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SPRUCH DES JAHRES

Die Regierungen, welche die Freiheit der Rede unterdrücken, weil die Wahrheiten, die sie verbreitet, ihnen lästig sind, machen es wie die Kinder, welche die Augen zuschließen, um nicht gesehen zu werden.

Ludwig Börne

SPRUCH DER WOCHE

Wir sind verantwortlich für das, was wir tun, aber auch für das, was wir nicht tun.

Voltair

LUSTIGES

Quelle: Aus dem umgestülpten Papierkorb der Weltpresse (1977)

Amsterdam - Der Weltverband der Junggesellen wird von dem Holländer Ger Greije geleitet. Mijnheer Greije ist allerdings verheiratet. Er hatte seine Frau vo rvier Jahren auf dem damaligen Weltkongre? der standhaften Junggesellen kennengelernt.

Die Lehmänner
Die Lehmänner

21. Oktober

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Neues Deutschland 21.10., S. 1

Schlagzeilen

 

ARBEITSKOLLEKTIVE UND MITGLIEDER DER PARTEI- ND STAATSFÜHRUNG IM FREIMÜTIGEN DIALOG

OFFENE DEBATTE UM AKTUELLE FRAGEN UNSERER GESELLSCHAFT

VORSCHLÄGE UND STANDPUNKTE ZUR ENTWICKLUNG DES SOZIALISMUS

 

ERNEUTER ANSCHLAG AUF DIE DD-STAATSGRENZE

STEINWÜRFE AUF GRENZSOLDATEN AM BRANDENBURGER TOR

 

JUSTIZ DER BRD SPRICHT MENSCHENUNRECHT:

OBDACHLOSE BLEIBEN AUF DER STRASSE

Neues Deutschland 21.10., S. 2

Schlagzeilen

 

VOLKSKAMMERSUSCHUSS PRÜFTE MIT WERNER KROLIKOWSKI:

WO GENOSSENSCHAFTLICHE DEMOKRATIE GEFÖRDERT WURDE UND WO SIE GEHEMMT WIRD

 

"SPUTNIK" KOMMT WIEDER IN DEN ZEITUNGSVERTRIEB

 

JEDER SACHVERHALT WIRD ALLSEITIG UND UNVOREINGENOMMEN AUFGEKLÄRT

ICH LIEBE EUCH DOCH ALLE!

MfS, ZAIG, B 216                                                                                                   Berlin, 21.10.1989

Referat Mielke (Auszug)

 

Genossen!

Meine bisherigen Ausführungen und Eure eigenen Einschätzungen besagen, daß wir uns völlig veränderten Kräftegruppierungen gegenübersehen. Wir können heute noch nicht beantworten, wie wir mit diesen Veränderungen - die noch zunehmen können - zukünftig "fertig" werden wollen und müssen. Sicherlich ist es erforderlich, an die gesamte Klärung der Frage "Wer ist wer?" von neuen Überlegungen aus heranzugehen.

Ausgehend von der jetzigen Lage muß es uns zunächst darum gehen:

1. In allen Verantwortungsbereichen schnellstmöglich zu erkennen, wer sind die dort als Organisatoren und Inspiratoren feindlicher, opposizioneller Gruppierungen in Erscheinung getretenen Kräfte, voe allem die als sogenannte Kreis- und Bezirkssprecher des "Neuen Forums", als Kontaktadressen und in anderer Form in die Schaffung von Organisations- und Leitungsstrukturen sowie von stabilen Kommunikationsbeziehungen einbezogenen Kräfte. ...

... An diesen Kräften müssen wir unter Nutzung aller operativen Möglichkeiten so dranbleiben, daß wir rechtzeitig mögliche Gefahren erkennen und sie abwenden.

2. Wer sind die Kräfte, die mit scharfmacherischen, auf die Liquitierung des Sozialismus zielenden Angriffen, also mit offen konterrevolutionären Forderungen auftreten und andere in diesem Sinne zu mobilisieren und zu inspirieren versuchen - also die offen als Feinde handeln.

3. Personen, die mit gegnerischen Kräften von außen bzw. ihren legalen Basen bei uns zusammenwirken, über die das Zusammenwirken abgestimmt und organisiert wird.

4. Wer sind bei den Zusamenrottungen und Demonstrationen die eigentlichen Rädelsführer, wer sind diejenigen, die die Massen aufputschen, die mit provokatorischen, auf Konfrontation und Gewaltanwendung zielenden Losungen - darunter gegen uns - auftreten und die selbst gegen Angehörige der Schutz- und Sicherheitsorgane vorgingen bzw. an entsprechenden Gewalthandlungen beteiligt waren. ...

... Im Zusammenhang mit der Frage "Wer ist wer?" noch ein Wort zu folgenden Problemen:

Die insgesamt eingetretenen Lageveränderungen haben teilweise auch spürbare Auswirkungen auf die Haltung der IM/GMS, abgesehen von den mit dem Verlassen der DDR durch derartige Personen verbundenen Sicherheitserfordernissen. Wir haben deshalb ständig an der Frage "Wer ist wer?" bei den IM/GMS zu arbeiten, insbesondere deren Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit lagebezogen einzuschätzen und Unsicherheitsfaktoren auszuschließen. ...

... Die Maßnahmen haben sich darauf zu konzentrieren, alle die Kampf- und Einsatzbereitschaft beeinträchtigenden bzw. untergrabenden Erscheinungen rechtzeitig zu erkennen und im engen Zusammenwirken mit den Kommandeuren, den Partei- und Politorganen unverzüglich zu beseitigen bzw. entsprechende Kräfte rechtzeitig vorher herauszulösen. Wir müssen uns auf die bewaffneten Organe und die Kampfgruppen in jeder Situation verlassen können.

22. Oktober

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Neues Forum I/89

 

In Rostock demonstrierten 18 000 Menschen. In Schöneiche bei Berlin sprachen Vertreter des NEUEN FORUM und der Sekretär der Ortsparteileitung der SED. Im Zimmer wurde ein verborgenes Aufzeichnungsgerät entdeckt.

Der Tagesspiegel vom 22.10., S. 1

 

Diese Partei neostalinistischer Bürokraten hat in 40 Jahren ihre Unfähigkeit bewiesen. Ihre Zwangsherrschaft hatt den Massenexodus der jungen Generation heraufbeschworen, der die DDR sich weißbluten läßt und dem Land irreparable Schäden zufügt. Es ist nicht die Bundesrepublik, die arglistig hunderte DDR-Bürger verführte, sonder die Zustände in der DDR sind zum Davonlaufen. Dennoch geht es nicht um eine "Abschaffung des Sozialismus", über die sich die alte Garde des Regiems ereifert, sondern um die Abschaffung des abgewirtschafteten stalinistischen Systems.

23. Oktober

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Neues Deutschland vom 23.10., S. 1

 

In der ständigen Vertretung der DDR in der BRD in Bonn gehen zunehmend Anfragen von ehemaligen DDR-Bürgern zur Rückkehr in ihre Heimat ein, teilte Konsul Günter Lampat mit. Er sagte, an diesem Wochenende hätten sich mehr als 50 Personen mit diesem Anliegen an die Vertretung gewandt.

Neues Forum I/89

 

In Zwickau demonstrierten 15 000, in Stralsund 4 000 Menschen. Nachdem das NEUE FORUM in Schwerin zu einer Demonstration um 17 Uhr aufgerufen hatte, rief der "Demokratische Block und die Bezirksleitung der SED" zu einer Kundgebung am gleichen Ort und zur selben Stunde. 500 Teilnehmer folgten dem Appell. Andere 50 000 zogen bis Kundgebungsende durch die Stadt. In Halle demonstrierten 10 000 Menschen, Leipzig registrierte eine Viertelmillion. Eine Demo in Magdeburg hatte 30 000 Teilnehmer.

Neues Forum vom 23.10.

Flugblatt

 

Wir hören Klagen, erhalten Beschwerdebriefe über ungleiche Verteilung von Gütern und Dienstleistungen, Reisen, Import-Kfz, Hotelbetten, Luxuselektronik bis hin zu Dosenbier. Es kann nicht um Neid und Verpetzen gehen! Vielmehr zeigen die Klagen, wie tief das Gefühl für soziale Gerechtigkeit und Gleichbehandlung in unserer Bevölkerung ist.

Wir müssen uns klarmachen, daß Umverteilung keine Gerechtigkeit herstellen kann. ... Die Abschaffung von Privilegien ist ein moralisches, kein Umverteilungsproblem.

ICH LIEBE EUCH DOCH ALLE!

MfS, ZAIG, Nr. 471/89                                                                                           Berlin, 23.10.1989

Information an Krenz, Stoph, Axen, Böhme, Dohlus, Eberlein, Hager, Jarowinsky, Keßler, Kleiber, Krolikowski, W., Lorenz, Mückenberger, Neumann, Schabowski, Sindermann, Tisch, Lange, L., Müller, Müller, M., Schürer, Walde, Dickel, Herger, Sorgenicht, Mielke, Carlsohn, Mittig, Großmann, Neiber, Schwanitz, MfS intern.

 

Streng geheim!

Um Rückgabe wird gebeten!

 

Nach dem MfS vorliegenden Hinweisen setzt sich der Prozeß der DDR-weiten Formierung der bekannten antisozialistischen Sammlungsbewegungen fort.

Im Ergenis ... ist es den Inspiratoren/Organisatoren gelungen, ein politisch beachtliches Potential der Bevölkerung der DDR, vor allem jüngere Bürger, in ihrem Sinne zu beeinflussen, bei diesem Handlungsbereitschaften zu wecken und für entsprechende Aktivitäten zu nutzen. ...

In zunehmendem Maße ist ein Zusammengehen verschiedener antisozialistischer ... Sammlungsbewegungen erkennbar, so u.a. bei der Nutzung gleicher Veranstaltungen. Begünstigt wird das durch eine teilweise vorhandene Personalunion der Führungskräfte - der bekannte Heiko LIETZ ist z.B. in zentralen Aufgaben sowohl des "Neuen Forums" als auch des "Demokratischen Aufbruch" und der "SDP" eingebunden - bzw. durch langjähriges Kennen und persönliches Zusammenwirken solcher Personen im Rahmen personaller Zusammenschlüsse. ...

... Bedeutendste Ausgangsbasis für das Wirken aller antisozialistischen Sammlungsbewegungen bilden nach wie vor die evangelischen Kirchen. Feststellungen zufolge nahmen in der Zeit vom 16. bis 22. Oktober 1989 an Veranstaltungen ausschließlich politischen Charakters in Kirchen und kirchlichen Räumen, in denen Kräfte antisozialistischer Sammlungsbewegungen ungehindert auftreten konnten, weit über 100 000 Personen teil. ...

... Bei der Mehrzahl dieser generell mit Wissen und Zustimmung kirchenleitender Kräfte und z.T. unter unmittelbarer Mitwirkung der jeweiligen Gemeindepfarrer durchgeführten Veranstaltungen werden die Ziele und Inhalte der antisozialistischen Sammlungsbewegungen dargelegt, erläutert und diskutiert, verbunden mit immer massiver werdenden Angriffen gegen die Politik von Partei und Regierung, führende Repräsentanten, die Schutz- und Sicherheitsorgane. ...

... Beachtenswert ist, daß die Ankündigung von solchen politischen Veranstaltungen in Kirchen und kirchlichen Räumen nicht mehr abgedeckt oder religiös verbrämt, z.B. als sog. Friedensgottesdienst, sondern überwiegend mit direktem hinweis auf deren Inhalt in kirchlichen Schaukästen und anderweitig vorgenommen wird. ...

... Führungskräfte und andere aktive Mitglieder antisozialistischer Sammlungsbewegungen agieren zunehmend überörtlich, treten im Rahmen von Zusammenkünften und Veranstaltungen in anderen Bezirken auf. ...

... Nach vorliegenden streng internen Hinweisen treffen Führungskräfte des "Demokratischen Aufbruchs" Vorbereitungen zur Durchführung einer Gründungsversammlung am 29. Oktober 1989 im evangelischen Diakoniewerk "Königin Elisabeth" in der Hauptstadt der DDR, Berlin. ...

... Nach dem MfS vorliegenden Hinweisen intensivieren die antisozialistischen Sammlungsbewegungen ihre Aktivitäten, unter Nutzung des politisch desolaten Zustandes in einigen zentralen Einrichtungen des Bereiches Kunst/Kultur und in den Künstlerverbänden sowie begünstigt durch die offene Bekundung seitens einer Reihe von Kulturschaffenden, im Bereich Kunst und Kultur EInfluß zu erlangen. ...

... Streng internen Hinweisen zufolge beabsichtigen Führungskräfte des "Neuen Forums", die für den 19. November 1989 beantragte Demonstration von Berliner Künstlern zu nutzen, um mit eigenständigen Losungen und Forderungen aufzutreten.

Im Ergebnis vor allem des Wirkens von Kräften aus antisozialistischen Sammlungsbewegungen sowie in Anlehnung an frühere analoge Aktivitäten im Sinne des gewaltfreien Widerstandes fanden in der Woche vom 16. - 22.10.1989 in nahezu allen Bezirken der DDR und in der Hauptstadt Berlin 24 nicht genehmigte öffentliche Demonstrationen statt, an denen sich vorliegende Hinweisen zufolge insgesamt über 14 ooo Personen beteiligte. (Ein Eingreifen der Schutz- und Sicherheitsorgane war nicht erforderlich.) ...

... Beim Passieren von bzw. gezielten Vorbeilaufen an Gebäuden und Einrichtungen der Partei bzw. Objekten der Schutz- und Sicherheitsorgane erfolgten aus den Demonstrationszügen heraus in Einzelfällen Angriffe auf die führende Rolle der SED in der sozialistischen Gesellschaft sowie oftmals aggressiv formulierte Rufe nach Abschaffung des MfS. ...

... Beachtenswert in diesem zusammenhang ist auch die seit Wochen anhaltende hohe Zahl anonymer Gewaltandrohungen in Form des Führens anonymer Telefonanrufe bzw. Versendens anonymer Briefe, in denen besonders Einrichtungen der SED unterschiedlichster Ebenen, Dienststellen der Deutschen Volkspolizei und des MfS, staatlichen Organen sowie wirtschaftsleitenden und gesellschaftlichen Einrichtungen Gewaltakte in Form von Bomben-, Sprengstoff- und Brandanschlägen sowie einzelnen Parteifunktionären persönliche Angriffe auf Leben und Gesundheit angedrohr werden.

Mielke

24. Oktober

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Neues Deutschland vom 24.10., S. 1

Schlagzeilen

 

FREUNDSCHAFTLICHES tREFFEN eGON kRENZ - NGUYEN VAN LINH

 

PPP: IN DER BRD HERRSCHT AKUTE WOHNUNGSNOT

EIN DRITTEL DES VOLKES UM SEINE LEBENSCHANCEN BETROGEN

 

WAS BERLINER KABELWERKER VOM NÄCHSETEN ZK-PLEMUM ERWARTEN

VORSCHLÄGE AN ALFRED NEUMANN UND GÜNTER SCHABOWSKI IM KWO

Neues Deutschland vom 24.10., S. 5

Schlagzeilen

 

FDP-VORSITZENDER:

VON RATSCHLÄGEN AN DIE DDR ABSEHEN

 

JOHANNES RAU:

BRD DARF KEIN VORMUND DER DDR-BÜRGER SEIN

 

GRÜNE GEGEN NEUAUFLAGE STAATLICHER TRÄUME VON WIEDERVEREINIGUNG

 

STEINKÜHLER ZUR SITUATION IN DER BRD:

NOT VON MILLIONEN BÜRGERN BESCHÄMEND UND UNWÜRDIG

25. Oktober

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Neues Deutschland vom 25.10., S. 1

Schlagzeilen

 

10. TAGUNG DER VOLKSKAMMER DER DDR

EGON KRENZ ZUM VORSITZENDEN DES STAATSRATES DER DDR GEWÄHLT

OBERSTE VOLKSVERTRETUNG STIMMTE ANTRAG DER FRAKTION DER SED BEI 26 GEGENSTIMMEN UND 26 ENTHALTUNGEN ZU

LANGJÄHRIGES WIRKEN ERICH HONECKERS AN DER SPITZE DES STATTES GEWÜRDIGT

 

POLITBÜRO DER SED TAGTE

10. TAGUNG DES ZK FÜR 8.-10. NOVEMBER EINBERUFEN

VORSCHLÄGE AN MINISTERRAT FÜR GESETZENTWURF ÜBER REISEMÖGLICHKEITEN FÜR DDR-BÜRGER NACH ALLEN STAATEN

Neues Deutschland vom 25.10., S. 1

 

ZU DEN POLIZEILICHEN EINSÄTZEN IN DEN LETZTEN WOCHEN

 

Vor der Verfassung, vor dem Gesetz sind alle gleich

Erklärung von Dr. Wolfgang Herger, Vorsitzender des Ausschusses für Nationale Verteidigung  der Volkskammer, vor dem Staatsrat der DDR

 

... In einem Befehl des damaligen Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates heißt es:

"Der aktive Einsatz polizeilicher Kräfte und Mittel erfolgt nur bei Gewaltanwendung der Demonstranten gegenüber den eingesetzten Sicherheitskräfte beziehungsweise bei Gewaltanwendung gegenüber Objekten. Der Einsatz der Schußwaffe im Zusammenhang mit möglichen Demonstrationen ind grundsätzlich verboten".

Vorbereitet und vorgeschlagen hat diesen Befehl der heute gewählte Vorsitzende des Staatsrates der DDR, Egon Krenz. ...

ICH LIEBE EUCH DOCH ALLE!

MfS, Dokumentenverwaltung, Nr. 103625                                                      Berlin, 25.10.1989

 

(Fernschreiben)

 

VVS-Nr. 0008, MfS-Nr. 79/89

 

Der Generalsekretär des ZK der SED, Genosse Egon Krenz, hat am 24. Oktober 1989 an alle 1. Sekretäre der Bezirks- und Kreisleitungen ein Fernschreiben mit folgendem Wortlaut gerichtet:

 

"Mit meiner Rede auf der 9. Tagung des Zentralkomitees und meiner heutigen Erklärung in der Volkskammer ist die Richtung für die Arbeit der Partei bestimmt. ...

... Die Lage im Land hat sich weiter zugespitzt. ...

... Der Staatsrat der DDR hat sich in seiner heutigen Sitzung mit der Wahrung der Rechtsstaatlichkeit in der DDR beschäftigt, über deren Ergebnisse morgen in der Presse berichtet wird.

Wir gehen davon aus, daß alle Probleme mit politischen Mitteln gelöst werden. ...

... Jetzt ist es erforderlich, sofort in allen Grundorganisationen Mitgliederversammlungen durchzuführen bzw. in Parteigruppen und Parteikollektiven in kurzen Beratungen die Parteikräfte auszurüsten. Es gilt, das Parteiaktiv zu formieren und die gesamte Partei in die Offensive zu führen. ...

Es ist dafür Sorge zu tragen, daß die Lage real eingeschätzt wird und bei besonderen Vorkommnissen die entsprechenden Maßnahmen eingeleitet werden."

 

Sie haben entsprechend den von mir auf der Dienstbesprechung vom 21.10.1989 gegebenen Weisungen und Orientierungen die 1. Sekretäre der Bezirks- und Kreisleitungen maximal bei der Realisierung der im Fernschreiben gestellten Aufgaben zu unterstützen und sie insbesondere für die reale Lageeinschätzung und die Festlegung entsprechender Maßnahmen ständig aktuell zu informieren.

Mielke

Armeegeneral

26. Oktober

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Neues Deutschland vom 26.10., S. 1

Schlagzeilen

 

POLITIKER AUS DER VR POLEN BEI WILLI STOPH

 

REGIERUNG IN BONN:

BRD-WEHRPFLICHT FÜR EHEMALIGE BÜRGER DER DDR

 

WEITERER ABRÜSTUNGSSCHRITT VOR DEN AUGEN DER WELT

JAGDFLIEGERGESCHWADER DER NVA IN DREWITZ WURDE AUFGELÖST

 

NATO BEHARRT AUF KONZEPT DER NUKLEAREN ABSCHRECKUNG

VERTEIDIGUNGSMINISTER BERIETEN MILITÄRSTRATEGIE

Neues Deutschland vom 26.10., S. 2

 

WIR BRAUCHEN DEN DIALOG, NICHT UNRUHE UND GEBRÜLL

 

... Am Dienstag gegen 17 Uhr kam es in Berlin wieder zu einer zuvor in Kirchen angekündigten Demonstration auf dem Alexanderplatz. ... Dort brüllten sie ihre Absicht heraus, zum Brandenburger Tor zu marschieren, augenscheinlich mit dem Ziel, einen massenhaften gewaltsamen Grenzdurchbruch zu riskieren. Volkspoliziste sperten daraufhin die Straße. Da begann der harte Kern zu toben. Volkspolizisten wurden ins Gesicht gespuckt. Anderen wurden brennende Kerzen unter das Kinn gehalten. Erst eine halbe Stunde vor Mitternacht löste sich der Spuk auf. ...

Neues Deutschland vom 26.10., S. 8

 

POLIZEIPRÄSIDENT VON BERLIN ZU DEMONSTRATIONEN VERGANGENER TAGE

 

... Die Polizei will die Demonstranten nicht kriminalisieren. Sie habe sehr wohl erkannt, daß die übergroße Mehrheit der Teilnehmer ehrlichen Herzens und aus Überzeugung für einen neuen Aufbruch in der Gesellschaft engagiert ist und auch während des Marsches durch die Innenstadt am Dienstag die Angebote zum Meinungsaustausch annahm. Rund 600 Mitglieder der SED, anderer Parteien und Massenorganisationen hatten sich dazu den Demonstranten gestellt, obgleich die Straße dafür eigentlich kein Platz ist. Der "harte Kern" habe aber all das ignoriert, woraus man nur schlußfolgern kann, daß es diesem überhaupt nicht um die Suche nach neuen Wegen in unserer sozialistischen Gesellschaft geht.

Neues Forum I/89

 

In Erfurt gingen am 26. Oktober mehr als 30 000 Menschen auf die Straße. In Hagenow, Boizenburg und Wittenberge nahmen jeweils mehr als 1 000 Menschen an Veranstaltungen teil, die das NEUE FORUM initiierte.

27. Oktober

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Neues Deutschland vom 27.10., S. 1

 

Am kritischen und konstruktiven Dialog beteiligen sich sehr engagiert die Gewerkschafter in allen Bereichen unserer Gesellschaft. ... Im VEB Druckmaschinenwerk Plamag traf sich Gerhard Nennstiel, Vorsitzender des Zentralvorstandes der IG Metall, mit Arbeitern. Am gleichen Tag besuchte Gerherd Nennstiel auch das Plauener Glühlampenwerk.

Neues Deutschland vom 27.10., S. 2

 

AUSKUNFT ÜBER BIERMANN

 

Unser Leser Fritz Meinke äußerte gestern telefonisch ... In eurem heutigen Kommentar "Schmutz im Telefon" schreibt ihr, der Liedermacher Wolf Biermann hätte die Menschen, die sich der komplizierten Aufgabe stellen, eine Wende zum Positiveb in unserem Land herbeizuführen, beschimpft: "Alte Schweinehunde" sei noch die mildeste Bezeichnung gewesen ... Unser Leser hat recht, daß man, um das ganze Ausmaß der hetzerischen Ausfälle Biermanns gegen Egon Krenz und andere Mitglieder unserer Führung voll zu ermessen, sie kennen muß, wenngleich sich beim Übertragen die Feder sträubt. ...

Neues Deutschland vom 27.10., S. 8

 

Ein informatives Gespräch führten am Donnerstag in der Bezirksleitung Berlin der SED der 1. Sekretär Günter Schabowski sowie die Sekretäre Heinz Albrecht und Horst Oswald mit Prof. Jens-Georg Reich und Sebastian Pflugbeil. Die beiden Gesprächspartner stellten sich als Angehörige einer Initiativgruppe vor, die sich "Neues Forum" nennt.

Neues Forum I/89

 

In Friedrichrode demonstrierten 1000, in Gotha 3000, in Güstrow 15 000. In Teterow bildeten 3 500 Menschen mit Kerzen eine Lichterkette durch die Stadt zum VPKA.

28. Oktober

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Neues Deutschland vom 28.10., S. 1

Schlagzeilen

 

BESCHLUSS DES STAATSRATES DER DDR ÜBER EINE AMNESTIE

 

CSSR-REISEN WIEDER PASS- UND VISAFREI

MITTEILUNG DES MINISTERUNS DES INNERN DER DDR

 

BERLIN (WEST): OBDACHLOSE PRANGERN WOHNUNGSNOT AN

 

LINIENFLUGVERKEHR ZWISCHEN DDR UND BRD WIRD FORTGESTZT

Neues Deutschland vom 28.10., S. 1

 

LEITER DER DDR-KONSULARABTEILUNG IN WARSCHAU:

 

Humanitäre Maßnahme wird so schnell wie möglich verwirklicht

... Die Realisierung der genannten Vereinbarung habe am Montag, dem 16.Oktober, begonnen und dauere seither an. "Bislang erhielten wir Anträge auf ständige Ausreise aus der DDR von rund 2 400 DDR-Bürgern. Wir sind betrebt, diese in sehr kurzer Frist zu bearbeiten. Durch große Anstrengungen vieler Mitarbeiter der Botschaft und zusätzlicher Kräfte konnten bis zum heutigen Tag 1470 Bürgern die entsprechenden Dokumente ausgehändigt werden", erklärte der Leiter der Konsularabteilung der Botschaft, Dr. Peter Krause.

29. Oktober

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Beschluß des "Demokratischen Aufbruchs" vom 29.10.

In Wahrnehmung der Grundsatzerklärung aus Art. 27 und 29 der Verfassung der DDR soll jeder Bürger, der der Grundsatzerklärung zustimmt, durch sachliche und konstruktive Meinungsäußerung an der Mitgestaltung der Gesellschaft der DDR mitwirken und sich frei entscheiden können, Mitglied dieser Partei zu werden, die ihre Aufgabe vorrangig darin sieht, die Mitwirkung der Bürger an der ökologischen, politischen, kulturellen sozialen und wirtschaftlichen Gestaltung der Gesellschaft in der DDR zu fördern. ...

Der Tagesspiegel vom 29.10., S. 1

Die "politische Wende", die Egon Krenz verkündet hat, ist nach wie vor eine opportunistische. Sie war und ist opportun, weil anders der Machtapparat der DDR dem Druck der Massen nicht mehr standgehalten hätte. Sei es um den Druck derjenigen, die das Land verließen, sei es dem Aufbegehren derjenigen, die jetzt nach so vielen Jahren der Stagnation Veränderungen forderten. ... Die bisher nur teilerneuerte Führung der SED folgt dabei nach wie vor nicht dem eigenen Willen, sondern einer ihr diktierten Notwendigkeit.

30. Oktober

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Neues Deutschland vom 30.10., S. 1

Schlagzeilen

 

"SONNTAGSGESPRÄCHE" IN DER HAUPTSTADT BEGONNEN

DISKUSSIONSRUNDEN VOR DEM ROTEN RATHAUS UND IN DER KONGRESSHALLE

MEINUNGEN UND GEGENMEINUNGEN VORGEBRACHT

KEIN THEMA TABU

 

GESPRÄCH MIT DEM REGIERENDEN BÜRGERMEISTER VON BERLIN (WEST)

GÜNTER SCHABOWSKI UND ERHARD KRACK ERÖRTERTEN MIT WALTER MOMPER FRAGEN DER GEGENSEITIGEN BEZIEHUNGEN

Neues Deutschland vom 30.10., S. 2

Schlagzeilen

 

POLNISCHE BÜRGER BEANTRAGEN ÜBERSIEDLUNG IN DIE DDR

 

VIER STUNDEN KONSTRUKTIVE UND ZUM TEIL KONTROVERSE DEBATTE IN ERFURT

GERHARD MÜLLER UND WEITERE POLITIKER SPRACHEN MIT BÜRGERN IN DER THÜRINGENHALLE

Neues Forum I/89

 

In Jena demonstrierten 12 000, i Schwerin 80 000, in Leipzig 300 000. Bei Wind und Regen zogen 50 000 durch Magdeburg. In Halle mußte die von der SED geplante Demo "Rote Fahnen gegen weiße Kreuze" wegen mangelnder Beteiligung ausfallen.

31. Oktober

100 TAGE DIE DIE DDR ERSCHÜTTERTEN

Neues Deutschland vom 31.10., S. 1

Schlagzeilen

 

EMPFANG FÜR ABSOLVENTEN DER MILITÄRAKADEMIEN

EGON KRENZ: AUCH UNTER SICH VERÄNDERNDEN BEDINGUNGEN SICHERN DIE STREITKRÄFTE DIE UNANTASTBARKEIT DES HOHEITSGEBIETES DER DDR

 

EGON KRENZ REIST HEITE NACH MOSKAU

 

DEBATTE IM BUNDESVORSTAND:

WIE KANN WENDE IN DER ARBEIT DES FDGB ERREICHT WERDEN?

ENTSCHEIDUNG ÜBER VERTRAUENSFRAGE VON HARRY TISCH WURDE VERTAGT

 

BRD-POLITIKER:

ALLE EHEMALIGEN DDR-BÜRGER WERDEN BESPITZELT

Der Tagesspiegel vom 31.10., S. 1

Schlagzeilen

 

"SCHWARZER KANAL" EINGESTELLT

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