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SPRUCH DES JAHRES

Die Regierungen, welche die Freiheit der Rede unterdrücken, weil die Wahrheiten, die sie verbreitet, ihnen lästig sind, machen es wie die Kinder, welche die Augen zuschließen, um nicht gesehen zu werden.

Ludwig Börne

SPRUCH DER WOCHE

Die Leute streiten, weil sie nicht gelernt haben zu argumentieren.

Gilbert Keith Chesterton

LUSTIGES

Quelle: Aus dem umgestülpten Papierkorb der Weltpresse (1977)

Paris - Einen strengen Verweis bekam der Oberschüler René Artigan, der als Antwort auf das Aufsatzthema"Wie haben Sie Ihre Ferien verbrfacht?" nur zwei Worte geschrieben hatte: "Danke, ausgezeichnet."

Die Lehmänner
Die Lehmänner

Um in diese Abteilung einzusteigen eignet sich kaum jemand besser als Ernst I. der Fromme.

Herzog Ernst I. der Fromme von Sachsen-Gotha-Altenburg

Quelle: Wikipedia

Ernst wurde als neunter Sohn von Johann III. von Sachsen-Weimar und seiner Frau Dorothea Marie von Anhalt-Köthen am ersten Weihnachtsfeiertag 1601 in Altenburg geboren.

Seine Erziehung erhielt er durch Hofmarschall Kaspar von Teutleben und Hofrat Friedrich Hortleder.

Im Dreißigjährigen Krieg diente er als Oberst in der schwedischen Armee.

Am 24. Oktober 1636 heiratete er Prinzessin Elisabeth Sophia von Sachsen-Altenburg.

1640 teilten die drei Brüder Wilhelm IV., Albrecht und Ernst einvernehmlich Sachsen-Weimar in drei Teile auf, Sachsen-Weimar, Sachsen-Eisenach und Sachsen-Gotha. Letzteres regierte Ernst I. bis zu seinem Tod und wird der Stammvater der Linie Sachsen-Gotha.

Die Burg Grimmenstein zu Gotha war im Jahre 1576 vollständig zerstört worden und so mußte sich Ernst I. für sich und seine Familie erst einmal eine standesgemäße Behausung errichten. Baubeginn für das Schloß Friedenstein war 1643 und Fertigstellung 1654.

Ernst I. gilt als ein großer Reformer, hauptsächlich auf dem Gebiet des Schulwesens. Aber auch andere Gebiete des öffentlichen Lebens sparte er nicht aus. Meilensteine waren hier die Gründung des Gothaer Gymnasiums zur Eliteförderung, der "Schulmethodus" für die Förderung der allgemeinen Grundbildung, die Einführung der Schulpflicht, die Einrichtung eines Waisenhauses, die Reorganisation des Justizwesens, die staatliche Aufsicht über das Gesundheitswesen und und und...

Als erstes Mitglied des Hauses Sachsen-Gotha-Altenburg wurde Ernst I. in den Gewölben der Kirche St. Margarethen beigesetzt.

1904 wurde auf dem Platz vor dem Schloß Friedenstein ein überlebensgroßes Denkmal von Ernst I. eingeweiht.

Kurzstammliste (Eltern und Kinder)

Aufnahme TL am 01.08.2014

Aus dem Leben von Herzog Ernst I. dem Frommen

Nach dem kurzen Einstieg in die Biografie von Herzog Ernst I. wollen wir uns nun etwas tiefer in die Familie und die Zeit, in der er lebte, hineinversetzen.

Die Familie von Ernst I.

Der Vater:

Herzog Johann, geboren zu Weimar 22. Mai 1570, von seiner Mutter Dorothea Susanna nur das Gnadenkind genannt, stand unter der Vormundschaft des Kurfürsten August und wurde, nachdem die Mutter seine erste Erziehung trefflich geleitet hatte, an den Hof seines Vormundes nach Dresden gebracht (13. September 1584), nach dessen Tode (1586) er die Regierung seinem älteren Bruder allein überließ. Er selbst blieb noch einige Monate am Dresdener Hofe und kehrte erst 10. Juni 1586 nach Weimar zurück. Ein stilles geräuschloses Leben zog er der Selbstregierung vor, als er mündig geworden war, und nach dem Tode seiner Mutter (29. März 1592) schloß er mit seinem Bruder wegen der Administration der Lande einen Vergleich (1. November 1592), in welchem er sich zu seinem Unterhalte mit den Aemtern Altenburg, Eisenberg und Ronneburg begnügte. Seinen Wohnsitz nahm er in Altenburg. Als aber sein Bruder starb (7. Juli 1602), sah er sich genöthigt, die Landesregierung zu übernehmen und verlegte sofort seine Residenz von Altenburg nach Weimar.

Am 23. November 1603 theilte er zu Weimar das bis dahin gemeinschaftliche Herzogthum mit seines Bruders unmündigen Söhnen,  Johann Philipp,  Friedrich,  Johann Wilhelm und Friedrich Wilhelm II., welche unter der Vormundschaft des Kurfürsten Christian II. von Sachsen, und später (1611) Johann Georgs I. standen. Die letzteren wählten den altenburgischen Theil, so daß dem Herzoge Johann Weimar verblieb.

Zwischen beiden Linien entstanden heftige und bittere Streitigkeiten über die Frage, welcher fürstliche Theil „im Gehen, Sitzen und Stehen" den Vorrang behaupten sollte. Während der Minderjährigkeit der Prinzen hatten die altenburgischen Räthe „mit unzeitiger Anziehung eines Primogeniturrechts" es dahin gebracht, daß der kaiserliche Reichsrath „ganz eilfertiger Weise, wider alle Vermuthung und gegen alle angewandten beweglichen Bitten ihrer Mutter (Dorothea Maria), die Sache bis zu erlangter Volljährigkeit der Söhne zu verschieben," ein Decret veröffentlichte (Prag, 27. Sept. 1607), in welchem dieser Präcedenzstreit zu Gunsten der altenburgischen Herzöge entschieden wurde, weil sie von dem erstgeborenen Sohne Herzog Johann Wilhelms abstammten und also die ältere Linie bildeten.

(Aus:

Ernst der Fromme, Herzog zu Sachsen-Gotha und Altenburg.

Ein Beitrag zur Geschichte des siebenzehnten Jahrhunderts von Dr. August Beck,

Erster Teil 1865)

Die Mutter

Dorothea war eine fromme, wissenschaftlich gebildete, kluge und liebenswürdige Fürstin, welche die Erziehung ihrer Kinder und insbesondere deren geistige Ausbildung vortrefflich leitete, zwar im Geiste jener strengen Zeit, aber doch auf das umsich tigste und verständigste. Sie ermahnte ihre Söhne fort und fort zur Eintracht und Verträglichkeit und wachte eifrig über den zweifelhaft gemachten Gerechtsamen ihrer unmündigen Kinder, welche die stiefväterlichen Kurfürsten von Sachsen als Vormünder zu schmälern suchten. Sie unterstützte reichlich alle Armen und Nothleidenden, vermachte in ihrem Testamente (1611) bedeutende Kapitalien der Universität Jena (20.000 Gülden für evangelische Theologen) und den Schulen des Landes, und erbaute die Kapellen zu Königsberg und zu Reinhardsbrunn , wohin sie die Grabsteine der alten Landgrafen, welche aus den Trümmern des zerstörten Schlosses Grimmenstein aufgegraben wurden, schaffen ließ.

Ihr frühzeitiger Tod (18. Juli 1617) wurde durch einen Unfall herbeigeführt. Auf dem Wege von ihrem Witthume Oberweimar nach Weimar wollte sie, wie es scheint, einem Bettler ein Almosen reichen, aber ihr Roß wird scheu und stürzt sich plötzlich mit ihr in die Ilm. Der Fluß riß sie eine Strecke mit sich fort, bis einer ihrer Diener, ein Franzose, sie glücklich vom Ertrinken rettete und an's Land brachte (30. Juni 1617). Aber Schreck und Erkältung verursachten ihren Tod. Vor ihrem Tode ermahnte sie noch ihre acht Söhne zur Beständigkeit in der evangelischen Lehre und zur Förderung derselben in den weimarischen Landen.

Ihrem Gemahle gebar sie im Laufe einer dreizehnjährigen glücklichen Ehe elf Söhne nach einander, von welchen acht den Vater und die Mutter überlebten. Die einzige Tochter wurde erst nach des Vaters Tode geboren. Ein in der That höchst seltenes Beispiel außerordentlichen Segens einer fürstlichen Ehe !

(Aus:

Ernst der Fromme, Herzog zu Sachsen-Gotha und Altenburg.

Ein Beitrag zur Geschichte des siebenzehnten Jahrhunderts von Dr. August Beck,

Erster Teil 1865)

Die Geschwister

Die Kinder sind der Reihe nach folgende:

1. Johann Ernst - zum Unterschiede von Herzog Johann Ernst dem Aelteren zu Eisenach, der Jüngere genannt, auch wohl der Vierte, wenn man die Brüder Johann Friedrichs I., Johann Friedrichs II. und Johann Casimirs zählt - war geboren den 21. Februar 1594…

2. Johann Wilhelm war geboren 6. April 1595 und starb wenige Stunden nach der Taufe.

3. Friedrich, geboren 1. März I596 zu Altenburg, erhielt mit seinem Bruder Johann Ernst eine gemeinsame Erziehung…

4. Johannes war zu Altenburg geboren den 31. März 1597 und starb zu Weimar den 6. October 1604.

5. Wilhelm IV., geboren den 11. April 1598 zu Altenburg, wurde Stifter der heutigen weimarischen Linie…

6. Ein todt geborener Zwillingsbruder von Wilhelm, 11. April 1598.

7. Albrecht war geboren zu Altenburg den 27. Juli 1599. …

9. Ernst, welcher den Beinamen der Fromme erhielt.

10. Friedrich Wilhelm ll. war geboren 7. Februar 1603 zu Weimar und starb plötzlich 16. August 1619 zu Georgenthal, wohin er mit seinen Brüdern auf die Jagd gegangen war.

11. Bernhard war geboren 6. August 1604 zu Weimar, erhielt gleich seinen älteren Brüdern eine vortreffliche Erziehung und besuchte 1619 die Universität Jena. …

12. Johanna (Postuma) war geboren 14. April 1606 zu Weimar und starb 3. Juli 1609 daselbst.

(Aus:

Ernst der Fromme, Herzog zu Sachsen-Gotha und Altenburg.

Ein Beitrag zur Geschichte des siebenzehnten Jahrhunderts von Dr. August Beck,

Erster Teil 1865)

Familie und Nachkommen von Ernst I.

Aus dem Volksbüchlein von Pfarrer Credner:

Familienleben

Der Jüngling war in das Mannesalter getreten. Der Mann wählte sich eine Gattin. Diese war des Herzogs von Altenburg, Johann Philipp, einzige Prinzessin, Elisabethe Sophie; eine stille, sanfte und liebevolle Gattin, Mutter und Fürstin. Im Jahr 1636 den 24. October war zu Altenburg die Vermählung, der Anfang einer glücklichen, durch Liebe und Treue befestigten Verbindung bis zum Tode. Achtzehn Kinder gingen aus dieser Verbindung hervor, wovon jedoch bei seinem Tode nur 9 noch, 7 Prinzen und 2 Prinzessinnen, am Leben waren. Es läßt sich schon von selbst denken, daß der, welcher ein wahrer Landesvater war, nicht weniger als den treusten und sorgsamsten Familienvater sich zeigte. Von welchen Gründsätzen er dabei ausging, tritt recht klar aus seinen eigenen, im Jahr 1654 aufgesetzten Worten hervor:

„Unsere Söhne und Töchter sollen darin gründlich und mit Fleiß unterrichtet, auch dabei in Zeiten in wahrer Furcht des Herrn zur Aufrichtigkeit, beides gegen Gott und den Menschen, solchergestalt angeführt und gewöhnt werden, daß sie die Heuchelei von Herzen hassen und der Wahrheit gegen jedermann in Glück und Unglück ergeben sein mögen: gestalt denn diejenigen, so unsere fürstlichen Kinder auferziehen werden, dieses Stück vornehmlich in gute Obacht zu nehmen haben.“ …

„Wenn ausgeläutet wird,“ hieß es in seiner Verfügung in Betreff seiner Prinzen und Prinzessinnen, „sollen sie allerseits aus ihren Gemächern fein sittsam nach unserer herzgeliebten Gemahlin Gemach sich begeben, und unsere geliebten Söhne vor demselben aufwarten, unsere geliebten Töchter aber sich darein jedwede an ihren gewöhnlichen Ort, mit kindgehorsamlicher Ehrerbietung verfügen, auch daselbst so lange stille stehen und alles Gewäsch, Ungebehrden, Herumlaufen oder Gaffen, Winken Stoßen und dergleichen übelanstehende Dinge ernstlich vermeiden.“ …

„Wenn nach vollendetem Gottesdienste Wir aus der Kirche nach unserm Gemach uns begeben, sollen unsere geliebte Kinder auf vorgeschriebene Art und Weise, wie bei dem Kirchengehen vorher gemeldet, vor uns die Söhne und nach unserer herzgeliebten Gemahlin die Töchter gehen und sich alsobald in Daroselben Gemach verfügen, auch insgesamt sich vor sich selbst erinner und eher nichts Anderes im Sinn oder sonst wirklich vornehmen, bis sie aus der Predigt erforscht worden.“ …

„Wofern eines oder das andere aus ihrem Mittel was Sonderbares, daran etwas gelegen, vorzunehmen gewillet, sollen sie dessen keineswegs ohne Unser Vorwissen und Gutheißen sich unterfangen, sondern solches vorher gebührend an Uns oder Unsere herzgeliebte Gemahlin und zwar bitt- oder nach Gelegenheit fragens-, nicht aber begehrungsweise bringen.“ …

Ingleichen sollen sie auch den von Uns ihnen Vorgesetzten schuldigen Respect und Folge leisten, und ihren Anmahnungen zum Guten unverweigerlich nachkommen, hergegen wenn sie von ihnen von unziemlichen Beginnen abgemahnt oder nach Gelegenheit der Umstände gestrafet werden, mit Geduld es nicht anders, als ihnen zum Besten gemeint, aufnehmen und sich bessern. So oft demnach zu ihnen gesagt wird, lasset es bleiben, sitzet oder stehet stille und gerade, gebet das und das her, leget jenes hin, gebet Achtung auf das und das, schweiget still und dergleichen, sollen sie alsobald nach solchen Geheiß thun, ihren eigenen Willen brechen und in keiner Weise das Maul aufwerfen, ließe sich aber bei einem und dem andern ein Ungehorsam durch Sauersehen, ei Trotz oder Unruhe spüren, Verweigern, Murren oder in andere Wege der eigene Wille vermerken, soll solchem allem gesteuert werden.“

„Weil denn die Liebe des Nächsten,“ hießen deshalb des Herzogs Worte, „ die höchste Tugend ist und dem großen Gott überaus wohlgefällig, so man Andern ,it freundlichen, liebreichenund sanftmüthigen Geberden, Worten und Werken begegnet, und ein Jedweder sich befleißigt, dasjenige Andern anzuthun, was er will, daß ihm dieselben erzeigen sollen, so wollen Wir, daß unsere geliebten Söhne und Töchter auch sich dießfalls christfürstlich erzeigen, und der ungefärbten Liebe, Sanftmuth und Freundlichkeit aus glaubigem Herzen unverrückt befleißigen, und demnach nicht allein sich unter einander selbst, als natürliche Brüder und Schwestern, inbrünstig lieben, einträchtig mit einander umgehen, und keins das andere, obschon älter wäre, um welcher Ursache es auch immer sein möge, mit zornigem Anschauen, Maulkrümmen und dergleichen feindseligen Geberden oder auch mit verdrüßlichen zornigen Worten, als mit Verwünschen, anzüglichen spöttischen Reden, Schelten oder Verunnahmen, am allerwenigsten mit Schlagen und dergleichen unfreundlichen Bezeugungen einigermaaßen vorsetzlich beleidigen, noch Jemanden etwas zu Trotz thun, das andere von seinem Orte wegtreiben, oder es neiden, wenn es etwas vor anderenn hat oder bekommt oder wegen seines Wohlverhaltens gelobet und geehret wird, solches mit unziemlichen Geberden und Worten zu verstehen geben und nur Egre und Ruhm wollen allein haben, sondern vielmehr sich der Geduld und Sanftmuth, Liebe und Freundlichkeit gegen einander befleißigen und einander alles Gute gönnen, wünschen und anthun. Dergleichen sollen sie auch gegen Andere verträglich, sanftmüthig, geduldig und holdselig sich erzeigen und mit Niemand in ein Wortgezänk sich einlassen.“

Die so herangebildeten Prinzen ließ dann der Herzog eine Zeit lang auf Reisen gehen, um ihre Kenntnisse und Ausbildung zu erweitern. Den zurückgekehrthen erteilthe er selbst eine Anleitung zur Besorgung der Regierungsgeschäfte. Mehrere übernahmen höhere Stellen in anderen Ländern; alle waren geehrt und geachtet nicht bloß im Herzogthum, sondern im teutschen Vaterlande überhaupt. Und von den so herangebildeten Prinzessinnen sah der Herzog die älteste mit dem Landgrafen Ludwig von Hessen-Darmstadt vermählt.

Einzelne Charakterzüge aus dem Privatleben des Herzogs dürfen wir nicht mit Stillschweigen übergehen. Sie wurden zum Theil nur den ihm im Leben nahe Stehenden genauer bekannt und blieben der größeren Menge verborgen, wie es ja mit den schönsten und liebenswürdigsten Tugenden so vieler ist, daß sie wie bescheidene Blümlein sich unbemerkt entfalten. …

Auf seine Wahrheitsliebe hat schon Mehreres in dem Vorgesagten hingewiesen. Unwahrhaftes Wesen war ihm über Alles verhaßt. Darum setzte er einigen Verordnungen, die er im Jahre 1654 niederlegte, die Worte hinzu: „in Betrachtung, daß, obwohl insgemein von einem Jedweden das Gesetz der Natur erfordert, daß er demjenigen ehrbar und aufrichtig nachkomme, was er zugesaget, dasselbige doch einem Fürsten noch vielmehr obliegt und sonders wohl ansteht, also auch, daß desselben bloßes Wort wegen seiner Person Hoheit mehr, oder so viel Nachdruck als eines Privati Eidschwur haben soll.“ Und in seiner Verordnung zur Erziehung der fürstlichen Kinder hatte er anbefohlen:

„Sie sollen zur göttlichen Tugend der beständigen Wahrheit fleißig gewöhnet und angehalten werde, damit sie in keinem Wege auch die geringste Falschheit und Unwahrheit nicht fürnehmen, und ein Ding anders reden, es sei aus Schimpf oder Ernst, als es an ihm selbst ist. – Und so Unser Sohn oder Unsere Tochter sich in Einem oder dem Andern der Unwahrheit befleißigen wollen, sollen sie von der Hofmeisterin oder Hof-Inspectore nach Gebühr deßwegen angesehen und gestraft werden. Es soll auch das Schwören ihnen keineswegs gestattet werden, sondern allein beim Ja, wo es Ja ist, und beim Nein, wo es Nein ist, verbleiben.“ …

Dieser Wahrheitsliebe war Behutsamkeit in der Rede zur Seite, etwas gar nicht so leicht im Leben zu Vereinigendes. Der offene und aufrichtige Mensch erwägt in der Regel nicht so streng, wie Andere, jedes Wort, das er in den Mund nimmt; spricht gern, wie es ihm um das Herz ist, hält nicht gern zurück, auch da, wo Schweigen besser wäre als Reden. Herzog Ernst, wie sehr er Offenheit liebte, war zugleich behutsam in der eignen Rede. …

Er war nämlich ein Feind von allem leeren Geschwätz; ein noch größerer Feind von Allem, was den Sinn und das Gefühl für Anstand und Sitte beleidigte. Kein unsittliches Wesen wurde in seiner Nähe geduldet. Der oben erwähnte Veit Ludwig von Seckendorf versicherte, während der zwanzig Jahre, die er im Dienste des Herzogs und großentheils um ihn gewesen war, kein freches oder schandbares Wort oder Fluch gehört zu haben. …

Seine Wißbegierde, sein Streben zu wachsen an allerlei Erkenntniß und Einsicht, machte selbst diese Zeiten der Erholung zu Zeiten reger Thätigkeit und geistiger Belehrung und Unterhaltung. … Am Abende nach vollbrachtem Tagewerk unterhielt er sich gern mit gebildeten und unterrichteten Männern. Genannter Herr von Seckendorf mußte ihm Auszüge aus Schriften machen, welche selbst zu lesen ihm keine Zeit übrig war, und dann das Wissenswürdigste ihm in freien Stunden, an Abenden, an Sonn- und Festtagen oder auf Reisen mittheilen. So erhielt sich der oft durch Geschäfte abgespannte Geist in erneuter Frische.

Viel ließe sich auch noch sagen von seiner Sanftmuth, seiner Herablassung, seiner Eintrachtsliebe; lauter Züge, die neben der Kraft und neben dem Ernst in seinem Wirken ein ganz besonders schönes Licht um sich verbreiten.

Viel zu erwähnen gäbe es auc noch seine überaus weise Sparsamkeit neben der Freigebigkeit zur rechten Zeit und am rechten Ort, und neben dem fürstlichen Aufwand, den er nicht scheute, wo es den Umständen angemessen war. Es scheint fast unglaublich, wenn den Ausgaben, die er zum Besten des Landes machte, und der Menge von großen und bedeutenden Stiftungen, wozu er die Kapitalien niederlegte, das gegenüber gestellt wird, was er noch erübrigte. Allerlei während der vorhergegangenen Zeit verpfändete Stücke, wie Güter und Aemter, wurden eingelöst, alles Vorhandene wurde in bessern Stand gesetzt, und bedeutende Kapitalien wurden noch an teutsche Fürsten von ihm ausgeliehen. Armen im Lande fehlte nicht die Unterstützung von seiner Hand, und bedrängten Glaubensgenossen in weit entfernten Ländern brachten ihm den Dank dar für die Unterstützung, die auch sie empfangen hatten.

Aus: Herzog Ernst der Fromme nach seinem Wirken und Leben

Ein Volksbüchlein, insbesondere für die Bewohner der einstmals von ihm beherrschten Länder,

von Chr. W. Credner, Pfarrer in Wölfis

Gotha 1837)

Erbteilung 1640 und 1680

Aus dem Volksbüchlein von Pfarrer Credner:

Ernst's Tod

Der Gedanke an seinen Tod war zwar ihm nie fern gewesen, aber mit dem zunehmenden Alter und der wachsenden Schwäche trat er doch mit immer größerer Stärke vor seine Seele. Wir wissen, daß er schon im Jahre 1654 eine ausführliche Verordnung für den Fall seines baldigen Ablebens niederlegte. Er genoß überhaupt nicht, wie wir wohl bei seinem rastlosen Wirken anzunehmen geneigt sein möchten, sehr feste Gesundheit. Der Geist war bei ihm stärker und fester als der Leib. Doch auch dieser war in vieler Hinsicht ein Abbild seiner Seele. An äußerer Gestalt war er von mittlerer Größe, mehr schmächtig als stark, die Glieder in einem wohlgefälligen Ebenmaaß. Blaue und helle Augen leuchteten unter der offenen Stirne hervor; die Nase war etwas gebogen; ein etwas krauses Haar bedeckte das Haupt; der Bart, nach älterer Sitte getragen, verrieth des Mannes innere Kraft.

Aber dieser wohlgebildete Körper litt oftmals an Schwäche. Daher bemächtigte sich seiner zuweilen eine Niedergeschlagenheit, durch welche ihm die innere, höhere Freudigkeit seiner edlen Seele gemindert wurde. Doch er unterlag nicht etwa dieser Niedergeschlagenheit, sondern pflegte wohl zu sagen: „Das ist der alte Adam, der immer alle die Unruhen macht.“ Insbesondere verursachte ihm zuweilen anhaltendes Kopfweh, nächtliche Unruhe, Schwindel, Herzklopfen allerlei Beschwerden. Ohne die Spuren von rheumatischen oder flußartigen Uebeln ging kein Jahr hin. Schon im Jahr 1647 wurde er von einem so heftigen Reißen im linken Arme befallen, daß er eine Fontanelle legen lassen mußte. Auch von Magenbeschwerden und Unverdaulichkeit blieb er nicht verschont. Im Jahre 1668 wurden zwei Finger taub; 1672 erfolgte ein schlagähnlicher Anfall (der sich zwei Jahre nachher 1674 den 8. August erneuerte) und ein fast gänzlicher Verlust der Sprache. Das Befinden besserte sich wieder, aber die Schwäche überhaupt nahm sichtbar zu. Da kam ihm denn vor Allem sein religiöser Sinn zu statten und tröstete und stärkte ihn bis zum Ende. …

Da mußte er oft getragen, meist geführt werden. Hatte er sich aber nur etwas wieder erholt, so dachte er auch wieder an gewohnte Beschäftigungen, wiewohl er dieser Umstände wegen im Jahr 1674 die Regierung dem ältesten Prinzen Friedrich überließ. Freude erfüllte die Herzen der Bürger, als sie ihn am 2ten September 1674, dem Geburtstage des Erbprinzen, wieder in der Kirche erblickten. Auch am 10ten October wurde das Familienfest am Hofe oder das Geburtstagsfest der geliebten Herzogin durch seine Gegenwart bei Tafel erhöht. Er besuchte auch zuweilen wieder die Versammlungen der Collegien, stellte sich noch einigemal bei dem öffentlichen Gottesdienst ein, wohnte selbst noch den sogenannten Informationen bei. Das geschah zu letzten Mal den 8ten Februar 1675 in der Augustinerkirche zu Gotha. Von nun an war er an seine Wohnung, an sein Zimmer, an sein Bett gefesselt, feierte da noch das Gedächtnißmahl Jesu, und sah den Tod näher und näher, aber still, ruhig, getrost, heranrücken. Hatte er doch längst schon früher auf Bücher, die er verschenkte, wohl zuweilen die Worte geschrieben:

                   Regenten sind gemacht aus Erden,

                   Regieren auf Erden,

                   Müssen zu Erde werden.

Der Tod war ihm also kein fremder und unerwarteter Gast, sondern jetzt vielmehr ein befreundeter Bote. Es stellte sich derselbe ein am 26ten Mai des Jahres 1675. Die Herzogin und die Prinzen waren schon ganze 24 Stunden nicht von seinem Lager gewichen; viele treue Diener waren gleichfalls in seiner Nähe. Er betete noch mit ihnen und am Schluß des Vater-Unser schloß sich mit dem Amen sein Auge, und er entschlief zu einem höhern Frieden und freudigern Erwachen 2 Uhr nachmittags am genannten Tag. Der Sarg mit des Herzogs irdischen Ueberresten wurde am 4ten Juni darauf in der Margarethen-Kirche zu Gotha in dem fürstlichen Erbbegräbniß beigesetzt. Ob das Leichenbegräbnis feierlich war, brauchen wir wohl nicht zu fragen. Das Schönste und das Rührendste dabei war die tiefe Trauer der Herzen, die aufrichtigen Thränen von Tausenden, die ihm nachgeweint wurden, und das dankbare und liebevolle Andenken, daß ihm blieb. Dieß Denkmal in den Herzen war noch schöner als das von Stein in jener Kirche, und als die Gedächtnismünze in Silber und Gold, die damals geprägt wurde.

(Aus: Herzog Ernst der Fromme nach seinem Wirken und Leben

Ein Volksbüchlein, insbesondere für die Bewohner der einstmals von ihm beherrschten Länder,

von Chr. W. Credner, Pfarrer in Wölfis

Gotha 1837)

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