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SPRUCH DES JAHRES

Die Regierungen, welche die Freiheit der Rede unterdrücken, weil die Wahrheiten, die sie verbreitet, ihnen lästig sind, machen es wie die Kinder, welche die Augen zuschließen, um nicht gesehen zu werden.

Ludwig Börne

SPRUCH DER WOCHE

Die Leute streiten, weil sie nicht gelernt haben zu argumentieren.

Gilbert Keith Chesterton

LUSTIGES

Quelle: Aus dem umgestülpten Papierkorb der Weltpresse (1977)

Paris - Einen strengen Verweis bekam der Oberschüler René Artigan, der als Antwort auf das Aufsatzthema"Wie haben Sie Ihre Ferien verbrfacht?" nur zwei Worte geschrieben hatte: "Danke, ausgezeichnet."

Die Lehmänner
Die Lehmänner

1640-1675 Regentschaft in Gotha

Was geschah in der Zeit von 1640-1675?

1640

- Ernestinische Teilung. Erster Schritt zur Aufteilung des Ernestinischen Gesamtbesitzes. Grundstein für die Entstehung der Kleinstaaterei in Thüringen.

- Galileo Galilei entwirft die Pendeluhr.

Geboren:

08.01. Elisabeth Dorothea von Sachsen-Gotha-Altenburg

09.06. Leopold I., Kaiser HRR

 

1642

Einführung der allgemeinen Schulpflicht in Sachsen-Gotha.

Gestorben:

08.01. Galileo Galilei

03.07. Maria von Medici, Frau des französischen Königs Heinrich IV.

1643

Geboren:

04.01. Isaak Newton

21.08. August VI., König von Portugal

Gestorben:

14.05. Ludwig XIII., König von Frankreich

 

1643

- Der erste deutsche Walfänger legt in Hamburg ab.

Gestorben:

06.10. Elisabeth de Bourbon, Königin von Spanien und Portugal

 

1645

Gestorben:

23.07. Michael I., Zar von Russland

 

1646

Geboren:

15.04. Christian V., König von Dänemark und Norwegen

22.06. Maria Francisca Elisabeth von Savoyen, Königin von Portugal

15.07. Friedrich I., Herzog von Sachsen-Gotha-Altenburg

Gestorben:

13.05. Maria Anna von Spanien, Königin von Ungarn und Böhmen, Kaiserin HRR

 

1647

- Das englische Parlament schafft Weihnachten ab.

 

1648

- Westfälischer Frieden und damit Ende des Dreißigjährigen Kriegs.

Geboren:

26.04. Peter II., König von Portugal

24.05. Albrecht von Sachsen-Gotha-Altenburg, Herzog von Sachsen-Coburg

Gestorben:

28.02. Christian IV., König von Dänemark und Norwegen

20.05. Wladislaw IV. Wasa, König von Polen

 

1649

- Otto von Guericke erfindet die Kolbenluftpumpe

Geboren:

10.09. Bernhard I., Herzog von Sachsen-Meiningen

Gestorben:

30.01. Karl I. König von England, Schottland und Irland

 

1650

Geboren:

04.11. Wilhelm III., König von England, Schottland und Irland

19.11. Heinrich, einziger Herzog von Sachsen-Gotha-Römhild

 

1653

Geboren:

06.01. Christian von Sachsen-Gotha-Altenburg, Herzog von Sachsen-Eisenberg

01.05. Georg von Dänemark und Norwegen, Gatte der britischen Königin Anne

 

1654

- Die Wirkungen von Vakuum und Luftdruck werden auf dem Reichstag zu Regensburg von Otto von Guericke mit den „Magdeburger Halbkugeln“ demonstriert

Gestorben:

09.07. Ferdinand IV., König HRR, König von Böhmen, König von Ungarn

 

1655

- Stephan Farfler, gehbehinderter Nürnberger Uhrmacher, erfindet den Rollstuhl

Geboren:

12.07. Ernst von Sachsen-Gotha-Altenburg, Herzog von Sachsen-Hildburghausen

04.12. Karl XI., König von Schweden, Herzog von Zweibrücken

 

1656

Gestorben:

06.11. Johann IV., König von Portugal

 

1657

Geboren:

11.07. Friedrich I., König von Preußen

12.11. Anna Dorothea von Sachsen-Weimar, Äbtissin des Reichsstifts Quedlinburg

Gestorben:

02.04. Ferdinand III., Kaiser HRR

 

1658

- Jan Swammerdam, niederländischer Naturforscher, beschreibt erstmals die roten Blutkörperchen

Geboren:

22.08. Johann Ernst von Sachsen-Gotha-Altenburg, Herzog von Sachsen-Saalfeld

05.10. Maria Beatrice d’Este, Königin von England, Schottland und Irland

Gestorben:

03.09. Oliver Cromwell, Lordprotektor von England, Schottland und Irland

 

1660

- Niederländische Buren besiedeln Südafrika

- In England wird die Branntweinsteuer erhoben

- Otto von Guericke sagt erstmals mit Hilfe eines Barometers einen Sturm voraus

Geboren:

07.06. Georg I., König von Großbritannien und Irland, Kurfürst von Hannover, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg

Gestorben:

13.02. Karl X. Gustav, König von Schweden

 

1661

Geboren:

09.06. Fjodor III., Zar von Russland

06.11. Karl II., König von Spanien

Gestorben:

17.05. Wilhelm IV., Herzog von Sachsen-Weimar

 

1665

Geboren:

16.02. Anne Stuart, Königin von Gr0ßbritannien und Irland

Gestorben:

17.09. Philipp IV., König von Spanien, Neapel und Sizilien, König von Portugal (III.)

 

1666

- Der große Brand von London zerstört vier Fünftel der Stadt in vier Tagen

- Die große Pest von London fordert 50.000 Menschenleben von 350.000

Geboren:

06.08. Marie Sophie von der Pfalz, Königin von Portugal

 

1667

- Einführung der Straßenbeleuchtung in Paris

Geboren:

28.10. Maria Anna von Pfalz-Neuburg, Königin von Spanien

 

1668

Geboren:

30.10. Sophie Charlotte von Hannover, Königin in Preußen

Gestorben:

06.01. Magdalena Sibylle von Sachsen, Herzogin von Sachsen-Altenburg

21.11. Adolf Wilhelm, Herzog von Sachsen-Eisenach

 

1669

- Historisch größte Eruption des Ätna

Geboren:

Anne Marie d‘Orléans, Königin von Sardinien und Sizilien

Gestorben:

Henrietta Maria von Frankreich, Königin von England, Schottland und Irland

 

1670

Gestorben:

09.02. Friedrich III., König von Dänemark und Norwegen

 

1671

- Die britischen Kronjuwelen werden von Thomas Blood aus dem Tower gestohlen

Geboren:

07.03. Robert Roy MacGregor (Rob Roy)

21.10. Friedrich IV., König von Dänemark und Norwegen

 

1672

- Nach Erbteilung erhält Sachsen-Gotha den Löwenanteil von Sachsen-Altenburg und wird zu Sachsen-Gotha-Altenburg

Gestorben:

16.12. Johann II. Kasimir, König von Polen

 

1673

- Die Pariser Oper wird durch einen Brand zerstört

Geboren:

21.04. Wilhelmine Amalie von Braunschweig-Lüneburg, deutsche Kaiserin

 

1674

Geboren:

22.01. Dorothea Maria von Sachsen-Gotha-Altenburg, Herzogin von Sachsen-Meiningen

 

1675

Geboren:

24.03. Friederike von Sachsen-Gotha-Altenburg, Fürstin von Anhalt-Zerbst

Gestorben:

26.03. Ernst I. der Fromme, Herzog von Sachsen-Gotha-Altenburg

Kriege und Auseinandersetzungen

1640-1668 Restaurationskrieg (Spanien-Portugal)

1642-1649 Englischer Bürgerkrieg

1643-1645 Torstenssonkrieg (Schweden-Dänemark)

1645-1648 Hessenkrieg

1645-1669 6. Venezianischer Türkenkrieg

1652-1654 Englisch-Niederländischer Krieg

1653-1653 Schweizer Bauernkrieg

1654-1667 Russisch-Polnischer Krieg

1654-1654 Bremisch-Schwedischer Krieg

1655-1661 Zweiter Nordischer Krieg (Polen-Litauen-Schweden-Russland)

1656-1656 Erster Villmerger Krieg

1663-1664 Vierter Österreichische Türkenkrieg

1665-1667 Zweiter Englisch-Niederländischer Krieg

1666-1666 Zweiter Bremisch-Schwedischer Krieg

1667-1668 Devolutionskrieg (Frankreich-Spanien)

1672-1674 Dritter Englisch-Niederländischer Krieg

1672-1676 Osmanisch-Polnischer Krieg

1674-1679 Dritter Nordischer Krieg (Schweden-Brandenburg-Preußen-Dänemark)

Aus dem Volksbüchlein von Pfarrer Credner:

Umfang und Zustand des Landes

Zu dem Lande, das dem Herzog Ernst bei der Theilung zufiel, gehörten diesseits oder auf der nördlichen Seite des Thüringer Waldes:

das Amt Gotha,

das Amt Tenneberg und Reinhardsbrunnen,

das Amt Georgenthal und Schwarzwald,

das Amt Wachsenburg und Ichtershausen,

das Amt Tonndorf;

jenseits oder auf der südlichen Seite des Thüringer Waldes:

das Amt Salzungen und

das Amt Königsberg.

Als im Jahr 1644 genannter Herzog Albrecht von Eisenach ohne Kinder starb, kam, nach der mit dem andern noch lebenden Bruder Herzog Wilhelm von Weimar vorgenommenen Theilung noch dazu

Das Amt Heldburg, Veilsdorf, Eisfeld, Kreyenberg und Volkenrode.

Auch im Jahr 1660 fand noch eine Vergrößerung des Herzogthums statt durch die endliche Theilung der seit 1583 (wo der letzte Graf von Henneberg Georg Ernst starb) gemeinschaftlich regierten Grafschaft Henneberg. Mit dem Lande Herzog Ernst’s wurden davon die Ämter

Frauenbreitungen

Wasungen und

Sand

vereinigt. Endlich erhielt sein Land noch, drei Jahre vor Ende seines Lebens, einen bedeutenden Zuwachs durch den größten Theil der Fürstenthümer Altenburg und Coburg, deren Herzog Friedrich Wilhelm III. in einem Alter von 13 Jahren (1672) verblich.

So überschaut denn einmal das Land, das glücklich zu preisen war, unter der väterlichen Obhut Herzog Ernst’s zu stehen, ehe ihr selbst noch näher betrachtet, warum die Bewohner desselben glücklich zu preisen waren. Die Residenzstadt, von welcher aus er es regierte, war Gotha. Ueber den größeren Theil des Thüringer Waldes dehnte sich das Land von Abend nach Morgen. Auf der nördlichen Seite verflachte es sich nach den Städten Erfurt und Langensalza zu. Die Leina, von der brausenden Apfelstädt am Fuße des Gebirgs der Residenzstadt künstlich zugeführt, fließt stille der Nesse zu und, mit der Hörsel bei Eisenach vereinigt, verstärken diese Flüßchen zusammen nicht weit davon die Werra. Weiter östlich rauscht die Ohra bei Ohrdruf vorbei und vereinigt sich mit dem Gewässer, welches der Apfelstädt von der abgeleiteten Leina noch übrig geblieben ist. Die Gera, noch weiter östlich von der Höhe des Waldes herab durch Bergthäler tosend, die bei Arnstadt sich zu einer fruchtbaren Ebene erweitern, gibt, nach ihrer Verbindung mit der Apfelstädt, der Feste Erfurt zu ihren Wallgräben das nöthige Wasser und kommt einige Stunden davon mit der Unstrut zusammen, die, an der nördlichen Grenze des Gothaischen Landes vorbei, sich ihr Flußbett hin nach der Saale durchwühlt hat.

Von dieser, der Saale, wurde der östliche Theil der Ernestinischen Länder durchströmt oder berührt. Sie bildet bei einem langen und mühsamen Weg vom Fichtelgebirge her das freundliche Saalthal. Der auf der Bergeshöhe nahe gelegenen Stadt Orlamünde vermag sie nicht durch ihre Gewässer zu schaden; aber sie bedroht zur Zeit des Anschwellens die Gegend von Kahla. Dann begrüßt sie das mitten im Thale gelegene und von Ernst’s Ahnen seit 1549 zur Universität erhobene Jena und wendet sich, bei mehreren alten Burgen vorbei, der Ebene hinter Naumburg zu. Dort mit der Unstrut geschwisterlich vereint bringt sie später dem Elbstrom eine ansehnliche Verstärkung. Zuvor hat erst noch einen andern Fluß in sich aufgenommen, die Elster, welche sich bei Leipzig mit der Pleiße vereinigt, nachdem diese letzte das Fürstenthum Altenburg von Süden nach Norden durchschnitte hat. Auf der südlichen Seite des Thüringer Waldes durchzieht von Eisfeld her die unheimliche Werra mit ihrem bald flachen bald tief fließenden Wasser eine lange Strecke des Landes in einem zuweilen sich verengenden, doch mehr noch sich fruchtbar erweiternden Thale, um dann das benachbarten Hessenlandes Felder und Wiesen bei Wanfried und Eschwege zu einem fröhlichen Gefilde zu machen und vieler Leute Hände auf Kähnen und kleinen Schiffen bis hin nach Münden zu beschäftigen. Noch südlicher nach Franken zu ergießen sich zwei kleine Flüßchen, die Streu von Mellrichstadt her, die Milz, nicht weit vor Römhild vorbei, in die Fränkische Saale, und winden sich mit derselben zwischen Berghöhen hin durch das Baierische Land, bis sie bei Gmünd das steinige Flußbett verläßt und ihr kaltes Wasser den wärmeren Wellen des Mains zuführt, der langsam von Würzburg über sandigen Boden breit herab gezogen kommt, um den weit gekrümmten Umweg über Wertheim nach Aschaffenburg zu machen und sich dem König und Vater von Teutschlands Flüssen, dem Rhein endlich anzuschließen. Noch ein anderer Fluß in Ernst’s Lande gelangt gleichfalls dahin. Die Itz ist es, welche unter der hochgelegenen Feste Ehrenburg bei Coburg hin durch den anmuthig grünen Itzgrund dem Main sich nähert, da wo Bamberg’s breite Frucht- und Gemüse-Länder in ihrer Ausdehnung erblickt werden.

Das Land zählte viele Ortschaften und Städte. Die Namen der letztern mögen dastehen zum leichten Ueberblick über das Ganze. Nördlich vom Thüringer Wald liegt Gotha mit den kleineren Städten Waltershausen, Ohrduf; im Gebirge selbst Friedrichroda und Zella; auf der südlichen Seite folgen längs des Werraflusses Eisfeld, Hildburghausen, Themar, Meinungen, Wasungen, Salzunge; südlich vom Werrathal nah an der Baierischen Grenze Römhild; östlich Sonneberg. Im Itzgrund ist Schalkau und Coburg; nicht fern davon, nach Römhild zu, Heldburg; nach Hildburghausen zu Rodach; nach Sonneberg zu Neustadt; weiterhin südwestlich abwärts, dem Maine nicht ganz fern, das abgelegene Königsberg. Im belebten Saalthal sind Saalfeld, Orlamünde, Kahla, Jena, Camburg; auf der rechten Seite davon Pöseneck, Roda und Eisenberg; auf der linken, südlich von Saalfeld: Gräfenthal und Lehesten. In der Mitte des Fürstenthums Altenburg ist die Stadt gleichen Namens sammt Schmölln; an der südwestlichen Seite Ronneburg, an der nördlichen Lucka.

Dazu kamen gegen 1300 Dörfer oder einzelne Höfe und Güter.

Aber wie es jetzt in diesen Städten und Ortschaften aussieht, so war es nicht damals, als sie unter die Regierung Herzog Ernst’s kamen, namentlich nicht in denen, welche er im Jahr 1640 nach der Theilung zwischen den Brüdern übernahm und im J. 1644 nach des Herzogs Albrecht Tode erbte. …

Im Kampfe hatten viele das Leben verloren. Zu Hause starben noch mehr in Folge von Elend, roher Mißhandlung, Hungersnoth. Feuer verzehrte Wohnungen, Krankheiten wütheten unter den Bewohnern; was von entreißbaren Gütern da war, wurde eine Beute wilder Krieger; was nicht mit fortgenommen werden konnte, als liegende Güter, verwilderte aus Mangel an arbeitenden Händen oder aus Mangel an Lust zur Arbeit und Mühe, die so vielmals vergeblich war. Was dieses Jahr geblieben und gerettet war, wurde das nächste Jahr geraubt. Und die Menschen selbst, die am Leben blieben, sie verwilderten wie ihre Aecker, sie gaben sich zuletzt selbst vor Unmuth und beim Anblick der verübten Dinge den schändlichsten Lastern hin. …

Alles Einzelne, war ein Beleg für das Gesagte wäre, anführen zu wollen, würde zu weit führen. Einige wenige Angaben mögen vom Ganzen eine Vorstellung geben. Die Angaben betreffen die Stadt Gotha und mehrere Ortschaften, um die Stadt Gotha herumgelegen. Zu Anfang des Jahres, in welchem der Herzog das Land als das seinige übernahm, mußte die Stadt Gotha dem Schwedischen General Banner 1248 Malter Korn, 2040 Malter Hafer, 338 Faß Bier, 42 Pferde und 2100 Thlr. An Geld entrichten. Mehrere Kriegssteuern kamen dazu. In Siebleben waren im Laufe der zwei Jahre 1635 und 1636 an der Pestüber 400 Menschen gestorben, in Goldbach während des Jahres 1636 auf die gleiche Weise 189, in Friemar 378, in Tüngeda 109. In Grabsleben waren 24 Häuser bewohnt, 56 Hofstätten lagen wüste. In Großrettbach fanden sich, ls Ernst die Regierung antrat, endlich wieder 13 Menschen ein, um Wohnung zu nehmen. In Tüttleben blieben bei einem Brande 1 Wohnhaus, 15 Scheunen und 20 Ställe stehen. In Hörselgau brannten 106 Gebäude ab. In Uelleben wurden 59 Häuser, 57 Scheunen und 90 Ställe theils in Asche gelegt theils durch Soldatenhände verwüstet. Metebach war leer von Menschen geworden. In Eberstädt unterlagen 1638 40 Personen dem Hungertode; in Teutleben das Jahr vorher 66 Personen ebenso. In Brüheim waren keine Mittel da, die verwüstete Pfarrwohnung wieder aufzubauen. In Eschenberg nahm die Verilderung zu, als die Leute drei Jahre ohne Pfarrer waren und Kirche und Schule zu unterhalten weder die Lust noch die Mittel hatten. In Mechterstädt mußte der Schullehrer seinen Dienst verlassen und vor den Thüren sein Brod suchen. Das alles war zu sehen in einem Umkreis von 3 Stunden um Gotha herum. …

„Der zustand war einmal über die Maaßen elend; Teutschland stand durchaus in voller Flamme; Thüringen war insonderheit ein Sammelplatz aller feindlichen Armeen; Städte und Dörfer lagen guten Theils in der Asche, theils ganz, theils von den meisten Inwohnern durch Krieg, Hunger und Pest entblößt, die fürstlichen Kammergüter waren wüst und öde, alle etwas festen Oerter mit eines oder des anderen kriegenden Theils Garnisonen, so durch unerträgliche Contributiones das wenige noch übrige Volk auffraßen, belegt; die öftern Durchmärsche und Quartiere nahmen vollends mit, was diese alle an Pferden, Vieh und Getreide hinterlassen hatten.“

Daher lautet es auch in dem Vertrag bei der Erb- und Landeshuldigung am 17 Februar des Jahres 1641 also:

„Sehen Sie weiter zum geistlichen Stande, so sehen Sie anders nichts, als verfallene, zerstörte und verwüstete Gotteshäuser, Kirchen- und Schulgebäude, zu deren Reparation und Anbau freilich wohl ein mächtiger reicher König David zu erwünschen wäre.“

Ernsts Regierung

In ein solches Land zog Herzog Ernst ein, um es von nun an als das seinige zu beherrschen. Wo hätte er da wohl Freude, Muth und Kraft hernehmen wollen, wenn er nicht gedacht hätte, wie große und edle Seelen denken: Vertrau auf Gott und rette die Bedrängten. So dachte Ernst’s großer und edler Geist; so schritt er zu Werk; und das Werk gedieh frisch und kräftig unter dem Sagen von oben. …

Das alte Schloß Grimmenstein war schon länger als 70 Jahre zerstört, und weil sich in der Stadt kein zur Residenz geeignetes Gebäude vorfand, bezog er mit seiner Familie und seinem Gefolge einstweilen das bei der Stadt Waltershausen auf einem Vorsprung des Thüringer Waldes freundlich gelegene Schloß Tenneberg. Unterdeß wurde das jetzige Rathhaus in Gotha für den Herzog bewohnbar gemacht. …

Die Verheerungen des Krieges dauerten noch fort, als er die Regierung angetreten hatte. Im Jahr 1642 wurde der Durchzug der französischen Truppen so wie des Schwedenheers unter Königsmark dem Lande zur Last. 1644 fiel ein Haufe kaiserlicher Soldaten über den Thüringer Wald herein, plünderte und zog sich mit seiner Beute in den Wald zurück. Im Jahr 1646, als eben das ganze Schwedische Heer vor Gotha vorbei gerückt war und das Land ausgesogen hatte, machte es ein kaiserlicher Haufe ebenso wie vorher, und führte aus dem östlichen Theile des Herzogthums, nach Kranichfeld zu, 1500 Stück Pferde allein fort. Die Gegend, wohin dieser Haufe nicht gedrungen war, wurde bald darauf vom Schweden-General Wrangel besetzt, der sein Hauptquartier in Ohrdruf aufschlug, wie das Jahr vorher Thorstenson gethan hatte. Wrangel war kaum abgezogen, so führte ein anderer Trupp aus den westlicher gelegenen Ortschaften über 260 Stück Rindvieh und Schweine mit sich fort, der andern dabei verübten Dinge nicht zu gedenken. …

Da wurden von Seiten des Herzogs schwere drückende Lasten übernommen, und in bestimmten Zeiten Lieferungen an Geld und Getreide und Futter verabfolgt, um nur die armen, geplagten unterthanen zu ermuthigen und zu sichern. Mehr als 160.000 Thlr. Kostete das alles an Geld bis zu dem endlichen Friedensschluß, ungeachtet der Vorstellungen, die er bei den feindlichen Heerführern zum Theil selbst machte, zum Theil durch einige seiner Diener machen ließ. …

„Besteht doch das Fürtsenamt“, sagte der Herzog,“in Führung des Regiments und fleißiger guter Aufsicht, daß es im Lande allenthalben sowohl in geistlichen als weltlichen Dingen richtig daher gehe, Gottes Ehre befördert, Jedermann gleich und unpartheiisch Recht ertheilet, Schutz geleistet, das Gute belohnt, das Böse gestraft werde.“

So war denn das Schul- und Kirchwesen vom Anfang seiner Regierung an bis zu Ende ein eben so großes Anliegen seines Herzens als das Wohl des Landes überhaupt. Es wird ja durch die Schule das aufwachsende Geschlecht zu verständigen, brauchbaren und wahren Menschen erzogen, die da einst anzuwenden wissen, was Gott ihnen an Kräften gegeben hat, wenn sie vorher zur Ehrfurcht und Liebe gegen den, der es ihnen gegeben hat, von einem verständigen und gottesfürchtigen Lehrer geleitet sind. …

Die Schulen auf dem Lande wie in der Stadt, die Volksschulen wie die Gelehrtenschulen wurden verbessert. Zweckmäßige Bücher wurden ausgegeben; weßhalb ein Buchdrucker von Arnstadt nach Gotha geladen wurde, eine Druckerei daselbst einzurichten; nach einem geordneten Schulplane mußte verfahren werden. Der Herzog erschien zuweilen selbst in den Schulen, und sah, wie das Werk gedieh.

Er erlebte aber auch selbst noch die Früchte davon. Es wurde zum Sprüchwort, daß des Herzogs Bauern gescheidter wären, als die Edelleute in anderen Gegenden. So war es auch mit den kirchlichen Anstalten. Die Sonntagsfeier wurde wieder zu Ehren gebracht; auf die Besetzung und Verwaltung der geistlichen Stellen wurde das genaueste Augenmerk gerichtet; an die Kenntnisse und an den gewissenhaften und sittlichen Lebensewandel der angestellten Geistlichen wurden strengere Forderungen gemacht; die dürftigen Gehalte wurden verbessert. …

Nicht anders war es mit Allem, was in seine Regentensorge einschlug. Welch eine Achtsamkeit auf Jegliches, was die Verwaltung betraf! Welch eine Püntlichkeit, unermüdliche Thätigkeit, Gerechtigkeitsliebe, Mildthätigkeit! Es waren keine bloßen Worte, sondern wohl überdachte Gründsätze und in der Tiefe des Herzens gehegte Wünsche, die von ihm schriftlich aufgesetzt wurden in einem Testament vom Jahr 1654. …

Daß er bei der Nachsicht, die er gegen sonstige viele Gebrechen und Schwächen übte, Untreue oder Unredlichkeit seiner Diener nicht ungeahndet hingehen ließ, oder unsittliches Wesen, in seiner Umgebeung besonders, nicht duldete, gibt schon sein ganzer Sinn selbst zu errathen. Auf einer Reise in seinem Lande sah er zufällig einen Mann ausreiten, dessen ganzes Aeußere ihn aufmerksam machte. Er erkundigte sich weiter nach ihm. Es war ein Angestellter, dessen Aufwand mit seiner Einnahme in keine Uebereinstimmung gebracht werden zu können schien. Es wurde der Sache weiter nachgegangen, und es ergab sich, daß der Aufwand durch Veruntreuung bestritten wurde. Der Mann war bald außer Dienst. …

Bei der Auswahl seiner Diener nahm er es genau. Geschicklichkeit, Tüchtigkeit und Rechtschaffenheit gaben bei Anstellung und Weiterbeförderung den Ausschlag. Auf Herkommen und Geburt nahm er dabei keine Rücksicht. Der größere Theil der Männer, welche hohe Stellen verwalteten, gehörte, der Geburt nach, nicht dem vornehmen Stande an. …

Mehrere der Männer hatten einen ausgezeichneten Ruf durch ganz Teutschland. Andere wirkten bei einem weniger ausgebreiteten Namen segensreich und still an ihrem Platze und in ihrem Kreis. Zu jenen ersten Männern gehörte vor vielen anderen der Geheimerath Georg Franzke, nach seinem im J. 1659 erfolgten Tode von dem Herzog selbst und der gesammten Bürgerschaft als ein hochverehrter Diener des Landes zum Begräbniß begleitet, und in dem fürstlichen Erbbegräbniß in der Margarethenkirche zu Gotha mit seiner sterblichen Hülle eingesenkt. Ein anderer war der Geheimrath Veit Ludwig von Seckendorf, ein überaus unterrichteter und in vielen Sprachen wohl bewanderter Mann, den als einen fleißigen und braven Jüngling auf der Schule zu Coburg der Herzog liebgewann, fortwährend im Auge behielt, reisen ließ und endlich in seine Dienste nahm. Ein anderer Mann von tiefer und gründlicher Gelehrsamkeit war Salomon Glaß, zum Generalsuperintendent nach Gotha berufen. …

Andreas Reyher, von Suhl, erlangte als Director des Gymnasiums zu Gotha einen ausgezeichneten Ruf. Außer diesen Männern verdienen noch insbesondere Hiob Ludolf und Christoph Brunchorst genannt zu werden. Jener, aus erfurt gebürtig und endlich zur Würde eines Geheimerathes erhoben, erwarb sich des Herzogs Gunst durch seine Geschicklichkeit in Regierungs- und Cammergeschäften, wie er einen wohlbekannten Namen auswärts durch seine gelehrten Kenntnisse besaß. Dieser, Christoph Brunchorst, ebenfalls aus Erfurt gebürtig, wurde von seiner Pfarrei zu Hohlstedt zum Hofprediger und Consistorialassessor in Gotha 1640 befördert. …

Sein hoher Sinn und seine Freigebigkeit da, wo es wichtige Dinge und edle Zwecke galt, zeigte sich auch bei genug anderen Gelegenheiten, und nicht bloß gegen seine angestellten Diener, sondern gegen seine Landeskinder überhaupt. Im Jahr 1662 stellte sich eine Theurung ein. Herzog Ernst hatte bedeutende Fruchtvorräthe in seinen Magazinen. Da ließ er diese öffnen, das Getreide um einen billigen Preis an die Unterthanen verkaufen, und es war umsonst, daß benachbarte Fürsten und ausländische Kaufleute fast den dritten Teil des Preises mehr boten. In den Jahren 1646 und 1665 litt die Stadt Gotha durch große Feuersbrünste. Durch die Unterstützung des Herzogs an Bau-Materialien wie an Geld erhoben sich über der Brandstätte schönere und dauerhaftere Häuser, als vorher da gestanden hatten.

Einen ganz besonderen Beweis von der Sorge, mit welcher er den äußerlichen Wohlstand seiner Unterthanen ins Auge faßte, und Fleiß, Betriebsamkeit und Handelsverkehr zu fördern strebte, gab er in den großartigen Versuchen, einige der kleinen Flüsse in seinem Lande schiffbar oder wenigstens für kleinere Fahrzeuge zum Fortschaffen von allerlei Landeserzeugnissen tauglich zu machen. …

Sein großartiger Plan ist ihm zwar in dieser Rücksicht nicht so geglückt, wie andere Dinge, die er vornahm; aber das Großartige selbst, das darin liegt, der Zweck, den er dabei im Auge hatte, die Mittel, die er dabei aufbot, die Kraft, mit der er Schwierigkeiten zu überwinden suchte, das alles verdient im Andenken zu bleiben. …

Ein anderes Werk war unserm Herzog besser gelungen, bei dem er auch viele Hände der arbeitenden Classe beschäftigte, und über das sich noch jetzt Vieler Augen freuen. Das Schloß Friedenstein zu Gotha ist es, da aufgebaut, wo das im Jahr 1567 geschleifte Schloß Grimmenstein gestanden hatte. Der Herzog fand bei der Afführung dieses Baues mancherlei Bedenklichkeiten; er ließ sie sich sogar auf ausdrückliche Ermunterung schriftlich überreichen und unterwarf das, was dafür und dawider sprach, einer sorgsamen Prüfung. Denen, die dagegen sich erklärten, versicherte er uch mit seinem wahrheitsliebenden Munde, daß sie wie gewissenhafte Männer gesprochen Hätten. Aber nach reiflichem Hin- und Hererwägen ging’s zum Werk. Es fehlte in seiner Residenz an einer des Fürsten würdigen und seiner Familie angemessenen Wohnung. Am 26. October des Jahres 1643 Mittags 12 Uhr wurde der Grundstein gelegt. Im Jahr 1646 den 16. Juli wurde die Schloßkirche eingeweiht – der Gottestempel mußte zuerst fertig werden. Im Jahr darauf war das unter Leitung des Baumeisters Rudolf emporsteigende Schloß vollendet und konnte von der fürstl. Familie bezogen werden. …

Im Jahr1663 drohten die Türken bei ihrem gewaltsamen Einfalle in des teutschen Kaisers Erblande immer weiter vorzudringen. Der Herzog Ernst ließ es nicht bei Anempfehlung „herzlichen Gebets und Besserung des Lebens“ bewenden, mit der Versicherung, „daß er selbst seines Orts mit fernern christlichen Anstalten und eignem Crempel den Landständen und Obrigkeiten im Land voranzugehen sich vorgenommen habe“; er ließ auch den Befestigungsbau der Stadt Gotha und des Schlosses Friedenstein eifrig betreiben, ein Magazin errichten und 4000 Mann auf den Kriegsfuß setzen, die von ihren Kriegsübungen wieder zu ihren gewöhnlichen Beschäftigungen zurückkehren durften, als der errungene Sieg über die türken und der mit ihnen abgeschlossene Friede durch ein Dankfest im Lande gefeiert werden konnte. Und mit welchem Eifer bedachte und besorgte der 72jährige Greis die kriegerischen Anstalten im J. 1673, als ein Heer des französischen Königs Ludwig XIV. über den Rhein rückte, das Heer eines Fürsten, der seinem Sinn und seiner Handlungsweise nach gerade das Gegentheil von unserm Ernst war, nur an äußerlichen Glanz seiner Regierung dachte, von eitler Ehrsucht in allen Stücken geleitet. Jenes Heer ließ weitere Einfälle befürchten, wenn man auch noch nicht dachte, daß solche barbarische Grausamkeiten von einem benachbarten christlichen Staate verübt werden könnten, als gar nicht lange nachher wirklich von Seiten der Franzosen unter demselben König durch absichtliche Einäscherung vieler Städte und Dörfer am Rhein geschah. Unser Herzog betrieb bei dem Churfürsten und den anderen Fürsten von Sachsen schleunige Aufbietung eines Vertheidigungsheeres, vermehrte, nach einem im Lande angeordneten Bußtag und erneuerter Warnung vor Entheiligung des Sonntags, um das Dreifache die Zahl der Truppen, welche er das Jahr vorher zum Reichscontingent versprochen hatte, machte denen, welche ein sogenanntes Ritterpferd zu stellen hatten, zur Pflicht, entweder selbst wohlgerüstet zu Pferde zu erscheinen, oder an ihrer Statt einen andern wohlgerüsteten Mann zu Pferde zu senden, traf endlich zur Befestigung der Stadt Meiningen eilige Anstalten, damit die Landleute dort bei etwaigen Ueberfällen der Feinde einen Zufluchtsort hätten. Größer noch als die Sorge war die Freude des Herzogs, da das vorgerückte französische Heer durch den kaiserliche General Montecuculi zurückgedrängt wurde.

(aus: Herzog Ernst der Fromme nach seinem Wirken und Leben

Ein Volksbüchlein, insbesondere für die Bewohner der einstmals von ihm beherrschten Länder,

von Chr. W. Credner, Pfarrer in Wölfis

Gotha 1837)

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