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SPRUCH DES JAHRES

Die Regierungen, welche die Freiheit der Rede unterdrücken, weil die Wahrheiten, die sie verbreitet, ihnen lästig sind, machen es wie die Kinder, welche die Augen zuschließen, um nicht gesehen zu werden.

Ludwig Börne

SPRUCH DER WOCHE

Die Leute streiten, weil sie nicht gelernt haben zu argumentieren.

Gilbert Keith Chesterton

LUSTIGES

Quelle: Aus dem umgestülpten Papierkorb der Weltpresse (1977)

Paris - Einen strengen Verweis bekam der Oberschüler René Artigan, der als Antwort auf das Aufsatzthema"Wie haben Sie Ihre Ferien verbrfacht?" nur zwei Worte geschrieben hatte: "Danke, ausgezeichnet."

Die Lehmänner
Die Lehmänner

Sagen aus der Gegend um Waltershausen

Eine weiße Frau auf Tenneberg.

Das sagen viele, daß sich auf dem Schloße Tenneberg, wie auf so vielen andern Schlössern, eine weiße Frau erblicken läßt. Sie erscheint aus einem Thurm und durchwandelt ruhelos die zahlreichen Gemächer und Säle des geräumigen Hauses. In jenem Thurm ist ihr Grab. Oft hat man auch zur Nachtzeit Licht in dem öden unbewohnten Flügel des Schlosses gesehen. Diese weiße Frau soll keine andere sein, als jene angebliche Königin von England, die auf Tenneberg, wie mit Wahrscheinlichkeit zu vermuthen steht, in ihrer Gefangenschaft starb.

(aus: Die Sagen aus Thüringens Frühzeit von Ohrdruf und dem Inselberge, Teil II, herausgegeben von Ludwig Bechstein, 1836)

Die falsche Königin von England auf Tenneberg.

Im Sommer des Jahre 1559 kam eine vornehme Dame unter fürstlichem Geleit und auf Befehl des Herzogs Johann Friedrich des Mittlern von Gotha nach dem Schloß Tenneberg, und es verbreitete sich das Gerücht, sie sei eine Königin von England, und zwar die geschiedene Gemahlin König Heinrichs VIII., Anna von Cleve, deren Tod zwar überall verkündet worden, die aber aus harter Gefangenschaft geflohen sei und sich in den Schutz des gütigen deutschen Fürsten begeben habe. Sie mußte auf Tenneberg viel Hartes dulden, denn es war ruchtbar geworden, daß sie nicht die sei, für die sie sich ausgegeben habe, und sie lebte auf Tenneberg nicht wie eine Freie, sondern wie eine Gefangene. In jedem Verhör sagte sie etwas anders aus, was ihre Lage sehr erschweren mußte. Endlich wurde sie wahnsinnig und erlitt harte Anfechtungen, sie drohte sich selbst zu ermorden, und der Amtmann auf Tenneberg lebte der Ueberzeugung, daß der böse Feind sie versuche und ihr auf alle Weise zusetze. Deßhalb kam es so weit, daß der Scharfrichter von Jena nach Tenneberg verschrieben wurde, sie peinlich anzugreifen, wenn sie nicht bekenne. Nun bekannte sie manches und viel von dem Teufel, der ihr erschienen sei und ihr alles Unglück angedroht habe. Der Henker spannte sie auf die Leiter und streckte sie, doch blieb sie bei dem, was sie zuletzt ausgesagt, nehm- lich, daß sie eine unehelich geborne Tochter des Herzogs von Cleve sei, und eine Vertraute der Königin Anna. Darauf blieb sie auch in nach folgenden Verhören, „und wenn man sie in Stücken reißen ließe."

Sie saß auf Tenneberg in einem gemauerten Gewölbe, und trug ein langes weißes Kleid. Nie hat man späterhin von ihr gehört, noch gesehen, mit einem Mal war alles still. Keiner weiß, ob sie auf Tenneberg gestorben, oder ob sie von dort entkommen ist, halb verklungen und fast mythisch lebt nur noch das Andenken an sie im Volk.

(aus: Die Sagen aus Thüringens Frühzeit von Ohrdruf und dem Inselberge, Teil II, herausgegeben von Ludwig Bechstein, 1836)

Die Gizze.

Albrecht, der unartige Landgraf, versetzte und verpfändete, um für sich und feinen Sohn Apitz Geld zu erlangen, einen Ort und eine Burg nach der andern, ja er verkaufte das ganze Land. So versetzte er auch Tenneberg an den Vogt Heinrich von Milo, daß er ihm entweder jedes Jahr zwanzig Mark Silbers geben, und dafür alle Renten und Gefälle einnehmen sollte, oder er sollte ihm zweihundert Mark darauf leihen, die er seinem Sohn und seiner Frau Kunigunde zuwenden wollte. Das vernahm Markquard, der Abt zu Reinhardsbrunn, und fürchtete, daß sein Kloster und dessen Dörfer Schaden und Bedrängniß durch Heinrich von Milo und die Seinen haben würden, berieth sich deßhalb mit den Aeltesten des Convents und faßte den Rath, lieber selbst das Schloß Tenneberg von dem Landgrafen zu Pfand zu nehmen und ihm mehr dafür zu bieten, als der Ritter von Milo, denn sie gedachten weislich, wenn sie auch mehr Geldes dafür gäben, so könnten sie es auch mit mindern Kosten und viel leichtlicher halten, wie ein Anderer. Darauf fuhr der Abt Markquard gen Eisenach zum Landgrafen und redete mit ihm, daß er dem Kloster das Schloß und alle seine Zugehörung abtrete gegen jährliche dreißig Mark Silbers. So viel wollte Herr Heinrich von Milo nicht geben, und der Abt nahm Tenneberg ein. Nun hatte der Abt einen Dienstmann, der sein Jäger war, der hieß Friedrich Giz, den setzte er als einen Vogt auf Tenneberg, leistete ihm redlich allen Vorschub, speißte das Schloß aus dem nahen Kloster, und Friedrich Giz saß so lange darauf, daß er Erbe gewann, Dorf und Zinsen kaufte, davon noch die Wüstung Gizzenberg herrührt, und es stammten die vielen Gizze von ihm ab, die später um Tenneberg Wohnsitze hatten.

(aus: Die Sagen aus Thüringens Frühzeit von Ohrdruf und dem Inselberge, Teil II, herausgegeben von Ludwig Bechstein, 1836)

Wie Apitz Tenneberg räumen mußte.

Als der tapfere Sohn Margarethens, Friedrich der Freudige, die Wartburg erstiegen und seinen Vater gefangen hatte, baten die Grafen, die Herren und die Städte des Thüringer Landes, daß er den Landgrafen nicht in ewiger Gefangenschaft halte, wie er gedroht, sondern ihn ledig geben, und die Sühne mit ihm halten möchte, die der König zwischen ihnen getheidingt habe, da antwortete er: Mein Vater hat die Sühne an mir und an meinem Bruder gebrochen, hat mich Jahr und Tag in hartem Gefängniß gehalten, bis mir Gott her ausgeholfen, hat seinem Sohn Apitz Tenneberg eingeräumt, was er alles nach des Königs Sühne nicht thun durfte. — Doch wurde der Landgraf los gebeten, aber Apitz mußte Tenneberg räumen. Nicht lange darauf ist es geschehen, daß Landgraf Friedrich von der hartbedrängten Wartburg zur Nachtzeit mit seinem jüngstgebornen Töchterlein mitten durch die Feinde von dannen und gen Tenneberg ritt, wo der Abt von Reinhardsbrunn es taufen und Elisabeth nennen mußte.

(aus: Die Sagen aus Thüringens Frühzeit von Ohrdruf und dem Inselberge, Teil II, herausgegeben von Ludwig Bechstein, 1836)

Von dem Schlosse Tenneberg.

Ueber Waltershausen erhebt sich das alte und berühmte Schloß Tenneberg, darauf hat sich viel Sonderliches in alten Zeiten zugetragen. Den Namen soll es von den Tannen haben, mit denen der Burgberg bestanden war und zum Theil noch ist. Als Landgraf Albrecht der Unartige sich mit seiner Gattin Kunne von Isenberg ehelich zusammen geben ließ, nachdem seine unglückliche erste Gattin zu Frankfurt gestorben war, nahm dieses Weib ihren erstgebornen Sohn Apitz unter ihren Mantel während der Trauung, damit er einen ehrlichen Namen gewinne. Auf diese Weise wurde nun Apitz ein rechter Sohn des Landgrafen, und dieser übergab ihm das Schloß und das Gericht Tenneberg, das geschah im Jahr 1288. Kaum saß Apitz auf dem festen Schloß, so wollte er auch seine ritterliche Mannheit schauen lassen, streifte durch die Dörfer, die dem Kloster Reinhardsbrunn zuständig waren, und trieb den Bauern das Vieh von dannen, um seine Burg damit zu speisen. Als der Convent zu Reinbardsbrunn das vernahm, sammelten sich beide Mönche und Laien mit allem ihrem Gesinde und mit den Bauern aus ihren Dörfern, und nahmen den Räubern das Vieh mit Gewalt wieder ah. Dabei geschah es, daß ein Converse des Klosters also grimmig war, daß er den Landgrafensohn mit einer Heugabel beinahe niedergestochen, wenn nicht ein Mönch ihn mit Bitten davon abgehalten hätte. — Da solches dem Ritter Apitz widerfahren war, fuhr er stracks gen Wartburg und klagte es seinem Vater mit weinender Stimme, worauf der Landgraf dem Vogt Heinrich von Milo, den er zu Gotha hatte Befehl zukommen ließ, er solle dem Kloster und dessen Dörfern und Höfen alles Vieh, und den Bauern alle ihre Habe nehmen, so viel und was sie immer hätten. So grausam war Landgraf Albrecht gegen Land und Leute. Der Vogt von Milo aber hatte einen Sohn im Kloster, dem ließ er heimlich Botschaft bringen von dem harten Befehl seines Herrn, und als er hierauf selbst kam, mit des Landgrafen Dienstmannen, fanden sie weder in den Feldern, noch in den Dörfern Vieh und Habe.

(aus: Die Sagen aus Thüringens Frühzeit von Ohrdruf und dem Inselberge, Teil II, herausgegeben von Ludwig Bechstein, 1836)

Der wandelnde Mönch.

Auf dem Markt zu Waltershausen, ohnweit der Kirche, liegt in das Pflaster eingesenkt ein großer platter Stein, der früher erhöht stand, und wohl ein Mahlstein aus alten Zeiten war, wie ein solcher auch zu Arnstadt steht. Denn die Stadt hatte freies Gericht und Weichbildsrecht, es war ein Gerichtsstuhl in Waltershausen, und in alten Zeiten wurde oft das Geding auf offenem Warft, an einem, breiten Stein, oder unter den Rolandssäulen, wo solche waren, gehalten. Nun wissen und erzählen noch viele Leute, daß vor alten Zeiten in jeder Nacht ein grauer Mönch geschritten kam, ging zu dem Stein, und dreimal um ihn herum, zog seine Kutte aus und legte sie auf den Stein, worauf er von dannen schritt; nach einer Weile kam das mönchische Gespenst zurück, zog die Kutte wieder an und ging von dannen, woher es ge kommen war. Das trieb es lange Zeit so fort, bis einmal ein Thürmer, der oft dem Spuk zugesehen, sich ein Herz faßte, aufmerkte, wenn der wandelnde Mönch wiederkam und seine Kutte aus zog. Rasch war der Thürmer bei der Hand, wischte aus seinem Pförtlein heraus und trug das Gewand davon. Bald darauf kehrte der Mönch zurück, und da er sein Gewand nicht fand, stand er still, wie verwundert, ging dann hinweg und kam nimmermehr wieder. Das Gewand wurde in dem kleinen Archiv aufbewahrt, das im Thurm ist, und das man die eiserne Kammer nennt; dort ist es noch immer, ein wunderlich Gewebe, grau und zart gefaltet. Ich habe es mit eignen Augen gesehen.

(aus: Die Sagen aus Thüringens Frühzeit von Ohrdruf und dem Inselberge, Teil II, herausgegeben von Ludwig Bechstein, 1836)

Der Sammet - Aermel.

Die Stadt Waltershausen führt einen Karpfen zwischen Bäumen im Wappen, und es geht die Sage dort, daß das Wappen folgenden Ursprung habe. Vor alten Zeiten war oben vor dem Waldthor am Fuß des Strömelberges eine schöne Quelle, welche zu Thal fließend, die Stadt mit Wasser versah. Eines Tages aber geschah es, daß sie begann, sich also stark und furchtbar zu ergießen, daß durch die Wassermenge das Städtlein ernstlich bedroht wurde, denn zum Bergstrom angeschwollen, wälzten sich die rollenden Wogen herab, daß alles zagte. Das Wasser stürzte das Waldthor ein und drang schon in die ersten Stockwerke der Häuser. In solcher Roth verschrieb der Stadtrath einen Pfaffen aus der Nähe, etwa aus Reinhardsbrunn, der ging hinan zum Berg, stopfte die Quelle mit einem Aermel zu und versprach sie. Darauf hörte das Wasser auf zu fließen, und die Quelle, oder der Ort, wo sie vordem sprang, bekam von da an den Namen der Sammet-Aermel oder der Mönchsärmel. Wie das wilde Wasser in der Stadt sich verlaufen hatte, fand man eine große Menge Karpfen und andere Fische auf Zäunen und niedern Bäumen, deßhalb nahm die Stadt zum Gedächtniß solcher Ueberschwemmung einen Karpfen und drei Bäume in ihr Wappenschild. War aber vorher ein Wasserueberfluß daselbst gewesen, so trat durch des geweihten Kuttenärmels Kraft nun Wasser-Mangel ein, denn der Aermel ließ auch kein Tröpflein mehr aus der Quelle heraus und herab. Deßhalb hat die Stadtgemeinde der Dorfgemeinde zu Wahlwinkel ihren Bach abgehandelt und nach der Stadt geleitet, der noch heute dort hin fließt, und wurde dafür ein Stück Tannengehölz gegeben, das noch heute die Wahlwinkler Gemein heißt.

(aus: Die Sagen aus Thüringens Frühzeit von Ohrdruf und dem Inselberge, Teil II, herausgegeben von Ludwig Bechstein, 1836)

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