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SPRUCH DES JAHRES

Die Regierungen, welche die Freiheit der Rede unterdrücken, weil die Wahrheiten, die sie verbreitet, ihnen lästig sind, machen es wie die Kinder, welche die Augen zuschließen, um nicht gesehen zu werden.

Ludwig Börne

SPRUCH DER WOCHE

Wir sind verantwortlich für das, was wir tun, aber auch für das, was wir nicht tun.

Voltair

LUSTIGES

Quelle: Aus dem umgestülpten Papierkorb der Weltpresse (1977)

Amsterdam - Der Weltverband der Junggesellen wird von dem Holländer Ger Greije geleitet. Mijnheer Greije ist allerdings verheiratet. Er hatte seine Frau vo rvier Jahren auf dem damaligen Weltkongre? der standhaften Junggesellen kennengelernt.

Die Lehmänner
Die Lehmänner

Sagen aus der Gegend von Georgenthal

Georgenthaler Klostersagen.

Vom Kloster zu Georgenthal steht nichts mehr, als das Fruchthäuschen, der Herrenthurm, und der größte Theil der Umfangmauer, und über der Stelle, wo die Hauptgebäude standen, rauscht ein Wald. Das Kloster fand auf ähnliche Weise, wie Reinhardsbrunn, im Bauernkrieg seinen Untergang, und die stürmische Zeit vertilgte es ganz. Nur scheuen Trittes rauscht durch der Bäume abgestorbenes Laub, das die moosbewachsenen niedern Trümmerhügel deckt, die Sage des Volkes.

In dem Fruchthäuschen, das früher wohl eine ganz andere Bestimmung hatte, als die, von der es jetzt seinen Namen trägt, sieht man eine noch ziemlich gut erhaltene gothische Rose, von meisterhafter Arbeit und überaus künstlich in Sandstein durchbrochen ausgearbeitet. Von der großen runden Oeffnung, die sie bildet, erzählt man sich, daß sie genau so weit sei, wie die äußerste Mündung der großen Glocke im Erfurter Domstift. — Die Kirche zu Georgenthal soll in frühern Zeiten nichts weiter als ein Schafstall des Klosters gewesen sein.

Bei dem Fruchthaus, rechts unter der großen steinernen Rose, liegt ein großer Schatz, auch geht es dort in der Nähe um. Das wiederholt sich bei allen Klosterstätten. Einmal ging eine in der Mittagsstunde in dem Klostergarten in das Gras, da steht plötzlich oben auf der Anhöhe, über welche die Mauer sich hinzieht, ein schleierweißes Frauchen und winkt. Der Schlüsselbund fehlt nicht, und es winkt und winkt, bis die Glocke zwölf schlägt, da ist es mit einem mal hinweg. Die Grasende ging mit ihrer Tracht ins Dorf, der Weg führt sie dicht am Fruchthaus vorbei, da liegt ein schönes Tuch mit hellen Leinknotten. Sie verwundert sich, wo doch an diesen Ort die Knotten herkommen, und steckt zwei davon ein. Wie sie nach Hause kommt, sind es zwei blanke Dukaten.

Das erzählen viele Leute in Georgenthal, daß vor nicht allzulanger Zeit ein Schneider lebte, der Wilhelm hieß, in der Sprache des Volks Welm. Dessen Frau träumt drei Nächte hinter einander, ein weißes Fräubchen (Frauchen) erscheine ihr und deute ihr an, sie solle hin an das Kornhaus und den Schatz heben; und weil es ihr dreimal träumt, so geht sie hin, und ihr Mann geht mit, beide voll Todesangst. Sie finden auch allerdings die Stelle und graben still und herzhaft darauf los, denn reden darf bei Leibe nicht, wer einen Schatz hebt. Da rasselt's schon, da klingt's, da thut's einen Ruck von unten herauf, der Topf ist da, und da kommt ein kohlschwarzer Kater, der setzt über den Topf. Laut schreit vor Schreck die Frau: Ach Welm! Ach Welm! — Hui! Weg ist der Schatz. —

(aus: Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes , Erster Theil, Ludwig Bechstein, Hildburghausen 1835)

Der Zigeunerweg

Bei Georgenthal geht waldhinan ein lieblicher Fußpfad, den sie im Dorf den Zigeunerweg nennen. Immer und immer nur diesen Weg kamen sonst, da man sie noch in dasiger Gegend duldete, die braunen Horten des räthselhaften Volks gezogen, oft auch zogen sie denselben zurück. Am Ende des Pfades geht eine Höhle in den Berg. Sie kamen und schwanden, keiner wußte, woher und wohin? Es war, als wenn der nahe Wald die Fremdlinge hervorwachsen ließe, und noch nicht alte Leute haben in ihren Jugendtagen ihrer viele gesehen. Jetzt kommen keine mehr, nicht mehr schallt Triangel und Castagnette zum Tanz, nicht mehr blickt mit klugem, glühendem, dunkeln Auge manche listige Prophetin in die Hand des gläubigen Dorfbewohners, und das Volk, von dem man nie recht wußte, wo es hergekommen, schwindet hinweg, man wird auch nie recht wissen, wie es verschollen. Aber noch lange werden die Alten den Jungen von Zigeunern erzählen, ihnen bei Georgenthal den Weg zeigen, den diese gewandelt, und die Erinnerung an sie wird als Sage fort leben in den spätern Zeiten.

(aus: Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes , Erster Theil, Ludwig Bechstein, Hildburghausen 1835)

Asolverod

Es war ein frommer Graf von Käfernburg, Sizzo geheißen, der baute auf der Höhe des Waldes hinter der St. Johanniskirche auch ein Kirchlein, und ließ es in die Ehre des heil. Georgs einweihen, die Stelle, wo es gestanden hat, wird noch von den Waldleuten Sinngörgen (Sankt Görgen) genannt. Doch da Graf Sizzo und seine Gemahlin Gisela im Einverständniß mit ihren Söhnen Heinrich und Günther beschlossen, dieß gottgefällige Werk zu erweitern, so suchten sie einen günstigern Ort, und fanden ihn in dem nahen Thal, wo schon einer, Asolv mit Namen, den Wald gerodet und urbar gemacht, dorthin erbauten sie nun die Kirche und das Kloster, und nannten es Asolverod. Weil aber die frühere Kirche auf einem Berge gelegen war, so hatte man diesen Georgenberg genannt, und nun nannte man Kirche und Kloster , da beides im Thal lag, Georgenthal, welcher Name bis auf den heutigen Tag blieb, und den alten schon früh verdrängte. Das Kloster wurde mit Mönchen Cisterzienser- Ordens besetzt und überaus reich begabt mit Wäldern, Feldern, Aeckern, Wiesen, Flüssen, Bächen, Höfen und Ortschaften in der Nähe und Ferne, so daß es eines der reichsten des Thüringerlandes war. Sein erster Abt war Eberhard, ein geborner Graf von der Mark, der, seine Sünden zu büßen, erst ein Schweinehirt wurde, und dann in das Kloster Morimont in der Champagne trat, dieser begann die lange Reihe der Aebte zu Georgenthal.

(aus: Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes , Erster Theil, Ludwig Bechstein, Hildburghausen 1835)

Der letzte Graf von Käfernburg wird in Georgenthal begraben.

Graf Günther von der Käfernburg sah sich ohne Erben, und schied von feiner Hausfrau Mechtildis, eine Bußfahrt zum heiligen Grabe zu thun„ vielleicht daß sein Gebet an jenen geweihten Stätten ihm erringe, was beide Gatten so heiß ersehnten. Dieß war im Jahre 1385. Glücklich langte er in Jerusalem an, sah alle die heiligen Stellen, wo der Erlöser auf Erden gewandelt, und trat dann auch eine Wallfahrt zum Berge Sinai an. Dort auf dem St. Katharinenberge, der einen Theil des mächtigen Sinai bildet, überfiel plötzlich der Tod den frommen Grafen. All sein Land daheim fiel an den Landgrafen Balthasar von Thüringen; seine Gebeine wurden von den treuen Begleitern der schmerzensreichen Witwe gebracht, und dann, nach seinem und ihrem Willen, nach Kloster Georgenthal abgeführt. Es war ein trauriger Zug, der sich von der Käfernburg herab, durch Arnstadt und durch Ohrdruf an diesen Ort bewegte, überall läuteten die Glocken, und alles Volk beklagte das Erlöschen des alten Stammes. Der Leichnam Günthers wurde an der Seite seiner Aeltern, die auch dort ruhten, beigesetzt. Und so singt ein vaterländischer lebender Sänger dem längst abgeschiedenen Pilger nach:

Und so ging von jenen Grafen,

Die Jahrhunderte hindurch herrschten -

hier der letzte schlafen

Aus der alten Käfernburg.

(aus: Der Sagenschatz und die Sagenkreise des Thüringerlandes , Erster Theil, Ludwig Bechstein, Hildburghausen 1835)

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