uns ist der Sozialismus für alle da, er braucht jeden und eröffnet jedem ein weites Feld schöpferischer Beteiligung an der Lösung der Aufgaben zum Nutzen aller wie des einzelnen. Wer diesen Vorzug nicht sehen will und ihn verblendet von Illusionen durch unüberlegte Schritte in eine andere Richtung preisgibt, wird sehr bald merken, wem er auf den Leim gegangen ist, wie sich das gegenwärtig schon zeigt. ...

... Unser Prinzip bleibt - und das lassen wir uns von niemandem antasten - , die Partei ist für das Volk da, und einziges Privileg eines Genossen besteht darin, dem Volk zu dienen.

Neues Deutschland vom 22.09.1989 Seite 1/2:

Schlagzeilen:

IN DER BRD FEHLEN RUND 500.000 KINDERGARTENPLÄTZE

POLIZEI KNÜPPELTE IN KÖLN HUNDERTE ANTIFASCHISTEN BRUTAL ZUSAMMEN

- ZAHLREICHE VERLETZTE

- 28 FESTNAHMEN

- NEONAZIS GESCHÜTZT

Neues Deutschland vom 22.09.1989 Seite 5:

Schlagzeilen:

DROGENHÄNDLER SPRITZEN BREMER KINDERN HEROIN

BERLIN (WEST). NEONAZIS VERSTÄRKEN AKTIVITÄTEN

Neues Deutschland vom 22.09.1989 Seite 8:

Schlagzeilen:

DOPINGSKANDAL UM BRD-HEBER

23. September

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Neues Deutschland vom 23.09.1989 Seite 1:

Schlagzeilen:

PARTEI- UND STAATSDELEGATION DER DDR REIST ZU FREUNDSCHAFTSBESUCH IN DIE VOLKSREPUBLIK CHINA

ABORDNUNG UNTER LEITUNG VON EGON KRENZ FOLGT EINLADUNG DES ZK DER KOMMUNISTISCHEN PARTEI CHINAS UND DER REGIERUNG DES LANDES

IM MUSEUM FÜR DEUTSCHE GESCHICHTE IN BERLIN:

ZENTRALE AUSSTELLUNG "40 JAHRE DDR"ZEIGT BILANZ ERFOLGREICHEN WEGES

WILLI STOPH; HORST SINDERMANN UND WEITERE MITGLIEDER DER PARTEI- UND STAATSFÜHRUNG BEI ERÖFFNUNG

SACHZEUGEN UND DOKUMENTE VERDEUTLICHEN ERRUNGENSCHAFTEN DES SOZIALISMUS

Neues Deutschland vom 23.09.1989 Seite 4:

Schlagzeilen:

MARGOT HONECKER VOR DEM BEZIRKSTAG IN HALLE:

AUS DEM EIGENEN LEBEN ETWAS MACHEN FÜR SICH UND ANDERE; DAS KANN JEDER BEI UNS

Neues Deutschland vom 23.09.1989 Seite 5:

Schlagzeilen:

AUGENZEUGEN BERICHTEN ÜBER KÖLNER POLIZEITERROR:

"ES WAR WIE EINE TREIBJAGD"

800 BEAMTE PRÜGELTEN AUF ANTIFASCHISTEN EIN

JUGENDLICHE WIE SCHWERVERBRECHER BEHANDELT

31 VERHAFTETE UND ZAHLREICHE VERLETZTE

FÜR PRESSE DER BRD KEIN THEMA

ADMIRAL SCHMÄHLING:

BUNDESWEHR PROPAGIERT VERSTÄRKT FEINDBILD

Neues Deutschland vom 23.09.1989 Seite 6:

Schlagzeilen:

NACH DEM TERROR DIE BITTERE ENTTÄUSCHUNG / ERLEBNISSE UNTER DER BONNER "OBHUT"

DER WEG AUS DEN ZELTLAGERN DER VERHEISSUNG IN DIE KÄLTE DER ELLENBOGENGESELLSCHAFT

24. September

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Neues Deutschland vom 24.09.1989 Seite 1:

Schlagzeilen:

ERNTEFEST IN DER KOOPERATIVE BUROW

BAUERN HABEN MIT GUTEM ERTRAG IHR WORT EINGELÖST

UMZUG ZEIGT GROSSEN WANDEL AUF DEM LANDE

WERNER KROLIKOWSKI UND MARGARETE MÜLLER FEIERTEN GEMEINSAM MIT DEN DORFBEWOHNERN

25. September

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Neues Deutschland vom 25.09.1989 Seite 1:

Schlagzeilen:

INTERNATIONALES KOMITEE BUCHENWALD-DORA: EINDRINGLICHE WARNUNG VOR DEM NEONAZISMUS IN DER BRD

BERUFSVERBOT GEGEN LEHRERIN IN BERLIN ANGEPRANGERT

BEREITS 170 DROGENTOTE IN NORDRHEIN-WESTFALEN

Neues Forum 1/89:

Im Ministerium des Innern wurde Bärbel Bohley und Jutta Seidel am 25. September mitgeteilt, daß "der Antrag auf Zulassung der Vereinigung Neues Forum abgelehnt wird". Begründung: Es bestehe keine gesellschaftliche Notwendigkeit für eine derartige Vereinigung.

Neues Deutschland vom 25.09.1989 Seite 5:

Schlagzeilen:

ANHALTENDE EMPÖRUNG ÜBER TERROR GEGEN ANTIFASCHISTEN

ÜBERFALL DER POLIZEI VOM BRD-FERNSEHEN TOTGESCHWIEGEN

GEWERKSCHAFTER ÜBER DIE SOZIALE WIRKLICHKEIT DER BRD:

"RETTE-SICH-WER-KANN-GESELLSCHAFT

MASSENARBEITSLOSIGKEIT UND WOHNUNGSNOT SIND HAUPTPROBLEME

ELLENBOGENMENTALITÄT IN DER GESELLSCHAFTVORHERRSCHEND

OBDACHLOSER IN RÜSSELSHEIM ZU TODE GEPRÜGELT

ICH LIEBE EUCH DOCH ALLE!

MfS, ZAIG, Nr. 426/89

Information an Jarowinsky, Keßler, Löffler, Mittig, MfS intern

 

Streng geheim!

Um Rückgabe wird gebeten!

 

INFORMATION ÜBER AUFFASSUNGEN FÜHRENDER VERTRETER DER KATHOLISCHEN KIRCHE ZU PROBLEMEN DER GESELLSCHAFTLICHEN ENTWICKLUNG IN DER DDR

 

Nach dem MfS streng internen vorliegenden Hinweisen befaßte sich die turnusmäßige Tagung der Berliner Bischofskonferenz - BBK - (4.-5. September 1989) sowohl mit zahlreichen innerkirchlichen Fragen als auch mit der aktuellen Situation in den Kirchengemeinden im Zusammenhang mit der Ausreiseproblematik. Die Bischöfe hätten sich unter hinweis auf den "Weggang" von katholischen Gläubigen und weiteren DDR-Bürgern über die UVR nach der BRD sehr besorgt über die dadurch in den Kirchengemeinden entstandene Lage geäußert, die auch bei vielen Gläubigen Ängste und Betroffenheit ausgelöst hätte.

Nach Meinung der Tagungsteilnehmer habe man in den letzten Wochen besonders die Unzufriedenheit der Bürger mit dem Staat verspürt, sie bestünde jedoch schon über einen längeren Zeitraum und es sei deshalb an der Zeit, sich öffentlich zu äußern. ...

... Vielen DDR-Bürgern fehle die Verbundenheit mit ihrem Land. Eine wesentliche Ursache hierfür sei ihr gestörtes Verhältnis zu den staatlichen Organen, bedingt durch Entscheidungen zuungunsten der Bürger und ein daraus resultierendes Absinken der Glaubwürdigkeit und staatlichen Autorität. ...

... Die Bischöfe einigten sich darauf, eine Veröffentlichung in den katholischen Wochenzeitungen in Form eines Interviews des Leiters der Pressestelle der Berliner Bischofskonferenz mit Bischof WANKE vorzunehmen. (Der Wortlaut dieses Interviews werde dem Staatssekretär für Kirchenfragen bereits vor Ablauf der Sperrfrist übergeben.) Mit diesem Interview - so Bischof WANKE - werde das Ziel verfolgt, der gegenwärtig in den Gemeinden um sich gegriffenen "Massenpsychose des Weggehens aus der DDR" entgegenzuwirken und aus katholischer Sicht auf Lösungswege einzugehen, die zum Umdenken führen könnten. ...

... Auf einem Forum zum Thema "Wozu braucht die DDR einen Freidenkerverband" erklärte Prof. FEIEREIS, dieser Verband sei nur mit dem Ziel gegründet worden, der Religion den Krieg anzusagen und eine Formation gegen die Kirche bzw. gegen die Religion zu schaffen. Die bei seiner Gründung genannten historischen Wurzeln hätten für die Gegenwart keinerlei Gültigkeit.

Auch er sprach sich für den Verbleib der DDR-Bürger in ihrem Lande aus und verwies darauf, daß sich Veränderungen abzeichneten, die es zu unterstützen gelte. Wörtlich betonte er: "Es gibt die Regierung und die, die denken."

Die Information ist wegen QUellengefährdung nur zur persönlichen Kenntnisnahme bestimmt.

26. September

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Neues Deutschland vom 26.09.1989 Seite 1:

Schlagzeilen:

PARTEI- UND STAATSDELEGATION DER DDR FÜHRT IN PEKING POLITISCHE GESPRÄCHE

MINISTER NORDRHEIN-WESTFALENS:

KATASTROPHALE WOHNUNGSNOT IN DER BRD OHNE ENDE

FÜR DIE DOZIAL SCHWACHEN IMMER WENIGER UNTERKÜNFTE

Neues Deutschland vom 26.09.1989 Seite 5:

Schlagzeilen:

RAKETENGEGNER MUSSTE HAFTSTRAFE ANTRETEN

BIELEFELD: STUDENTEN SOLLEN IN SCHLAFWAGEN WOHNEN

ALS "SONDERANGEBOTE2 VERRAMSCHT...

- "ZUSTÄNDE WIE IM VORIGEN JAHRHUNDERT" BEI BRD-LEIHARBEITSFIRMEN AUFGEDECKT

- MENSCHENHANDEL MIT SUPERBILLIGEN ARBEITSKRÄFTEN ALS NEUES SUPER-PROFITGESCHÄFT

Neues Deutschland vom 26.09.1989 Seite 6:

Schlagzeilen:

"DDR 40" IST BESUCHERMAGNET IN DER GRIECHISCHEN METROPOLE

AUSSTELLUNG DOKUMENTIERT LEISTUNGSFÄHIGKEIT DES SOZIALISTISCHEN DEUTSCHEN STAATES

DOPINGMITTEL "AN DER NÄCHSTEN STRASSENECKE"

INTERESSANTES EINGESTÄNDNIS

VIZEPRÄSIDENT DES BRD-HEBERVERBANDES GIBT "MÄNGEL" ZU

Tagesspiegel vom 26.09.1989 Seite 1:

Schlagzeilen:

IN DER BONNER BOTSCHAFT IN PRAG HALTEN SICH FAST TAUSEND DDR-BÜRGER AUF

8000 PERSONEN DEMONSTRIERTEN IN LEIPZIG

ZAHLREICHE FESTNAHMEN

ICH LIEBE EUCH DOCH ALLE!

MfS, ZAIG, Nr. 428/89

Information an Mittag, Stoph, Dohlus, Hager, Herrmann, Jarowinsky, Krenz, Schabowski, Dickel/Ahrend, Herger, Sorgenicht, Mittag, Großmann, Neiber, Schwanitz, Carlsohn, MfS intern

 

Streng geheim!

Um Rückgabe wird gebeten!

 

INFORMATION ÜBER EINE ÖFFENTLICHKEITSWIRKSAME PROVOKATORISCH-DEMONSTRATIVE AKTION IM ANSCHLUSS AN DAS SOG. MONTAGSGEBET IN DER NIKOLAIKIRCHE IN LEIPZIG

 

Am 25. September 1989 faand in der Zeit von 17.00 bis 17.55 Uhr das sog. Montagsgebet unter Teilnahme von über 2000 Personen (in den Vorwochen durchschnittlich 1100 Personen) in der Nikoleikirche in Leipzig statt. Weitere ca. 1000 Personen hatten sich wegen Überfüllung der Kirche auf dem Kirchenvorplatz und in den Zugangsstraßen versammelt. ...

... Das "Montagsgebet wurde durch den hinlänglich bekannten Pfarrer WONNEBERGER/Leipzig zum Thema "Gewalt" gestaltet. In provokatorischer Absicht tätigte er gezielt Aussagen wie "Wer den Knüppel zieht, muß auch den Helm tragen" sowie "Wenn die Verfassung nicht dem Bürger nützt, muß die Verfassung geändert werden". ...

... Der Inhalt dieses Montagsgebetes erzeugte unter den Teilnehmern eine angeheizte Atmosphäre und aggressive Stimmung. Nach Beendigung der Veranstaltung vereinten sich die Teilnehmer mit den auf dem Vorplatz versammelt gewesenen Personen zu einer auf ca. 3500 Personen angewachsene Menschenansammlung (hinsichtlich dieser Anzahl ist zu beachten, daß sich zu dieser Zeit in diesem Raum eine starke Personenbewegung vollzieht und sich deshalb unter diesen Personen auch normal dort bewegende bzw. sich aus Neugierde dort aufhaltende Personen befanden), die sich gegen 18.20 Uhr, initiiert durch eine ca. 300köpfige Personengruppe, durch das Stadtzentrum in Leipzig in Richtung Georgiring bewegte. Diese Gruppe initiierte außerdem Sprechchöre mit Rufen wie "Freiheit" und den Gesang der Internationale sowie des Liedes "We shall overcome".

Gegen 18.50 Uhr begab sich diese Personenansammlung in voller Straßenbreite zum Vorplatz des Hauptbahnhofs Leipzig, zog weiter zum Friedrich-Engels-Platz und kehrte von da aus zum Hauptbahnhof zurück, wo sie sich teilweise auflöste. Ca. 800 Personen rotteten sich in der Westhalle des Hauptbahnhofes zusammen, wo sie - wie bereits während des Marsches - im Sprechchor "Neues Forum zulassen" riefen. Diese Personenkonzentration im Hauptbahnhof wurde durch Einsatzkräfte der DVP aufgelöst.

Es wurden insgesamt 6 Personen zugeführt.

Im Ergebnis der bisher durchgeführten Untersuchungen ist vorgesehen:

- Gegen einen Zugeführten ein Ermittlungsverfahren ohne Haft gemäß §§ 137, 139 (3) StGB einzuleiten und ihn zu einer Geldstrafe von 1000,- Mark zu verurteilen;

- 5 Zugeführte werden nach Belehrung aus dem Polizeigewahrsam entlassen. ...

... Alle diese Maßnahmen (Belehrungen, Gespräche, Verwarnungen) erfolgten ohne den Einsatz polizeilicher Mittel; jedoch ist bei weiteren derartigen Zusammenrottungen ein Einsatz derselben nicht ausgeschlossen.

27. September

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Neues Deutschland vom 27.09.1989 Seite 1/3:

Als bedeutendstes Bauvohaben der Deutschen Post zum 40. Jahrestag der DDR wurde der erste Abschnitt der neuen Ortsvermittlungsstelle 20 in Berlin-Mitte übergeben. Harry Tisch, Vorsitzender des FDGB-Bundesvorstandes und Mitglied des Politbüros des ZK der SED, überzeugte sich in Anwesenheit von Hauptdirektor  Heinz Seemann (M), Leiter der Bezirksdienststelle der Deutschen Post Berlin, und Telefoninistin Simone Günther (r.) bei einem ersten Telefonat von der Funktionstüchtigkeit der Anlage.

BZA vom 15.11.1989 Seite 8:

SIEBEN WOCHEN SPÄTER:

HALLO, HALLO, HIER POTEMKIN

Die Bezirksdirektion der Post hat am 26. September demonstriert, zu welchen außergewöhnlichen Telefon-Leistungen sie doch fähig ist. An jenem Tag wurde die neue Fernsprech-Ortsvermittlungsstelle 20 in der Französischen Straße in Betrieb genommen - mit einem Telefonat des damaligen FDGB-Vorsitzenden Harry Tisch. Reporter schossen ihre Fotos, als er zum Hörer griff und der Verbindung in die neuen Wohngebiete um die Friedrichstraße eine gute Qualität bescheinigte. Beifall in allen Medien, auch der BAZ. Jetzt wissen wir, daß es sich bestenfalls um eine Verbindung zu einem Potjomkinschen Dorf gehandelt haben kann - denn die Vermittlungsstelle ging tatsächlich erst am 13. Oktober in Betrieb. ...

Neues Deutschland vom 27.09.1989 Seite 2:

Unter den großen Leistungen unseres Volkes, auf die wir stolz sein können, gebührt dem Wohnungsbauprogramm einer der vordersten Plätze. schon die bloßen Zahlen der Statistik machen deutlich: Als unsere Republik gegründet wurde, gab es bei uns 5,1 Millionen Wohnungen, 27 auf 100 Einwohner und 12 Quatratmeter für jeden Bürger. zum 40. Jahrestag der DDR verfügen wir über mehr als sieben Millionen Wohnungen. Das sind 42 für 100 Bürger. Mit 27 Quatratmetern hat sich die Wohnfläche für jeden mehr als verdoppelt. Und all das bei stabilen Mietpreisen, die im Budget der Familie rund drei Prozent ausmachen. ...

ICH LIEBE EUCH DOCH ALLE!

MfS, ZAIG, Nr. 429/89                                                                                               Berlin, 27.9.1989

Information an Stoph, Mittag, Dohlus, Hager, Herrmann, Jarowinsky, Krenz, Herger, Dickel/Ahrend, Mittig, Neiber, MfS intern

 

Streng geheim!

Um Rückgabe wird gebeten!

 

INFORMATION ÜBER DIE REAKTION VON ANTRAGSTELLERN AUF DIE ABLEHNUNG DER VEREINIGUNG "NEUES FORUM"

 

... Alle Antragsteller nahmen die Entscheidung und Belehrung zur Kenntnis. Die Mehrheit zweifelte die gegebene Begründung, derzufolge für die Bildung der Vereinigung keine gesellschaftliche Notwendigkeit besteht, an und brachte zum Ausdruck, diese nicht anzuerkennen. Wiederholt wurde unter Bezugnahme auf Ergebnisse von Unterschriftensammlungen betont, "viele Bürger wünschten diese Vereinigung". ...

... vereinzelt wurde versucht, mit den staatlichen Vertretern einen Dialog zu führen über die Ausreiseproblematik sowie über solche Begriffe wie "keine Notwendigkeit" und "Staatsfeindlichkeit" (darauf wurde in den Gesprächen nicht eingegangen). ...

... In diesem Zusammenhang erscheint - über die vorgenannten Gespräche hinausgehend - bedeutsam, daß

- auf einem am 24. September 1989 in der Markuskirchengemeinde in Leipzig stattgefundenen Treffen feindlicher, oppositioneller Kräfte eine Protestresolution gegen die Entscheidung des Ministers des Inneren (Ablehnung des "Neuen Forum"), verbunden mit einer Unterschriftensammlung verfaßt wurde, die an das MdI versandt werde soll,

- für den 1. Oktober 1989 die Konstituierung der maßgeblich durch die Pfarrer EPPELMANN und SCHORLEMMER initiierten sogenanneten Sammlungsbewegung "Demokratischer Aufbruch" in der Samariterkirche in Berlin-Friedrichshain vorgesehen ist.

28. September

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Neues Deutschland vom 28.09.1989 Seite 2:

WO SKLAVENHANDEL LEGAL IST

Dem Bundestag der BRD liegt zur Zeit eine Große Anfrage zum Thema Kinderhandel vor. Hintergrund ist die Tatsache, daß weniger Mütter Kinder zur Adoption freigeben, als adoptionsinteressierte Paare vorhanden sind. Etwa 20 000 Kinder "fehlen" jedes Jahr. Unter den Bedingungen kapitalistischer Marktwirtschaft wird einer solchen Nachfrage auch ein entsprechendes Angebot entgegengesetzt - von privaten Kinderhändlern. ...

Neues Deutschland vom 28.09.1989 Seite 1:

Schlagzeilen:

FÜHRENDE POLITIKER KOMMEN ZUM 40. JAHRESTAG DER DDR

VOLKSREPUBLIK POLEN: WOJCIECH JARUZELSKI; MIECZYSLAW RAKOWSKI UND KRZYSZTOF SKUBIESZEWSKI

CSSR: MIKLOS JAKES

SOZIALISTISCHE REPUBLIK RUMÄNIEN: NICOLAE CEAUSESCU

 

350 000. WOHNUNG SEIT 1971 IM BEZIRK KARL-MARX-STADT

MEETING MIT SIEGFRIED LORENZ IM ZENTRUM VON ZWICKAU

WBK ERFURT ERRICHTETE BISHER 120 000 NEUBAUWOHNUNGEN

 

AKTIONSWOCHE IN KÖLN GEGEN NEONAZI-UMTRIEBE

Neues Deutschland vom 28.09.1989 Seite 5:

Schlagzeilen:

PRÄSIDENT DES STÄDTETAGES:

IN WOHNUNGSVERSORGUNG DER BRD HERRSCHT "NATIONALER NOTSTAND"

Der Tagesspiegel vom 28.09.1989 Seite 1:

Der weitaus größte Teil der DDR-Bürger, die in die Bonner Vertretungen in Prag und Warschau geflüchtet sind, ist bislang nicht auf das Angebot der DDR-Führung zur Ausreise eingegangen. Der Berliner Rechtsanwalt Vogel sagte den Flüchtlingen gestern erneut zu, daß sie innerhalb von sechs Monaten in den Westen ausreisen könnten, wenn sie zunächst in die DDR zurückkehren. ...

In Prag stieg die Zahl der Flüchtlinge auf rund 1 500. In Warschau, wo sich rund 400 Flüchtlinge aufhalten, ist noch kein DDR-Bürger auf das Angebot eingegangen.

29. September

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Neues Deutschland vom 29.09.1989 Seite 1:

Schlagzeilen:

HOHE EHRUNG FÜR VORBILDLICHE LEISTUNGEN VON KOLLEKTIVEN

WILLI STOPH VERLIEH TITEL "BETRIEB DER SOZIALISTISCHEN ARBE

 

DANK UND ANERKENNUNG FÜR BESTE DES WETTBEWERBS IM 40. JAHR DER DDR

EHRENBANNER AN WEITERE KOLLEKTIVE ÜBERREICHT

PRODUKTIONSSTART FÜR MODERNE ANLAGE

Neues Deutschland vom 29.09.1989 Seite 2:

WO DÖRFER LAUTLOS STERBEN UND WO SIE LEBEN

... Zukunftsgewißheit. Bei diesem Gedanken erinnert man sich der jüngsten Angaben des BRD-Bauernverbandes. Seit 1949 mußten 981 000 Landwirte Ihre Hof- und Stalltore für immer schließen. Von den existierenden Höfen steht jeder dritte vor dem Bankrott. Mit dem Hof aber stirbt das Dorf.

Bei uns lebt das Dorf.

Neues Deutschland vom 29.09.1989 Seite 5:

Schlagzeilen:

DGB-VORSITZENDER ERNST BREIT:

AUFRUF ZU AKTIONSEINHEIT GEGEN NEONEZIS IN DER BRD

JUSTIZ STELLT ERMITTLUNGEN GEGEN WEHRSPORTGRUPPE EIN

 

JEDER ZWEITE HAUSHALT IN DER BRD MIT ÜBER 15 000 DM VERSCHULDET

ICH LIEBE EUCH DOCH ALLE!

MfS, ZAIG, Nr. 432/89                                                                                            Berlin, 29.9.1989     Information an Honecker, Stoph, Dohlus, Mittag, Hager, Herrmann, Jarowinsky, Krenz, Schabowski Herger, Kraußer, Löffler, Mittig, Großmann, Neiber, Schwanitz, MfS intern.

 

Streng geheim!

Um Rückgabe wird gebeten!

 

INFORMATION ÜBER EINE GEPLANTE ZUSAMMENKUNFT ZUR KONSTITUIERUNG EINER OPPOSITIONELLEN SAMMLUNGSBEWEGUNG "DEMOKRATISCHER AUFBRUCH"

 

Dem MfS wurde streng vertraulich bekannt, daß auf maßgebliche Initiative des hinlänglich bekannten Pfarrer EPPELMANN am 1. Oktober 1989 in der Hauptstadt der DDR, Berlin, eine zusammenkunft von Personen zur Bildung  einer DDR-weiten oppositionellen Sammlungsbewegung "Demokratischer Aufbruch" durchgeführt werden soll. ...

... Nach dem MfS vorliegenden Hinweisen propagierte Pfarrer RICHTER, der sich als Sprecher des "Demokratischen Aufbruch" ausgibt, wiederholt in der Öffentlichkeit - so auch in der BRD - Ziele und Anliegen dieser oppositionellen Sammlungsbewegung. U. a. erläuterte er am 26. September 1989 in der Augustinerkirche in Erfurt vor ca. 1 000 vorwiegend jugendlichen Personen während eines sogenannten Informationsabends Inhalt des Programmentwurfs der zu bildenden Bewegung. In diesem Zusammenhanghob er hervor, daß der "Demokratische Aufbruch" im Gegensatz zum "Neuen Forum" stärker das "politische Handeln" in den Vordergrund stellen wolle, um den "Alleinanspruch" der SED zu brechen. ...

... Auf der Zusammenkunft sollen ein sogenannter Programmentwurf der Sammlungsbewegung "Demokratischer Aufbruch" bekanntgegeben und beraten werden sowie ihre Konstituierung erfolgen. Nach Ende der Veranstaltung ist eine "Pressekonferenz" geplant. (Die Durchführung einer "Pressekonferenz" wurde bisher nicht beantragt und wird nicht genehmigt.) ...

... Durch das MfS sind komplexe Sicherungsmaßnahmen im Umfeld ausgewählter kirchlicher Objekte in der Hauptstadt der DDR, Berlin, eingeleitet.

Die Information ist wegen Quellengefährdung nur zur persönlichen Kenntnisnahme bestimmt.

30. September

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Neues Deutschland vom 30.09.1989 Seite 1:

Schlagzeilen:

FESTVERANSTALTUNG ZUM 40. JAHRESTAG DER GRÜNDUNG DER VOLKSREPUBLIK CHINA

IN DEN KÄMPFEN UNSERER ZEIT STEHEN DDR UND VR CHINA SEITE AN SEITE

ERICH HONECKER UND WEITERE MITGLIEDER DER PARTEI- UND STAATSFÜRHUNG WURDEN MIT GROSSER HERZLICHKEIT BEGRÜSST

HERMANN AXEN UND BOTSCHAFTER ZHANG DAKE BETONEN IN ANSPRACHEN:

FREUNDSCHAFT UND ZUSAMMENARBEITZWISCHEN UNSEREN LÄNDERN HABEN EINE GROSSE ZUKUNFT

Neues Deutschland vom 30.09.1989 Seite 7:

Schlagzeilen:

USA-PRÄSIDENT LEHNT VÖLLIGE VERNICHTUNG CHEMISCHER WAFFEN AB

CDU UND NEONAZIS WÄHLEN BÜRGERMEISTER

DGB-FUNKTIONÄR PRANGERT GESINNUNGSTERROR AN

Neues Forum 1/89:

Auf dem Marktplatz in Arnstadt demonstrierten am 30. September auf Initiative des NEUEN FORUM 800 Menschen.

ZDF "heute-spezial" vom 30.9., 23:55 Uhr:

Um 21:00 Uhr hat sich der erste Zug mit 1 000 DDR-Bürgern von Prag aus in Richtung Hof auf den Weg gemacht. Die Menschen, die in diesem Zug sind, werden durch die DDR reisen. ...

... Mit mindestens 4 geschlossenen Zügen - um 21:00 Uhr, 23:00 Uhr, 1:00 Uhr und 3:00 Uhr morgens, fahren die Flüchtlinge im Transit durch die DDR nach Hof in Bayern.

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© Thomas Lehmann

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